Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Follower

Dienstag, 30. September 2014

Colexon will Verschuldung schrittweise senken

29. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Nach dem Zusammenschluss des Hamburger Photovoltaik-Unternehmens mit dem belgischen Konkurrenten 7C Solarparken hat Colexon seine neuen Geschäftsziele definiert. Die Kosten sollen weiter gesenkt werden. Die Verschuldung soll bis 2016 unter 115 Millionen Euro sinken.

Die Colexon Energy AG hat ihre Prognosen für die Geschäftsjahre 2014 bis 2016 präsentiert. Nach dem Zusammenschluss des Hamburger Photovoltaik-Unternehmens mit dem belgischen 7C Solarparken NV bestehe das Geschäftsfeld aus dem Besitz und Betrieb von Photovoltaik-Beteiligungen in Deutschland. „Der Vorstand richtet sein Augenmerk auf die Minimierung der Kosten, eine erhöhte Effizienz der Photovoltaik-Anlagen und selektives Wachstum bei IPP- und PV-Projekten, um einen Cashflow je Aktie von 0,40 Euro bis 2016 zu erreichen“, teilte das Unternehmen mit.
Es sei das Ziel, das EBITDA-Ergebnis bis 2016 auf rund 20 Millionen Euro zu steigern und gleichzeitig die Netto-Verschuldun unter die Marke von 115 Millionen Euro zu senken. Ein Großteil des Cashflows solle aus einem kontinuierlichen Kostensenkungsprogramm um zwei Millionen Euro innerhalb der kommenden zwei Jahre resultieren. Auch solle die Betriebsführung bestehender Photovoltaik verbessert werden. „Die internen Optimierungsgewinne spiegeln sichtlich die Priorität des Management dar, da sie erhebliches Ertragspotential heben bei einer nur minimalen Steigerung der Kapitalintensität“, erklärte der Vorstand von Colexon weiter. Die Zahl der Mitarbeiter habe sich im ersten Halbjahr bereits von 21 auf 17 reduziert. Sie werde bis zum Jahresende auf acht Beschäftigte sinken, inklusive der beiden Vorstände, wie Colexon bereits vor rund einem Monat erklärte.

Neue Kapazitäten sollen hingegen „äußerst selektiv“ ausgewählt werden. Es werde eine strikte Investitionsdisziplin geben und neue Photovoltaik-Projekte müssten bestimmte Renditevorgaben erfüllen. „Die bestehende Pipeline wird schrittweise bearbeitet, sobald die interne Optimierungsarbeit realisiert wurde“, hieß es dazu.

Im April hatten die Colexon-Aktionäre verschiedenen Kapitalmaßnahmen zugestimmt, die zur Übernahme von 7C Solarparken NV führten. Damit konnte das Hamburger Photovoltaik-Unternehmen sein Anlagenportfolio insgesamt weiter ausbauen. 7C Solarparken NV habe sein Ebitda-Ergebnis im ersten Halbjahr auf 5,7 Millionen Euro steigern können. Zudem habe das Unternehmen ihren Bestand an Photovoltaik-Anlagen durch verschiedene Zukäufe in Deutschland noch erweitern können. (Sandra Enkhardt)

Klagen gegen Ex-Geschäftsführer von Sic Processing abgewiesen

29. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Das Landgericht Nürnberg-Fürth hält den ehemaligen Geschäftsführer des mittlerweile insolventen Photovoltaik-Unternehmens nicht für den Prospektveranlasser. Die Richter wiesen daher zahlreiche Prospekthaftungsklagen ab.

Die 10. Kammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth hat am Montag zahlreiche Prospekthaftungsklagen abgewiesen. Zuvor hätten bereits einige Anleihegläubiger ihre Klagen gegen einen der ehemaligen Geschäftsführer der insolventen Sic Processing zurückgezogen, teilte die Kanzlei Hermann Jobe & Partner aus München mit. Es handelte sich bei den Klagen um eine Anleihe des Photovoltaik-Zulieferers am Kapitalmarkt. Nach dem Insolvenzantrag im Dezember 2012 klagten Anleihegläubiger wegen angeblicher Fehler im Prospekt. Die Richter des Landgerichts stellten nun fest, dass der Beklagte schon nicht als Prospektveranlasser qualifiziert werden könne, weshalb es auf die Frage des Vorliegens eines Prospektfehlers überhaupt nicht ankomme. Sie wiesen daher die anhängigen Klagen kostenpflichtig ab, teilte die Münchner Kanzlei mit, die den ehemaligen Geschäftsführer von Sic Processing vertreten hat. Außerdem hätten die Richter darauf hingewiesen, dass keine Anhaltspunkte für eine Fehlerhaftigkeit des Anleiheprospekts vorlägen.

Parallel zu den Klagen der Anleihegläubiger hatte der Insolvenzverwalter von Sic Processing, Christopher Seagan, angekündigt, den chinesischen Photovoltaik-Konzern Yingli auf die Zahlung von Schadensersatz verklagen zu wollen. Seine Klage hatte er im Juli beim Landgericht Amberg eingereicht. Seagan beziffert die offenen Forderungen gegen Yingli auf 23 Millionen Euro. Der chinesische Photovoltaik-Hersteller hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Neuigkeiten zu diesem Verfahren gab es zunächst nicht. (Sandra Enkhardt)

Solarstrom europaweit problemlos integrieren

29. September 2014 | Forschung und Entwicklung, Topnews
Das Forschungsprojekt PV Grid hat europaweit Hindernisse für die Integration von Solarstrom in die Verteilnetze identifiziert und zeigt im Abschlussbericht auch Lösungsansätze auf. In Deutschland sollen die Netze vor allem intelligenter werden und mehr Speichersysteme einbinden.

Nach zweieinhalb Jahren haben 20 Projektpartner aus 16 europäischen Ländern die Arbeit am Forschungsprojekt PV Grid erfolgreich abgeschlossen. Ziel des Projektes war es, technische und rechtliche Barrieren bei der Einspeisung von Solarstrom in die europäischen Verteilnetze zu identifizieren, gleichzeitig sollten Vorschläge für den Abbau der Barrieren entwickelt werden. Am Montag wurden die Ergebnisse nun präsentiert.
Am Projekt waren Vertreter der Solarbranche und europäische Verteilnetzbetreiber beteiligt, koordiniert wurde PV Grid vom deutschen Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Die Europäische Union hat das Projekt mit 2,5 Millionen Euro gefördert.
Dr. Oliver Franz vom Regulierungsmanagement der RWE Deutschland AG sieht die europaweite Zusammenarbeit als Gewinn: „Es war ein sehr fruchtbares Projekt, das europaweit dazu beitragen kann, an bestehende Netze mehr Photovoltaik-Anlagen anzuschließen beziehungsweise den resultierenden Ausbaubedarf der Verteilnetze zu mindern.“
Jörg Mayer, Geschäftsführer des BSW-Solar, sieht die Hürden bei der Integration von Solarstrom weniger auf technischer sondern eher auf rechtlicher Seite. „Rechtliche Hürden verhindern häufig, dass die jeweils effizienteste Technologie zum Einsatz kommt. Werden diese Hürden europaweit abgebaut, sind wieder bessere Voraussetzungen fürs Wachstum der Photovoltaik gegeben.“
Die Projektpartner ermittelten unter anderem die effizientesten technischen Lösungen zur Sicherung der Spannungsstabilität und zur Vermeidung von Betriebsmittelüberlastungen. Ebenso identifizierten sie Barrieren und Hemmnisse in rechtlichen Rahmenbedingungen und technischen Normen. Bei den resultierenden Handlungsempfehlungen werden unter anderem das Einspeisemanagement, Speichertechnologien und die intelligente Steuerung der Nachfrageseite behandelt. Nach Einschätzung von Mayer können die meisten der von PV Grid priorisierten technischen Lösungen in Deutschland schon heute eingesetzt werden.
Maßnahmen für Deutschland
Für Deutschland benennt der Bericht unter anderem folgende Kritikpunkte:
  • Verteilnetzbetreiber haben bisher keinen ausreichenden Zugriff auf die fortschrittlichen Fähigkeiten von Photovoltaik-Wechselrichtern.
  • Für den Betrieb von Speichersystemen gibt es bisher nur unzureichende Richtlinien, sowohl für Betreiber von Solaranlagen als auch für Verteilnetzbetreiber.
  • Auch die flexible Anpassung des Stromverbrauchs an die Stromerzeugung (Demand Response) sei bisher nicht ausreichend geregelt.
  • Zudem sei die Regulierung der Zähler-Infrastruktur in Deutschland inkohärent.
  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen böten außerdem zu wenige Anreize für die Entwicklung eines intelligenten Stromnetzes.

Mit kürzlich in Kraft getretenen Gesetzen seien in Deutschland allerdings auch schon eine Reihe von Hindernissen beseitigt worden. Für andere Barrieren würden bereits Lösungen entwickelt. Besonders Barrieren für intelligente Stromnetze würden derzeit in Angriff genommen, sowohl auf europäischer Ebene als auch innerhalb der Bundesregierung.
Der Bericht schlägt zudem vor, den Verteilnetzbetreibern größere Spielräume bei der temporären Leistungsbegrenzung von Photovoltaikanlagen einzuräumen, um mehr erneuerbare Energien in die Netze integrieren zu können, ohne die Netze weiter ausbauen zu müssen. Im Bereich der Speichersysteme spricht sich der Bericht für eine Lösung aus, die es Verteilnetzbetreibern ermöglicht eigene Speicher für die Netzstabilisierung zu betreiben.
Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden in einer PV Grid Roadmap zusammengefasst. Sie wurde am Montag bei einer Abschlusskonferenz in Brüssel vorgestellt und kann auch auf der Webseite von PV Grid heruntergeladen werden. (Mirco Sieg)

Rockefeller: Erneuerbare statt Fracking

29. September 2014 | Franz Alt, www.sonnenseite.com

Foto: Caren Alt
Können sich auch große Konzerne von fossil-atomaren Energieträgern verabschieden und rasch auf Erneuerbare Energien umsteigen? In den USA offenbar schneller als in Deutschland.

Aus Anlass des Klima-Sondergipfels der UNO gaben die Erben der Rockefeller-Dynastie bekannt, dass sie sich vom Kohle-, Öl- und Fracking-Geschäft verabschieden und in erneuerbare Energieträger investieren wollen. Im 19. Jahrhundert war John D. Rockefeller mit den Milliarden-Gewinnen aus seinem Ölgeschäft zum reichsten Mann der Welt geworden. Jetzt soll die 860 Millionen Dollar schwere Stiftung Rockefeller Brothers Fund in Erneuerbare Energien umsteigen. Damit schloss sich die Rockefeller-Stiftung einer Allianz von 800 Stiftungen in den USA an, die insgesamt 50 Milliarden Dollar in Erneuerbare Energien investieren wollen.

Zur gleichen Zeit demonstrierten in New York 300.000 Menschen für effizienteren Klimaschutz. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte: „Wir haben uns noch nie einer solchen Herausforderung gegenübergesehen. Die Kosten des Klimawandels werden unbezahlbar. Eine emissionsarme Zukunft wird eine bessere Zukunft. Sauberer. Gesünder. Gerechter. Stabiler. Nicht nur für einige, sondern für alle.“

Der Schauspieler Leonardo DiCaprio zu den Gipfelteilnehmern in New York: „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der Geschichte. Es geht um unser Überleben.“

Zumindest im Moment bewegt sich die Großindustrie in den USA in Richtung Energiewende schneller als in Deutschland.

- Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. -

LG Electronics: 30 Prozent Netzanteil für erneuerbare Energien in greifbarer Nähe

29. September 2014 | von: LG Electronics
Die staatliche Förderung beim Betrieb von Solaranlagen in Form der Einspeisevergütung wird immer mehr zurückgefahren. Trotzdem lohnt sich Solar mehr denn je, denn steigende Energiekosten in Verbindung mit sinkenden Preisen für Solaranlagen lassen den nachhaltigen Solarstrom immer attraktiver werden.
Ratingen, 29. September 2014 - In den Pioniertagen der privaten Solaranlagen war die Einspeisevergütung neben der Bauförderung für viele Nutzer ein entscheidendes Kriterium für die Einrichtung einer derartigen Anlage. Damals konnten Solaranlagenbetreiber den selbst produzierten Sonnenstrom gewinnbringend ins öffnetliche Stromnetz einspeisen. Die seit dem Jahr 2000 bestehende staatliche Förderung für regenrative Energiequellen wird nun seit geraumer Zeit zurückgefahren. Dennoch bringen Solaranlagen für den privaten Nutzer immer noch enorme Vorteile. Das gilt selbst dann, wenn die Förderung komplett auslaufen wird. Die Geschäftseinheit Solar des Elektronikspezialisten LG Electronics zeigt, warum sich die privaten Sonnenkraftwerke nach wie vor lohnen.

Günstige Technik, hohe Netzstromkosten

Auf der einen Seite wird die erforderliche Technik für die Errichtung einer Solaranlage immer günstiger. In den letzten fünf Jahren sind die Anschaffungskosten für eine kleine Anlage auf einem Einfamilienhaus um rund 70 Prozent gesunken. Gleichzeitig sind die Solarzellen leistungsfähiger und zuverlässiger geworden. LG Solar gibt sogar 25 Jahre Garantie auf seine Solarprodukte. Für den Besitzer einer Anlage bedeutet dies, dass er neben der günstigen Anschaffung auch eine langfristige Leistungsgarantie für die Qualitätsmodule von LG hat. Zusätzlich kann er sicher sein, eine Investition in die Zukunft getätigt zu haben.

Auf der anderen Seite steigen die die Strompreise der Energieversorger deutlich an. Nach Kalkulationen des Fraunhofer Instituts ist es derzeit sogar möglich, eigenen Solarstrom zur Hälfte des Preises großer Netzbetreiber zu erzeugen. Jede Kilowattstunde selbst erzeugten Stroms, der auch selbst verbraucht wird, spart bares Geld. Diese Bilanz wird sich in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach noch weiter zugunsten des Solarstromerzeugers verbessern. Denn allein in den letzten drei Jahren ist der mittlere Preis für eine Kilowattstunde um fünf Cent gestiegen. Extrapoliert man diese Entwicklung auf die kommenden Jahre und berücksichtigt die degressiven Anschaffungskosten, werden Solaranlagen immer lohnenswerter – ungeachtet einer staatlichen Förderung.

Eigenverbrauch als Schlüssel zum Erfolg

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, dass sich der kosteneffizente Betrieb einer Solaranlage bei der Eigennutzung der gewonnenen Energie ergibt. Die Einspeisung in das öffentliche Netz verliert durchaus an Attraktivität, auch wenn sie keineswegs für den Betreiber zu einem Verlustgeschäft wird. Bei der Planung der Anlage ist es daher wichtig, dass sie auf den geplanten Einsatzbereich zugeschnitten ist.

Was die staatliche Förderung gebracht hat

Unabhängig von der wechselhaften Umweltpolitik in Deutschland und den sinkenden Fördergeldern hat sich die Subventionierung der erneuerbaren Energien in Deutschland bereits ausgezahlt. Sie sorgte dafür, dass beispielsweise die Photovoltaik konkurrenzfähig wurde und heute bei effizienten Neubauten fast schon zum guten Ton gehört. So ist Deutschland laut aktuellen Statistiken auf dem besten Weg, einen Anteil von 30 Prozent regenerativer Energien bei der Gesamtstromversorgung zu erreichen. Hierzulande werden heute bereits rund 150 Terawattstunden grüner Strom jährlich erzeugt – ein Wert, der trotz wechselhafter Stimmung am Markt zuversichtlich für die Zukunft macht.

„Solarenergie wird immer rentabler“, erklärt Michael Harre, Vice President der EU Solar Business Group bei LG Electronics. „Ständig steigende Energiekosten und immer günstigere Solaranlagen setzen ein eindeutiges Signal Richtung erneuerbarer Energie aus Sonnenstrom. Darüber hinaus ist der positive ökologische Effekt gerade im Hinblick auf zukünftige Generationen keineswegs zu vernachlässigen.“

Read more: http://www.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/lg-electronics--30-prozent-netzanteil-fr-erneuerbare-energien-in-greifbarer-nhe_100016737/#ixzz3EmZK5l4z

IEA: Solarenergie kann 2050 größte Stromquelle sein

29. September 2014 | Politik und Gesellschaft, Hintergrund, Topnews
Die Internationale Energieagentur hat eine neue Roadmap für Solartechnologien vorgestellt. Im Vergleich zur bisherigen Planung wird doppelt so so viel Strom mit Photovoltaik erzeugt.

Die Internationale Energieagentur (IEA) misst der Photovoltaik und der solarthermischen Stromerzeugung künftig deutlich mehr Bedeutung zu. Am Montag hat die Direktorin Maria van der Hoeven in einem Webinar eine neue Roadmap vorgestellt, nach der Photovoltaik im Jahr 2050 fast doppelt so viel zur Stromversorgung bei wie in der bisher veröffentlichten, so genannten 2DS-Roadmap. 2DS steht für das „Zwei-Grad-Szenario“: Es soll gewährleisten, dass die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius bleiben soll.
Die Variante des 2DS-Szenarios mit höherem Anteil erneuerbarer Energien kostet nach den Berechnungen drei Prozent mehr als das Vergleichsszenario, das dafür mehr Kernenergie und Kohlekraft mit Kohlendioxidspeicherung nutzt. Im Jahr 2050 ist danach der Solarstromanteil bei 16 Prozent, in der Variante ohne bevorzugten Ausbau der erneuerbaren Energien liegt der Anteil bei rund 9,5 Prozent. Für die Szenarien sei eine ökonomische Optimierung vorgenommen worden. Über die Sensitivität bezüglich der vielen Parameter, die eingehen, haben die anwesenden Experten allerdings keine Auskunft gegeben.
In dem neuen "high-renewables" Szenario steigt der solare Anteil an der weltweiten Stromversorgung bis 2040 stark an. Photovoltaik sei im Ausbau gegenüber den bisherigen Roadmaps real fünf Jahre voraus. Bereits nächstes Jahr werde die installierte Leistung erreicht, die in der älteren Roadmap für 2020 geplant gewesen sei. das erkläre den nun schnelleren Ausbau in der Roadmap. Ab 2030 macht der Photovoltaik jedoch solarthermischer Stromversorgung zunehmend Konkurrenz, weil sie in den Augen der IEA-Experten günstiger werde und sich die Energie damit leichter speichern ließe. Derzeit liegt sie beim Ausbau gegenüber der älteren Roadmap um sieben Jahre zurück.


Ab 2030 wird zunehmend nach dem ökonomisch optimierten Szenario mehr solarthermische Stromerzeugung zugebaut als Photovoltaik. (Aus der IEA Präsentation)
In den verschiedenen Weltregionen sieht die Roadmap unterschiedlich viel Photovoltaik vor. In Lateinamerika ist es mit rund zehn Prozent relativ wenig, da dort viel Wasserkraft zur Verfügung steht. Auch für die Europäische Union sieht die Roadmap mit nur acht Prozent unterdurchschnittlich wenig Photovoltaik vor. Dort sei es wegen dem Winter nicht die beste Option mehr zuzubauen, außerdem gebe es ein großes Potenzial der Windkraft. Kernenergie und Erdgas produzieren in der EU nach der Roadmap auch im Jahr 2050 noch ein Fünftel des Stromes.


Für die EU sieht die IEA Roadmap "high renewables" unterdurchschnittlich viel Photovoltaik vor. (aus der IEA Präsentation)
Damit kommen die IEA-Experten zu anderen Ergebnissen als beispielsweise dir Forscher am Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE. Die Experten um Hans-Martin Henning hatten schon vor zwei Jahren eine ökonomische Optimierung des Strom- und Wärmesystems in Deutschland vorgestellt , bei der Photovoltaik mit zwei Fünfteln zur Stromversorgung beiträgt (Zur Infografik Strom und Wärme nur aus erneuerbaren Energien, zur Themenseite).
Botschaft an die Politik
Sehr viel Wert legen die IEA-Experten auf die Botschaft an die Politik. Es sei wichtig, langfristige Ziele zu setzen, bei denen sie auch die zukünftigen Kostenreduktionen berücksichtigen solle. Es sei wichtig, faire Regeln für dezentrale Photovoltaik-Anlagen auf Wohn- und Gewerbegebäuden zu entwickeln. Beides ist wichtig, um die Finanzierungskosten zu senken. Denn diese seien bei den solaren Technologien besonders hoch, da nahezu die gesamten Kosten bei der Installation anfallen und daher vorfinanziert werden müssen. Die Finanzierungskosten könnten am besten dadurch gesenkt werden, dass die Politik möglichst vorhersehbar ist, um den Risikoaufschlag gering zu halten.

Der relativ große Bereich der Photovoltaik-Stromgestehungskosten kommt unter anderem dadurch zustande, dass Systempreise in den Ländern differieren. LAut IEA werden diese Unterschiede abnehmen, aber nicht verschwinden. (aus der IEA Präsentation)

Maria van der Hoeven im pv magazine-Interview

Wie sich die Rolle der Photovoltaik in den Augen der Internationale Energieagentur (IEA) gewandelt hat, erklärte Generaldirektorin Maria van der Hoeven im Interview mit pv magazine Mitte September (siehe pv magazine Oktober 2014, englische Ausgabe, die am ersten Oktober erscheint). Ging es der IEA anfangs in den 1970er Jahren nur um die Ölversorgung, um die Energieversorgung sicher zu stellen, hat sie jetzt einen viel breiteren Fokus. „Energiesicherheit bedeutet für uns, dass wir saubere Energiequellen für alle haben, die kontinuierlich sind und bezahlbar“, erklärte sie am Rande der Konferenz zur Evaluation der Energiepoltiken IEPPEC Anfang des Monats in Berlin. Bei den sauberen Ideen spielt für sie Photovoltaik inzwischen eine wichtige Rolle, anders als es in früheren IEA-Veröffentlichungen der Fall war.
Energieeffizienz fasst sie sehr breit. Dazu gehört für sie auch, die fossilen Energieträger weniger zu nutzen und dafür sei es wichtig, die Subventionen in fossile Energieträger abzubauen. In einigen Teilen der Welt werden fossile Stromerzeugung und fossile Energieträger stark bezuschusst. Sie sagt von sich selber, dass sie praktisch veranlagt sei und sich umschauen würde. Und da gebe es „viel mehr“ als die fossilen Energieträger.
Zum deutschen Markt sagte sie, dass sie es für sehr wichtig hält, die Technologieentwicklung weiter zu treiben. Außerdem dürfe man die Zukunft der Photovoltaik nicht anhand der Kosten entscheiden, die in der Vergangenheit angefallen sind, als Photovoltaik noch viel teurer war. „Das waren Investitionen, die Kosten sind gefallen und sie werden in Zukunft entsprechend der Lernkurve weiter fallen“, erklärte sie. „Man muss sich die Gegenwart ansehen und wo man hin will, nicht die Vergangenheit“. (Michael Fuhs)

Freitag, 26. September 2014

Solarcity beginnt Bau seiner Gigawatt-Fabrik in den USA

25. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
In dem 110.000 Quadratmeter großen Werk in Buffalo will das US-Photovoltaik-Unternehmen Solarzellen und Module herstellen, die auf Silevos Hocheffizienztechnologie basieren. Nach der Fertigstellung ist es Solarcity zufolge das größte Photovoltaik-Werk in der westlichen Welt.

Solarcity hat mit dem Bau seines Werks für Photovoltaik-Zellen und -Module in Buffalo im US-Bundesstaat New York begonnen. Die Fabrik entsteht auf einem Gelände von 110.000 Quadratmetern und soll nach dem Abschluss des Hochfahrens über eine jährliche Produktionskapazität von einem Gigawatt für Solarmodule verfügen. Die Ankündigung von Solarcity folgt abschließenden Verhandlungen mit den Behörden vor Ort. Der Bundesstaat wird 750 Millionen US-Dollar zum Bauvorhaben beisteuern. Das Geld soll sowohl in den Bau der Fabrik als auch in den Kauf von Equipment fließen. Solarcity plant nach eigenen Angaben, fünf Milliarden US-Dollar in den kommenden zehn Jahren für den Bau und Betrieb des Werks auszugeben.

Der Gouverneur des Bundesstaats New York geht davon aus, dass die ersten Photovoltaik-Module voraussichtlich im ersten Quartal 2016 vom Band laufen werden. Solarcity schätzt, dass in der Fabrik 1450 Jobs geschaffen werden. Die Module, die in dem neuen Werk gefertigt werden sollen, basieren auf der Hocheffizienztechnologie von Silevo, die Solarcity kürzlich übernommen hat. Silevo kombiniert bei seinen Solarzellen unter anderem amorphes und kristallines Silizium. Die Solarzellen von Silevo haben bereits einen Wirkungsgrad von 22,1 Prozent erreicht, der auch vom Labor des US-Energieministeriums bestätigt wurde. (Christian Roselund, Übersetzung von Sandra Enkhardt)

Neue Perspektive für flexible Dünnschicht?

25. September 2014 | Fachwissen und Technik, Topnews
Optische Hingucker lassen sich mit flexiblen Dünnschichtmodulen bauen. Wie diese aussehen können, zeigt die bayerische Firma Taiyo Europe. Sie hat in München Membranbau und flexible Dünnschicht eindrucksvoll kombiniert und ist auf der Suche nach weiteren Projekten.

Bei der Fußball-WM waren Photovoltaik-Anlagen auf eingen Stadiendächern zu sehen, wobei architektonische Lösungen in Kombination mit Energiegewinnung nur sehr selten zu sehen waren . Das Ästhetik und Nachhaltigkeit gut vereinbar sind, zeigt die bayerische Firma Taiyo Europe. In der Photovoltaik-Branche ist das Unternehmen weniger bekannt, beim Membranbau aber durchaus ein Begriff. Bereits im Jahr 2011 hat Taiyo Europe gezeigt, wie sich Architektur und Energiegewinnung kombinieren lassen. Für den Abfallwirtschaftsbetrieb München brachte es flexible Dünnschicht-Photovoltaik und Membranbau zusammen. „Es war das erste kommerzielle Projekt, das wir umgesetzt haben“, sagt Geschäftsführer Hubert Reiter im Interview mit pv magazine. Die Idee stammte dabei von den Architekten, dem Münchner Büro Ackermann und Partner, die ein transparentes Dach gepaart mit Photovoltaik wollten. Kurz zuvor hatte Taiyo Erfahrungen in diesem Feld gesammelt und den japanischen Pavillon für die Expo in Shanghai entsprechend ausgestattet.

Das Dach auf dem Abfallwirtschaftsbetrieb München entstand dann binnen weniger Monate. Insgesamt sind dort 2640 flexible Dünnschichtmodule von Flexcell verbaut. Taiyo Europe setzt dabei auch auf die Folienkissentechnik, die die Module umschließt. Die 220 Kissen sind dreilagig. Das spezielle Befestigungssystem mache bei diesem Projekt den Tausch von defekten Solarmodulen allerdings problemlos möglich, sagt Reiter. Die obere Folienschicht lasse sich jederzeit abnehmen. Gleichzeitig räumt er ein, dass durch die ETFE-Folien der Ertrag der Solarmodule geringfügig gemindert werde. Dabei wurde der äußerst interessante Effekt der extrem hohen Lichtduchlässigkeit in fast allen Wellenlängen der ETFE-Folie genutzt. „Die Anlage funktioniert seit der Inbetriebnahme 2011 störungsfrei, was auch auf die isolierte Atmosphäre zurückzuführen ist, und der Stromertrag liegt im Rahmen der Erwartungen“, sagt Reiter. Die Gesamtleistung der Anlage liege bei gut 145 Kilowattpeak. Im Falle eines notwendigen Austausches der Dünnschichtmodule habe Taiyo Europe vorgesorgt und genügend Ersatzmodule des inzwischen insolventen Photovoltaik-Herstellers auf Lager.

Seit der Inbetriebnahme funktioniert die Photovoltaik-Anlage störungsfrei. Foto: Taiyo Europe


Es ist bislang das einzige kommerzielle Projekt von Taiyo Europe in diesem Bereich geblieben. „Es gibt zwar einige erfolgversprechende Anfragen, jedoch ist bis dato kein weitere Auftrag umgesetzt worden“, sagt Reiter. Dies müsse aber nicht so bleiben. „Wir können uns durchaus weitere Projekte vorstellen und mit der CIGS-Dünnschichttechnologie sind mittlerweile auch deutlich höhere Wirkungsgrade bei den Dünnschichtmodulen möglich“, sagt Reiter weiter. Sein Unternehmen sei diesbezüglich auch an einer EU-geförderten Forschungsprojekt beteiligt, über das es aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine weiteren Angaben machen wolle. Die Bilder des 8400 Quadratmeter großen Dachs auf dem Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb sprechen für sich. Für die flexible Dünnschicht ist dies auf jeden Fall eine attraktive Verwendungsmöglichkeit und für Bauherren von Photovoltaik-Anlagen eine interessante Kombination aus Ästhetik und Architektur. (Sandra Enkhardt)

Und es geht also doch!!!

Gabriel adé - Autarkie ist möglich

25. September 2014 | Topnews, Fachwissen und Technik, Hintergrund
Fortschrittliche Haustechnik: Friedhelm Widmann wollte einfach mal beweisen, wie günstig Solarstrom ist. Das macht er ganz ohne RWE, Eon und Co, nämlich autark, ganz ohne Netzanschluss. Der Strompreis für das Gewerbegebäude kann sich dabei mehr als sehen lassen.

Auf 600 Quadratmeter mitten in Deutschland hat Friedhelm Widmann eine Insel geschaffen. Der Geschäftsführer von Endreß u. Widmann Solar im baden-württembergischen Neuenstadt hat ein Fabrikgebäude gebaut, das sämtlichen Strom und alle Wärme aus einer Photovoltaik- und einem Biogas betriebenen BHKW bezieht. Dass das technisch geht, dürfte dabei weniger überraschen. Die Leistung von Widmann besteht darin, wie günstig die Energie für den Mieter dieser so genannten Energiefabrik, eine Softwarefirma, sein soll. Am heutigen Donnerstag werden zur Einweihung sogar der Innenminister von Baden-Württemberg und IBC Solar-Gründer Udo Möhrstedt erwartet.

Ein Passivhaus ist das Gebäude nicht, übrigens bewusst. Widmann hält es für möglich, dank regenerativer Energieversorgung auch ein nicht-Passivhaus nachhaltig zu betreiben.

90.000 Kilowattstunden wird die Photovoltaik-Anlage vermutlich pro Jahr erzeugen. Die Solarmodule mit zusammen 112 Kilowatt Leistung zeigen teilweise nach Osten oder Westen, teilweise sind sie an der Fassade angebracht, um den Ertrag im Winter zu erhöhen. Der Solarstrom fließt teilweise direkt zu den Verbrauchern, teilweise in den 400 Kilowattstunden Blei-Gel-Speicher, teilweise in eine 60-Kilowatt-Wärmepumpe, die das Gebäude kühlen und heizen kann.

Wenn im Winter der Solarstrom nicht ausreicht, springt ein BHKW ein, das mit Biogas betrieben wird. Nach den ersten Abschätzungen wird es rund 28.000 Kilowattstunden Wärme und 14.000 Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren. Wenn es mehr Strom erzeugt, als gebraucht wird oder gespeichert werden kann, springt zusätzlich wieder die Wärmepumpe an.

Widmann hat sich dafür entschieden, sowohl das BHKW als auch die Wärmepumpe zu installieren. Das liegt daran, dass er ohne BHKW nicht über den Winter kommt, er im Sommer aber unbedingt auch kühlen will, wofür die Wärmepumpe nötig ist. Der Gesamtheizbedarf liegt voraussichtlich bei etwa 62.000 Kilowattstunden, so dass die Wärmepumpe etwas mehr als die Hälfte davon übernimmt. Der Kühlbedarf liegt bei 26.000 Kilowattstunden. Auf die Frage, ob es nicht wie in Einfamilienhäusern zu teuer ist, sowohl Wärmepumpe als auch BHKW zu installieren, sagt Widmann, dass es ja auch Skaleneffekte gebe.

Installationen in der Energiefabrik. Foto: Endreß u. Widmann

Wärmepumpen regelbar machen
Bei den Wärmepumpen hat er, so sagt er, außerdem ein Problem gelöst, wodurch derzeit in vielen Systemen der Solarstromanteil unter dem technisch möglichen liegt. Auf dem Markt erhältlich sind so genannte leistungsgeregelte Wärmepumpen. Mit Leistungsregelung ist bei diesen Systemen gemeint, dass die Drehzahl des Kompressors an die Temperaturen im Primär- und Sekundärkreis angepasst wird (siehe FAQ Wärmepumpe, Frage 24). Diesen kann man also nicht die Leistung vorgeben, mit der sie arbeiten sollen. Das ist wiederum für die Kombination mit Photovoltaik-Anlagen wichtig, vor allem in Inselsystemen wie dem Gewerbegebäude von Widmann, damit die Wärmepumpe nicht mehr Strom zieht als erzeugt wird.

Um die Leistungsaufnahme danach zu steuern, wie viel Solarstrom gerade erzeugt wird, greift Widmann in den Sekundärkreis ein. Wann die Wärmepumpe wie stark hoch gefahren wird, regelt dann ein von ihm entwickelter Energiemanager.

Billiger Autarkiestrom
Widmann gibt für den Solarstrom Gestehungskosten von sechs Cent pro Kilowattstunde an (bei 1000 Euro pro Kilowattpeak Systemkosten). Wenn der Strom zuerst zwischengespeichert wird, kostet er nach Widmanns Abschätzung 14 Cent pro Kilowattstunde. Der BHKW-Strom ist etwas teurer. Wenn er einmal zwischengespeichert wird, kommt Widmann auf 20 Cent pro Kilowattstunde. Das liegt alles im Bereich von Gewerbestromtarifen oder deutlich darunter.

Allerdings gelten diese niedrigen Gestehungskosten nur, wenn auch aller erzeugter Strom sinnvoll verbraucht wird. Wird er abgeregelt – „Ich kann ja nicht einspeisen“, sagt Widmann – steigen die Gestehungskosten für den restlichen verbrauchten Anteil. Widmann ist zwar vorsichtig mit Prognosen, da er das Verbrauchsverhalten der Mieter noch nicht so gut kennt, rechnet aber damit, dass 90 Prozent des erzeugten Stroms auch verbraucht werden. Den Strombedarf für das Gebäude schätzt er mit 50.000 Kilowattstunden ein. Der Rest der elektrischen Energie fließt in die drei Elektroautos, die vorgesehen sind. Da würden dann 100 Kilometer bei Betankung mit Solarstrom 90 Cent Betriebskosten verursachen, rechnet er vor.

6 Cent pro Kilowattstunde Gestehungskostem. Foto: Endreß u. Widmann

Widmann rechnet die Stromgestehungskosten ohne Kapitalverzinsung und Inflation. Er hält das nicht für so falsch, da er das Gebäude fast selbst finanziert habe. Die Zinsen auf der Bank sind derzeit schließlich nicht hoch. Aber selbst wenn der mittlere Strompreis am Ende etwas höher liegen sollte, zeigt das Beispiel, dass es ökonomische Alternativen zum Netzanschluss gibt.

Damit widerspricht die Praxis, wenn Widmanns Konzept funktioniert, manchen Theoretikern, die in Studien gezeigt haben wollen, dass die Netze massiv ausgebaut werden müssen. Das Argument der Anhänger eines Netzausbaus ist, dass das der ökonomischste Weg der Energiewende sei. Um Widmanns Preise zu erreichen, müssen sie sich aber ziemlich anstrengen.

Freuen dürften sich wiederum manche, dass Widmann um Gabriels sehr umstrittene EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch herum kommt. Denn diese muss nur zahlen, wer am Netz hängt. (Michael Fuhs)

Mittwoch, 24. September 2014

Photovoltaik in Deutschland ist mehr als das Herstellen von Modulen und Zellen

23. September 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews
Kommentar: Manchmal kann man sich nur wundern. Das Bundeswirtschaftsministerium kann auf eine Anfrage der Linkspartei nicht herausfinden, wie viele Solarzellen- und Solarmodulproduzenten es noch in Deutschland gibt. Dabei hätte eine einfache Anfrage an das Statistische Bundesamt genügt. Beim "Spiegel" hingegen ist die deutsche Solarindustrie "fast tot". Dass es bei der Photovoltaik noch viel mehr Wertschöpfung hinter dem reinen Produzieren gibt, scheint beiden egal zu sein.

Es ist schon sehr erstaunlich, dass ein zuständiges Ministerium nicht die Zahl der Unternehmen, die in Deutschland Solarzellen und Solarmodule produzieren, beziffern kann. Dabei ging es der Linken-Abgeordneten Caren Lay in ihrer Anfrage an das Bundeswirtschaftsministerium nicht einmal um aktuelle Zahlen, sondern um Daten von 2011 bis 2013. pv magazine erhielt vom Statistischen Bundesamt auf eine entsprechende Anfrage die Zahlen postwendend. So ist die Zahl der Photovoltaik-Unternehmen, die Solarzellen und Solarmodule in Deutschland herstellen seit Anfang 2012 von 33 auf 19 bis Ende vergangenen Jahres gesunken. Selbst für 2014 hat das Statistische Bundesamt bereits vorläufige Zahlen. Bis zum Juli ist die Zahl der Solarmodul- und Solarzellenhersteller in Deutschland auf 13 gesunken mit gerade einmal noch 2867 Mitarbeitern. Mehr als 10.000 Menschen arbeiteten noch zu Beginn des Jahres 2012 in diesem Zweig der Solarindustrie. Auch die Umsätze der Zell- und Modulhersteller sind drastisch rückläufig. Während sie 20
12 noch bei mehr als 1,8 Milliarden Euro lagen, waren es 2013 nicht einmal mehr 1,0 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Das kommt fast einer Halbierung gleich. In diesem Jahr wird der Rückgang wohl nicht mehr so stark sein. Nach vorläufigen Zahlen bewegte sich der Umsatz im ersten Halbjahr bei gut 400 Millionen Euro.

Aber die Hersteller von Solarmodulen und Solarzellen machen mittlerweile nur noch einen kleinen Prozentsatz der Beschäftigten in der deutschen Photovoltaik-Branche aus . Doch kann man das als Argument gelten lassen, warum es dem Wirtschaftsministerium nicht gelingt, die Zahl von Produzenten in Deutschland zu ermitteln? Es bleibt vielmehr das Gefühl zurück, dass man im Wirtschaftsministerium die Solarbranche in Deutschland als Ganzes bereits abgeschrieben hat.

Darauf könnte man auch kommen, wenn man sich die Erklärung des Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministeriums, Rainer Baake, zu Gemüte führt. Als sein Ministerium im Mai die Beschäftigtenzahlen in der Erneuerbaren-Energien-Branche vorlegte und dabei ein weiteren Rückgang bei den Zahlen im Photovoltaik-Bereich zu Tage trat, kommentierte er es mit folgenden Worten: „Der Beschäftigungsrückgang in der Photovoltaik-Branche zeigt, dass der unkontrollierte Ausbau erneuerbarer Energien in den letzten Jahren nicht nachhaltig war.“ Nach den Angaben des Ministeriums haben sich die Beschäftigungszahlen in der Solarbranche von 2012 auf 2013 von 100.300 auf 56.000 nahezu halbiert. Den Umsatz der Photovoltaik gibt das Ministerium mit gut 3,5 Milliarden Euro für das vergangene Jahr an, dies ist weit mehr als eine Halbierung im Vergleich zu 2012.

Beim Bundesverband Solarwirtschaft beziffert man die Zahl der Beschäftigten in der Solarbranche mit 60.000. Der Unterschied kommt zustande, da der Verband auch induzierte Jobs einberechnet. Gezählt werden dabei die Arbeitsplätze in den verschiedensten Bereichen: in der Photovoltaik-Produktion wie Silizium, Zellen, Module, Wechselrichtern; bei den Zulieferern, den Distributoren, im Handwerk und dem Maschinenbau. Die Anzahl der Solarunternehmen im Jahr 2013 beziffert der BSW-Solar mit rund 10.000, davon nur rund 350 Produzenten. Die Diskrepanz zwischen 2867 und 60.000 zeigt aber überdeutlich, dass die Photovoltaik in Deutschland mehr als das Herstellen von Solarzellen und Solarmodulen ist.

Daher ist auch die Frustration vieler in der deutschen Photovoltaik-Landschaft verständlich, wenn sie Artikel wie jenen auf „Spiegel online“ am Wochenende lesen. Unter der Überschrift „Was wurde aus Deutschlands Solarindustrie?“ erklärt das Magazin diese für „fast tot“. Allerdings könnte man beim Lesen den Eindruck gewinnen, die deutsche Solarindustrie bestehe einzig aus Frank Asbeck und alle anderen Photovoltaik-Unternehmen seien pleite. Bei den Herstellern von Solarmodulen und Solarzellen kann man durchaus dieses Bild gewinnen. Aber es stimmt eben nicht ganz und es wird der Realität der Photovoltaik-Branche in Deutschland nicht gerecht.

Natürlich hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Hersteller in Deutschland drastisch dezimiert. Gleichzeitig mit dem Bau der vielen neuen Photovoltaik-Anlagen entstand aber auch ein Markt jenseits des reinen Produzierens. Allein mit dem Herstellen von Modulen und Zellen schafft man keine Energiewende und keine einzige Photovoltaik-Anlage wird installiert. Während auch im Installationsbereich seit dem vergangenen Jahr ein drastischer Rückgang zu verzeichnen ist, hat sich doch ein riesiger Markt eröffnet, wenn es um den Betrieb und die Wartung der Anlagen geht. Leider sind die aktuellsten Zahlen zum Gesamtumsatz der Photovoltaik-Branche beim BSW-Solar aus dem Jahr 2011. Damals lag er inklusive Maschinenbau bei 19 Milliarden Euro. Seither wird er deutlich gesunken sein. Die 3,5 Milliarden Euro, die das Bundeswirtschaftsministerium angibt, sind dabei wahrscheinlich zu niedrig. Denn was man nicht vernachlässigen sollte, es geht nicht nur um Umsatz, sondern auch um Wertschöpfung.

Greenpeace hatte im vergangenen Jahr eine interessante Studie dazu herausgegeben. Es ließ die direkte und indirekte Wertschöpfungseffekte bei den Erneuerbaren untersuchen. Die Photovoltaik kommt dabei auf knapp neun Milliarden Euro und liegt noch vor der Windkraft in Deutschland. Rund zwei Drittel der Wertschöpfung und der Arbeitsplätze entstehen dabei in den Bereichen Installation, Planung und Betrieb der Erneuerbaren-Energien-Anlagen, wie es in der Studie heißt. Herstellen von Solarmodulen und Solarzellen ist also lange nicht alles, was die Photovoltaik in Deutschland zu bieten hat. Aber für den „Spiegel“ und das Bundeswirtschaftsministerium scheint sich der Blick hinter die Kulissen dennoch nicht mehr zu lohnen. (Sandra Enkhardt)

SMA baut O&M-Geschäft weiter aus

23. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Der Hersteller von Photovoltaik-Wechselrichtern wird die Betriebsführung eines 140 Megawatt-Solarparks in Kanada übernehmen. Zugleich liefert SMA die Wechselrichter für das Photovoltaik-Kraftwerk.

SMA Canada liefert 125 Sunny Central 800CP-US Wechselrichter für ein Photovoltaik-Kraftwerk mit 140 Megawatt in Kanada. Der Solarpark in Kingston in der Provinz Ontario werde im kommenden Jahr ans Netz angeschlossen, teilte die Muttergesellschaft SMA Solar Technology AG nun mit. Die kanadische Tochtergesellschaft sei zudem für die kommenden zehn Jahre mit der Betriebsführung des Photovoltaik-Kraftwerks beauftragt. Bereits im vergangenen Jahr habe SMA Canada den Zuschlag für die Betriebsführung des 130 Megawatt Photovoltaik-Kraftwerks in Haldimand County erhalten. Mit den zwei größten Solarparks des Landes baut SMA sein O&M-Geschäft weiter aus und will nicht mehr nur als Hersteller von Photovoltaik-Wechselrichtern wahrgenommen werden. „Multimegawatt-Photovoltaik-Projekte wie die in Kanada zeigen, dass SMA auch im Bereich der Betriebsführungs- und Wartungsdienstleistungen sowie als Komplettlösungsanbieter für Photovoltaik-Kraftwerke eine führende Position in Nordamerika einnimmt“, erklärte Henry Dziuba, President von SMA Canada.
Erst Anfang August hatte SMA Solar die Kunden im O&M-Geschäft von Phoenix Solar in Europa übernommen. Beide Photovoltaik-Unternehmen vereinbarten dafür einen Asset Deal. Er beinhaltet die Übernahme der Kundenverträge von Phoenix Solar in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien sowie der Infrastruktur am Standort Ulm mitsamt der 18 Mitarbeiter. (Sandra Enkhardt)

EU PVSEC: Glunz erhält Becquerel-Preis

23. September 2014 | Forschung und Entwicklung, Topnews
Der Wissenschaftler vom Freiburger Fraunhofer-ISE ist für seine Pionierarbeit im Bereich hocheffiziente Siliziumsolarzellen ausgezeichnet worden. Der Becquerel-Preis wird von der EU-Kommission vergeben.

Stefan Glunz ist auf der EU PVSEC in Amsterdam mit dem Becquerel-Preis geehrt worden. Der Bereichsleiter „Solarzellen – Entwicklung und Charakterisierung“ am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist damit für seine Pionierarbeit im Bereich der hocheffizienten Siliziumsolarzellen ausgezeichnet worden. Laudator Wim Sinke vom niederländischen Institut ECN Solar Energie würdigte Glunz als „motivierten Forscher, exzellenten Wissenschaftler und großartigen Lehrer, der seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter inspiriert“. Er habe mit seiner Arbeit einen Beitrag zum weltweiten Erfolg der photovoltaischen Stromerzeugung geleistet. Seine Arbeit sei führend sowohl in der Grundlagen- als auch der angewandten Forschung.

Glunz beschäftigt sich seit Jahren mit der Weiterentwicklung kristalliner Solarzellen. Er verfolgt dabei verschiedene Ansätze zur Wirkungsgradsteigerung und damit zur weiteren Kostensenkung der Photovoltaik, wie das Fraunhofer-ISE mitteilte. Diese reichten von der Untersuchung elektrisch aktiver Defekte in den Zellen selbst über die Senkung des Materialbedarfs bis hin zu zahlreichen Innovationen in der Produktionstechnologie. Der 1966 in Dortmund geborene Wissenschaftler studierte in Freiburg Physik. 1988 begann er seine Karriere als wissenschaftliche Hilfskraft am Fraunhofer-ISE. Seit 1999 ist er in Führungspositionen in dem Freiburger Institut tätig.

Die Europäische Kommission ehrt mit dem Becquerel-Preis seit 1989 die Verdienste herausragender Forscher in der Photovoltaik. Er wurde ins Leben gerufen in Erinnerung an die Entdeckung des photovoltaischen Effekts durch den französischen Forscher Alexandre Edmond Becquerel im Jahr 1839. Glunz ist der 22. Becquerel-Preisträger. (Sandra Enkhardt)

Greenpeace Energy prüft Klage gegen britische Atom-Subventionen

23. September 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews
Offenbar wird EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia die staatlichen Unterstützungen für einen AKW-Neubau in Großbritannien genehmigen. Der französische Betreiberkonzern EDF soll über 35 Jahre eine Einspeisevergütung von 10,6 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Greenpeace Energy findet dies wettbewerbsrechtlich fragwürdig.

Greenpeace Energy hat Widerstand gegen das Ansinnen von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia angekündigt, der staatliche Subventionen für den Neubau eines Atomkraftwerks in Großbritannien genehmigen will. Dies hatten mehrere Medien übereinstimmend berichtet. Der britische Staat soll dem französischen AKW-Betreiber EDF zugesichert haben, den Strom aus dem geplanten AKW „Hinkley Point C“ mit einer garantierten Einspeisevergütung von umgerechnet 10,6 Cent pro Kilowattstunde für die kommenden 35 Jahre vergüten zu wollen. Die Vereinbarung enthalte auch einen Inflationsausgleich. Nach Berechnungen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft der Strom aus dem Reaktor-Neubau nach 20 Jahren mit 15,7 Cent pro Kilowattstunde vergütet, während eine neue Windkraftanlage in Deutschland maximal 9,27 Cent erhält. "Damit liegt der Preis für gefährlichen britischen Atomstrom mittelfristig mehr als 50 Prozent über dem, was saubere Windkraftanlagen in Deutschland als Vergütung erhalten", sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy.

Der Ökostrom-Anbieter plant daher auch juristische Schritte gegen die Bewilligung der Atom-Subventionen einzulegen. Eine Genehmigung der britischen Beihilfen sei wettbewerbsrechtlich fragwürdig, weil dadurch Marktvorteile für die Atomkraft geschaffen und Erneuerbare in Europa benachteiligt würden. "Ein solches Signal direkt vor dem Klimagipfel in New York und kurz nachdem hunderttausende Menschen weltweit für die Energiewende demonstriert haben, wäre ein Schandfleck in der Bilanz der scheidenden EU-Kommission", so Tangermann. Eine Genehmigung wäre auch deshalb nicht nachvollziehbar, weil sich die EU-Kommission zu Beginn des Beihilfeverfahrens deutlich kritischer zu den Atom-Subventionen positioniert habe.

Das AKW Hinkley Point C soll im Südwesten Englands entstehen und ab 2023 Strom liefern. Zahlreiche Unternehmen, Staaten und Institutionen hatten Anfang April offiziell Einspruch bei der EU-Kommission gegen das Projekt eingelegt. Diese Einwände müsse Brüssel sorgfältig prüfen. "Die amtierende EU-Kommission darf hier keine übereilte Entscheidung treffen, um das Verfahren noch bis zum Ende ihrer Amtsperiode abzuschließen, sondern sollte die Untersuchung an die nachfolgende Kommission übergeben", sagte Tangermann. (Sandra Enkhardt)

Die Standardisierer

23. September 2014 | Gründerszene, Forschung und Entwicklung, Fachwissen und Technik, Topnews
Gründerszene: Die Gründer von Qinous wollen die Welt mit standardisierten Speichercontainern für Mikronetze versorgen. Dafür bekommen sie den pv magazine award top innovation. Mit den Containern lässt sich viel Dieselstrom durch Photovoltaik ersetzen.

Auf dem Foto sehen sie aus wie unscheinbare Standardcontainer. Darin sind auch keine großen Unbekannten, sondern die gut bekannten Bestandteile eines typischen Mikrogrids. Und trotzdem haben es Steffen Heinrich und Busso von Bismarck geschafft, sich damit selbstständig zu machen. Ihr Unternehmen nannten sie Qinous, und jetzt, bereits ein dreiviertel Jahr nach der Gründung, haben sie das erste Gerät verkauft, ausgeliefert und in Betrieb genommen. „Oberflächlich betrachtet gibt es viele ähnliche Lösungen, aber am Ende unterscheiden sie sich sehr“, sagt Heinrich.

Die Container, die es als Varianten mit 10, 20 und 40 Fuß gibt und die von den inzwischen neun Mitarbeitern in Berlin entwickelt wurden, enthalten je nach Bedarf des Kunden alles, was für ein Inselsystem nötig ist: eine Systemsteuerung mit integriertem Energiemanagement, die auch die Koordination mit Dieselgeneratoren übernimmt, einen Batterieumrichter, eine Batterie und einen Photovoltaik-Wechselrichter. Wichtig sei, dass die Container geschlossen und klimatisiert sind. Auch die Bedienung kann von außen erfolgen.
Die Marktlücke ist der Leistungsbereich: 30 Kilowatt bis in den Megawattbereich, womit der Container für Dörfer, Hotels und Minen geeignet sei. „Dieser Leistungsbereich macht rund ein Drittel des Dieselgeneratormarktes aus“, erklärt George Hanna, der später als dritter Mitgründer zum Team gestoßen ist. Die Hauptkosten beim Dieselstrom liegen beim Kauf des Treibstoffs. Wenn sich mit parallel geschalteten Photovoltaikanlagen Diesel sparen lässt, amortisieren sich diese Anlagen daher im Prinzip relativ schnell. Mit den klimatisierten Containern sollen sie sich noch schneller rechnen, weil diese in Berlin zusammengebaut und getestet, dank der Standardisierung einfach transportiert und vor Ort relativ einfach angeschlossen werden können.
Da das Qinous-System auch einen Speicher enthält, können die Dieselgeneratoren sogar teilweise ganz abgeschaltet werden. Als Speicher in dem Container kommen Lithium- oder Natrium-Ionen-Battterien mit einer Kapazität von bis zu 1.000 Kilowattstunden pro Container in Frage.

Vom Angestellten zum Unternehmer
Auf die Idee kamen Steffen Heinrich und Busso von Bismarck bei ihrem letzten Arbeitgeber Younicos, der größere individualisierte Speichersysteme entwickelt. Sie arbeiteten dort an einem Projekt in Madagaskar, wo eine kleinere Containerlösung sinnvoll gewesen wäre. Doch Younicos scheute den langen Vorlauf und die damit einhergehenden Entwicklungskosten. Daraufhin nahmen Heinrich und von Bismarck das Projekt selbst in die Hand. Sie lernten George Hanna kennen, der bei Bosch in der Solarsparte tätig war. Diese sollte zu dieser Zeit verkauft oder geschlossen werden, so dass Hanna offen für eine Gründung war. „Wir mussten aber auch zunächst durch ein Tal der Tränen gehen“, sagt Heinrich. Es sah lange Zeit schwierig aus, eine Finanzierung zu bekommen, bis sie diesen Januar den Zuschlag von einem Business Angel für die sogenannte Seed-Phase bekommen haben. Dann ist die Investitionsbank Berlin als Zweitinvestor dazugekommen. In der Seed-Phase soll ein Start-up normalerweise ein Produkt zur Marktreife führen.

Ein Aspekt der technischen Entwicklung waren dabei umfangreiche Tests. Dafür hat Qinous eine Testumgebung aufgebaut. „Die Container müssen auch die Sonderfälle, die im Mikrogrid auftreten können, beherrschen“, erklärt Hanna. Dazu gehört die sogenannte Schwarzstartfähigkeit, also dass der Container das Netz alleine hochfahren kann, die Kurzschlusssicherheit, im Kurzschlussfall muss der Strom so hoch sein, dass die Sicherungen sicher auslösen, und die Fähigkeit des Speichersystems, das Netz auch alleine zu betreiben. Wenn zusätzlich Windkraft angeschlossen wird, sei diese Aufgabe sogar eine noch größere Herausforderung, so Hanna.

Arbeiten an der Wirtschaftlichkeit
Der andere Aspekt der Entwicklung war die Wirtschaftlichkeit. „Die Standardisierung soll so weit gehen, dass die Entwicklungskosten von Container zu Container marginal werden“, erklärt Hanna. Anfangs hätten sie fertige Wechselrichter zugekauft. Jetzt würden sie aber Umrichter einbauen, deren Kern in großer Stückzahl für andere Industrien gefertigt werde. Qinous verarbeitet sie für den Einsatzbereich im Speichersystem weiter. „Das hat die Kosten für die Umrichter um circa 80 Prozent gesenkt“, sagt Hanna. Inzwischen seien die Kosten so weit gefallen, dass sich das System grob geschätzt bei einem Dieselpreis von rund 70 bis 80 Cent pro Liter gegenüber dem Dieselgenerator finanzieren lasse.
Nachdem im August ein Prototyp fertiggestellt wurde, hat das System laut Hanna jetzt sogar schon einen Käufer gefunden. Der sitzt allerdings in Deutschland und betreibt es netzparallel. Aber auch für den Einsatz in anderen Ländern gebe es bereits viele ernsthafte Interessenten. Teilweise sind das EPCs aus Deutschland, teilweise Endnutzer vor Ort. Dass sie so schnell bekannt geworden seien, liege teilweise an ihren eigenen Netzwerken, teilweise an den Herstellern von Batteriespeichern. „Diese brauchen Speichersystemintegratoren, um ihre Batterien zu verkaufen“, sagt Hanna.
Qinous ist nicht das einzige Unternehmen, das standardisierte Container in netzferne Regionen verkaufen will. Heinrich sieht es relativ entspannt, da der Entwicklungsaufwand, das, „was wir in den eineinhalb Jahren der Entwicklung alles abarbeiten mussten und nur mit dem vorhanden Know-how möglich war“, ziemlich hoch sei. In eine Patentierung will er nicht investieren, das sei in diesem Segment schwierig und es widerspreche seiner Mentalität, andere an etwas zu hindern. Er setzt eher auf den zeitlichen Entwicklungsfaktor. Es geht also darum, schnell zu sein, zu wachsen und möglichst schnell Skaleneffekte zu nutzen. Denn je höher die Stückzahlen werden, umso günstiger werden die Komponenten. Michael Fuhs

Centrotherm streicht mehr als 50 Stellen

23. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Der Anlagenbauer reagiert auf die neuerliche Photovoltaik-Marktschwäche, die von den weiteren Anti-Dumpingermittlungen in den USA ausgelöst worden sei. Centrotherm hat erneut ein Kostensenkungsprogramm eingeleitet und will weltweit Jobs streichen.

Centrotherm hat den Abbau von 50 Stellen an seinem Hauptsitz in Blaubeuren und weiterer Jobs im Ausland angekündigt. Der Photovoltaik-Anlagenbauer reagiert damit nach eigenen Aussagen auf die neuerliche Marktschwäche in der Solarbranche. Damit wolle Centrotherm seine Kostenstruktur optimieren. Die Belegschaft sei am Dienstag vom Vorstand über die beabsichtigten Kostensenkungs-, Effizienzsteigerungs- und Personalmaßnahmen informiert worden. Die Kündigungen sollen so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. Daher werde der Vorstand den Personalabbau in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat vornehmen, hieß es weiter. Betriebsbedingte Kündigungen sollten nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. Centrotherm kündigte zudem an, dass es sein Produkt- und Serviceportfolio ausbauen und in neue Prozesslösungen, Upgrade- und Servicepakete investieren wolle. Zum anderen sollten aber auch die Material- und Herstellkosten weiter gesenkt werden sowie Prozesse optimiert werden.

Die erneute Marktschwäche führt Centroterm auf die seit Juli anhaltende Verunsicherung der Photovoltaik-Hersteller aus Taiwan und China zurück. Aufgrund der verschärften Anti-Dumpingzölle in den USA würden sie Investitionen in neue Produktionsanlagen und Kapazitätserweiterungen aktuell verschieben, begründet Centrotherm seine Anpassungen. Die positive Marktbelebung im Photovoltaik-Sektor im ersten Halbjahr 2014 habe sich zuletzt „deutlich eingetrübt“. Dennoch halte Centrotherm an seine im Halbjahresbericht veröffentlichten Geschäftszielen für das Gesamtjahr fest.

Der Anbieter von Produktionsmitteln für die Photovoltaik-Industrie konnte den Umsatz im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2013 um rund 56,5 Prozent auf 78,1 Millionen Euro steigern. Knapp die Hälfte der Erlöse stammten dabei aus der Errichtung einer Polysiliziumfabrik in Katar. Das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (EBIT) betrug im ersten Halbjahr 2014 minus 0,2 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch minus 13,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt Centrotherm einen Umsatz zwischen 150 und 200 Millionen Euro bei einem ausgeglichenen Ergebnis an. (Sandra Enkhardt)

Montag, 22. September 2014

Erneuerbare Energien intelligent integrieren

19. September 2014 | Speicher und Netze, Topnews
Intelligente Netze können die Energiewende nicht nur billiger, sondern auch bürger- und umweltfreundlicher machen. Das meldet der IT-Branchenverband Bitkom mit Blick auf die aktuelle Verteilnetzstudie des Bundeswirtschaftsministeriums.

Mit moderner IT wird die Energiewende deutlich billiger sowie bürger- und umweltfreundlicher – davon ist der Branchenverband Bitkom überzeugt. Der Verband verweist auf die aktuelle Studie „Moderne Verteilnetze in Deutschland“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, wonach intelligente Netztechnologien den notwendigen Ausbau der Verteilnetze deutlich verringern könnten. „Die Verteilnetzstudie der Bundesregierung zeigt: Die Energiewende ist nur mit IT vernünftig realisierbar. Nun muss der Gesetzgeber aktiv werden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Laut Koalitionsvertrag müsse noch in diesem Jahr die Grundlage geschaffen werden, um sogenannte Smart Meter Gateways einzuführen. Mit diesen Geräten könne sich ein Stromabnehmer mit seinem Lieferanten, dem Netzbetreiber und anderen Akteuren des Energiesystems verbinden, die Teilnahme an einem entsprechend intelligenten Energienetz werde so einfach, sicher und bezahlbar. 2015 müsse die Regulierung zudem endlich Anreize setzen, dass sich für Netzbetreiber die Investitionen in intelligente Netztechnologien lohnen.
Nach Bitkom-Ansicht hängt Deutschland bei der intelligenten Integration der erneuerbaren Energien ins Stromnetz hinterher – China habe Analysten zufolge im Jahr 2013 bereits 4,3 Milliarden Dollar in Smart Grids investiert, die USA 3,6 Milliarden. „Deutschland könnte weltweit Vorreiter sowohl bei der Erzeugung der erneuerbaren Energien sowie bei deren intelligenter Integration ins Netz werden – aber nur, wenn nun schnell gehandelt wird“, sagt Rohleder. Wenn – wie bereits heute an manchen Sonntagen – die Mehrheit des Stroms aus erneuerbaren Quellen stamme, dann müsse auch deren kommunikative Anbindung sicher sein. Dafür stünden mit den vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierten Smart Meter Gateways künftig entsprechende Kommunikationsgeräte zur Verfügung.
Das vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Gutachterkonsortium hatte vor einer Woche seine Ergebnisse der Studie „Moderne Verteilnetze in Deutschland“ vorgestellt. Die Gutachter vom Institut und Lehrstuhl für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH Aachen, dem Oldenburger Institut für Informatik (OFFIS) sowie dem Beratungsunternehmen E-Bridge Consulting GmbH sollten den Um- und Ausbaubedarf in den Verteilnetzen im Zusammenhang mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien untersuchen. Ein Ergebnis der Gutachter ist, dass neue innovative Planungsgrundsätze und neue Technologien, wie beispielsweise regelbare Ortstransformatoren, zentrale Elemente für eine effiziente Integration der erneuerbaren Energien bilden und die Kosteneffizienz des Aus- und Umbaus der Verteilernetze erhöhen. Als konkrete Handlungsempfehlung geben sie aus, dass durch eine Abregelung von drei Prozent der jährlichen Einspeisung von Erneuerbaren-Energien-Anlagen bereits 40 Prozent des Netzausbaus eingespart werden könnten. Intelligente Netztechnologien könnten ihn um weitere 20 Prozent reduzieren. (Petra Hannen)

Weniger Beschäftigte in der Erneuerbare-Energien-Branche

19. September 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews
Die Zahl der Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien ist 2013 gesunken, vor allem in der Photovoltaik-Branche. Das teilte die Bundesregierung auf schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Die Linke) mit.

Um die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Bereich der erneuerbaren Energien drehten sich mehrere schriftliche Fragen, die die Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Linke) an die Bundesregierung richtete. Aus den Antworten von Rainer Sontowski, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, geht jetzt hervor, dass die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit den Bereich der erneuerbaren Energien nicht einzeln abbildet. Sontowski verweist jedoch auf die Abschätzung eines Forschungskonsortiums, bestehend aus der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) sowie der Prognos AG. Demnach sei die Anzahl der Beschäftigten im Bereich erneuerbarer Energien von 399.800 Beschäftigten im Jahr 2012 auf 371.400 im Jahr 2013 zurückgegangen. Vor allem in der Photovoltaik-Branche habe es Arbeitsplatzverluste gegeben, dort sei die Zahl der Beschäftigten von 100.300 im Jahr 2012 auf rund 56.000 im Jahr 2013 gesunken. In der Windbranche habe sich die Zahl der Beschäftigten jedoch von 121.800 im Jahr 2012 auf 137.800 im Jahr 2013 erhöht.
Für den Rückgang im Bereich Photovoltaik nennt der Staatssekretär zwei wesentliche Faktoren. Zum einen habe der Ausbau der Kapazitäten zur Herstellung von Solarzellen und -modulen, insbesondere in Asien, zu wachsendem Wettbewerbsdruck auch auf die deutschen Hersteller geführt. Zum anderen sei das hohe Beschäftigungsniveau im Jahr 2012 auf einen Photovoltaik-Zubau zurückzuführen gewesen, der wegen sehr hoher Renditen weit über dem anvisierten Zielkorridor des EEG gelegen habe. Mit der Rückführung des Zubaus in den Zielkorridor sei naturgemäß ein Rückgang der Beschäftigten einher gegangen.
Wie Sontowski weiter ausführt, ist die Zahl der Arbeitsplätze bei der Herstellung von Solarzellen und Solarmodulen deutlich gesunken: von rund 89.850 Beschäftigten im Jahr 2012 auf rund 45.100 Beschäftigte im Jahr 2013. 2011 habe die Zahl der Abschätzung des Forschungskonsortiums zufolge noch bei 103.300 Beschäftigten gelegen. Wegen einer abweichenden Datengrundlage könne diese Zahl jedoch nicht ohne Weiteres mit den Werten der Folgejahre verglichen werden. Zu der von Caren Lay ebenfalls angefragten Anzahl der Betriebe im Bereich der Herstellung von Solarzellen und Solarmodulen liegen der Bundesregierung Sontowski zufolge für den Zeitraum 2011 bis 2013 keine Zahlen vor. (Petra Hannen)

Auch BVES widerspricht Agora-Speicherstudie

19. September 2014 | Speicher und Netze, Topnews
Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) kritisiert, die Stromspeicher-Studie von Agora Energiewende gehe von fehlerhaften Grundannahmen aus. Energiespeicher seien schon heute unverzichtbar für die Energiewende, nicht erst in 20 Jahren.

Die am Montag vorgestellte Studie „Stromspeicher in der Energiewende“ sorgt weiter für Kritik. Nachdem Eurosolar bemängelte, dass Agora Energiewende von falschen Voraussetzungen ausgehe, um die Notwendigkeit von Speichern richtig analysieren zu können, hat sich jetzt auch der Bundesverband Energiespeicher (BVES) zu Wort gemeldet. Zwar stelle der Think Tank in seiner Studie zu Recht klar, dass der geltende Rechtsrahmen Speicher diskriminiere und ihren Marktzugang blockiere. Das Studienergebnis, dass neue Stromspeicher erst bei einem sehr hohen Anteil an erneuerbaren Energien gebraucht würden und daher die Energiewende in den kommenden 20 Jahren nicht auf neue Speicher angewiesen sei, beruhe jedoch auf fehlerhaften Grundannahmen.
„Die Studie der Agora Energiewende eignet sich nicht als Handlungsempfehlung für die Politik. Die Notwendigkeit der Speicherung von zunehmenden Mengen volatiler Energien wird aufgrund fehlerhafter Grundannahmen, wie zum Beispiel ein engpassfreies Stromnetz, nicht aufgezeigt“, sagte BVES-Präsident Eicke R. Weber. Weber zufolge leisten Energiespeicher wie Pumpspeicherkraftwerke, Batteriespeicher und stromgeführte Kraftwärmekopplung in Verbindung mit Wärmespeichern schon heute einen wichtigen Beitrag zu einer stabilen Stromversorgung – und damit zur Energiewende. Energiespeicher würden aufgrund zweifelhafter Kostenannahmen negativ beurteilt, so Weber weiter, Agora Energiewende vergleiche die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen. „In der Studie werden Kosten für konventionelle Kraftwerke, Netzausbau, Demand Side Management und andere Möglichkeiten der Flexibilisierung von Stromangebot und -nachfrage nicht oder nicht vollständig eingerechnet. So ist es nicht verwunderlich, dass Speicher im Vergleich als zu teuer und wenig effizient erscheinen.“
Der BVES plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung des Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarktes. Nur so könnten Synergie- und Kosteneffekte, die sich aus der verstärkten Nutzung verschiedener Speichertechnologien ergeben, hinreichend betrachtet und berücksichtigt werden. In der Studie würden essentielle Kernaufgaben für Speicher außer Acht gelassen und stattdessen Anwendungen untersucht, in denen die Stärken und der Nutzen von Speichertechnologien nicht voll zur Geltung kämen. Hinzu komme, dass die Studie Annahmen zu Energieimporten einbeziehe. Darauf eine Planung aufzubauen, sei jedoch fahrlässig, da es hierzu kein international abgestimmtes Vorgehen gebe. (Petra Hannen)

Nach Wagner-Solar-Übernahme: Zukunft der Genossenschaft noch offen

19. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Mitarbeiter und Kunden des Photovoltaik-Unternehmens hatten sich in einer Genossenschaft zusammengeschlossen, um Wagner Solar aus der Insolvenz zu übernehmen. Nun kam ihnen aber ein holländischer Investor zuvor. Über die Weiterführung der Genossenschaft soll noch im Herbst entschieden werden.

Die Wagner & Co. Solartechnik wird durch die Wagner Solar GmbH fortgeführt. Der holländische Investor Sanderink Holding hat das insolvente Photovoltaik-Unternehmen aus Cölbe vor rund zwei Wochen übernommen. Ursprünglich hatte sich eine Genossenschaft Mitte Juni gegründet, die die Wagner Solar weiterführen wollte. Mitarbeiter und Kunden hatten dafür die Genossenschaft Wagner Solar eG gegründet und sammelten bereits Geld für die Übernahme. Für 500 Euro konnte man einen Anteil erwerben. „Gerne hätten wir als Genossenschaft Wagner fortgeführt. Allerdings begrüßen wir auch das Engagement der langjährigen Wagner-Kundin Dutch Solar Systems/Sanderink Holding, die am 6. September den Geschäftsbetrieb von Wagner & Co übernommen hat“, sagt Alexander Sasse, Vorstand der Genossenschaft.

Im Herbst soll sich nun entscheiden, ob die Genossenschaft andere Aktivitäten für die Energiewende aufnehmen oder liquidiert wird. Die Wagner Solar eG wolle nun prüfen, ob sie Ideen aus dem Kreis der Genossenschaftsmitglieder für den Ausbau der Erneuerbaren Energien umsetzen könne. „Gerade weil Solarstrom nur noch halb so viel kostet wie Atomstrom aus der Steckdose wird der Ausbau der Solarenergie in Deutschland politisch erheblich gebremst“ so Sasse weiter. (Sandra Enkhardt)

Schmid bietet Komplettlösung für bifaziale Solarzellen-Produktion

19. September 2014 | Fachwissen und Technik, Topnews
Der Photovoltaik-Anlagenbauer verspricht mit seinem Geminus-Zellkonzept einen bis zu 30 Prozent höheren Ertrag seiner Solarzellen. Die Aufstellung der Solarmodule ist jedoch dafür entscheidend.

Die Schmid Group bietet nun eine Komplettlösung zur Herstellung bifazialer Solarzellen unter der Bezeichnung „Geminus“ an. Dieser Zelltyp könne auf beiden Seiten Licht absorbieren und Strom erzeugen und erziele bei geeigneter Aufstellung einen bis zu 30 Prozent höheren Ertrag als herkömmliche Zellen, teilte der Photovoltaik-Anlagenbauer aus Freudenstadt mit. Für sein Geminus-Zellkonzept verwende das Unternehmen nur bewährtes Produktionsequipment. Schmid gibt an, dass die bifaziale Solarzellen vom monokristallinen p-Typ im eigenen Technologiezentrum Wirkungsgrade von 19,5 Prozent für die Vorder- und 17,5 Prozent für die Rückseite erreicht hätten. Bei geeigneter Aufstellung entspreche der durch den bifazialen Aufbau erzielbare Ertragszuwachs einem Wirkungsgradgewinn von 3,5 Prozent, wie es weiter hieß. Die bifazialen Zellen könnten damit äquivalente Erträge erwirtschaften wie die Hochleistungszellen, seien aber günstiger. Die BOS-Kosten liegen Schmid zufolge bei sieben bis zehn US-Dollar pro Watt. Mit der Komplettlösung könnten sowohl p-Typ als auch von n-Typ Zellen hergestellt werden.

Um die Vorteile bifazialer Solarzellen gut nutzen zu können, komme es auf die Aufstellung der Solarmodule an. Ein stark reflektierender Untergrund und eine ausreichender Abstand zum Boden könnten den Einfall des diffusen Licht auf der Modulrückseite optimieren, so das Photovoltaik-Unternehmen weiter. Der Einsatz der bifazialen Solarzellen eigne sich daher auch besonders bei Solarparks oder für die Aufständerung bei Flachdächern. (Sandra Enkhardt)

Freitag, 19. September 2014

China und Japan dominieren Photovoltaik-Weltmarkt weiter

18. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Die fünf führenden Photovoltaik-Länder der Asien-Pazifik-Region werden NPD Solarbuzz zufolge rund 60 Prozent der weltweiten Nachfrage im zweiten Halbjahr abdecken. Während die Märkte in China und Japan in diesem Jahr erneut den größten Zubau verzeichnen werden, kämpfen Indien, Australien und Thailand mit einigen Herausforderungen.

Die Asien-Pazifik-Region hat Europa als Zentrum des weltweiten Photovoltaik-Zubaus bereits im vergangenen Jahr abgelöst. Auch in diesem Jahr wird sich dies nicht ändern. Die Analysten von NPD Solarbuzz erwarten, dass die fünf größten Märkte der Region - China, Japan, Indien, Australien und Thailand – im zweiten Halbjahr 17,2 Gigawatt an Photovoltaik-Produkten nachfragen werden. Dies bedeute rund 60 Prozent des weltweit erwarteten Zubaus für diesen Zeitraum. „China, Japan, Indien, Australien und Thailand werden voraussichtlich unter den zehn größten Photovoltaik-Märkten der Welt sein. China und Japan dominieren die Nachfragen und werden etwa die Hälfte der weltweit neuen Kapazitäten in diesen Jahr installieren“, sagt Senior Analyst Ray Lian von NPD Solarbuzz.

Für das zweite Halbjahr sei eine starke Nachfrage gerade aus China zu erwarten. Etwa 80 Prozent der Solarmodule würden dabei in Freiflächenanlagen verbaut. Im Segment gewerblicher Dachanlagen sei der Zuwachs in China jedoch geringer, als von der Regierung erhofft, schreiben die Analysten. In Japan gebe es derzeit eine Pipeline von genehmigten Photovoltaik-Projekten von 59 Gigawatt. Für das zweite Halbjahr erwartet NPD Solarbuzz, dass die Nachfrage bei rund fünf Gigawatt liegen wird.

Während der Zubau in China und Japan auch in diesem Jahr wieder enorm sein wird, kämpfen Indien, Australien und Thailand mit verschiedenen Herausforderungen. Politische Unsicherheiten hätten zu einigen Verzögerungen bei der Umsetzung von Photovoltaik-Projekten in Indien in den vergangenen sechs Monaten geführt. In Australien und Thailand erwartet NPD Solarbuzz einen rückläufigen Zubau im Vergleich zum Vorjahr, was auch mit politischen Änderungen bei der Solarförderung zusammenhänge, die die Investoren verunsichert habe. (Sandra Enkhardt)

IHS: Marktvolumen für Microinverter und Power Optimizer wächst

18. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Auf den weltweiten Photovoltaik-Märkten wächst die Nachfrage nach Modulwechselrichtern und Power Optimizern. Das Marktvolumen wird sich nach IHS-Angaben bis 2018 mehr als verdreifachen und dann erstmals die Grenze von einer Milliarden US-Dollar durchbrechen.

Der Weltmarkt für Microinverter und Power Optimizer wird sich in den kommenden Jahren mehr als verdreifachen. Das Marktolumen werden von 329 Millionen US-Dollar im vergangenen Jahr bis auf 1,1 Milliarden US-Dollar 2018 steigen, heißt es bei den Analysten von IHS. Die jährliche Zubaurate liege bei voraussichtlich 27 Prozent. Die Nachfrage werde dabei vor allem aus den Schlüsselmärkten USA, Großbritannien und Australien getrieben“, sagt IHS-Analyst Cormac Gilligan. „Der Markt ist bis jetzt schon auf mehr als 300 Millionen US-Dollar angewachsen, trotz des anhaltenden Preisdrucks, der durch neue Hersteller sowie fallende Photovoltaik-Systempreise besteht.“ IHS geht davon aus, dass sich die Geräte auch auf den Photovoltaik-Märkten in Deutschland und Frankreich künftig größere Akzeptanz finden. Auch die derzeit weltweit größten Photovoltaik-Märkte böten großes Potenzial für den Einsatz von Microinvertern und Power Optimizern in den kommenden Jahren, so Gilligan.

Aus den USA komme bislang die größte Nachfrage nach Modulwechselrichtern. Dies wird sich IHS zufolge auch bis 2018 nicht ändern und die USA werden der größte Markt bleiben. Auch die Nachfrage nach Power Optimizern nehme in den USA derzeit zu. Für dieses Jahr sei mit einer Steigerung um 160 Prozent zu rechnen. In Japan sei die Zahl der verwendeten Microinverter derzeit noch gering. Da sie aber demnächst zum zuständigen Institut JET zertifiziert werden sollen, könnten sie danach ihren Marktanteil deutlich erhöhen, so die Erwartungen bei IHS.

Bei den Herstellern seien weiterhin Enphase und Solaredge dominant. Jedoch drängten auch neue Unternehmen in das Segment. IHS nennt Kaco und Delta, die neue Microinverter-Modelle vorgestellt haben, um ihr bestehendes Portfolio zu diversifizieren. Selbst SMA präsentierte in diesem Jahr seinen ersten Modulwechselrichter. Aber auch neue Hersteller erscheinen mittlerweile auf der Bildfläche. Damit werde sich der Wettbewerb in diesem Segment weiter intensivieren und auch zu fallenden Preisen bei Power Optimizern führen. (Sandra Enkhardt)

Öffentlich-rechtlicher Fonds soll Atom-Rückstellungen der Energiekonzerne sichern

18. September 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews
Der BUND hat seine Studie "Atomrückstellungen für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung – Kostenrisiken und Reformvorschläge für eine verursachergerechte Finanzierung" vorgestellt. Der Verband fordert, die Rückstellungen der Energiekonzerne für die atomaren Altlasten in einen Fonds zu überführen. Gleichzeitig sollen die AKW-Betreiber aber nicht aus der Verantwortung gelassen werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat eine Studie zu den Folgekosten der Atomkraft vorgelegt. Darin warnt der Verband vor Risiken bei der Finanzierung von Atomenergie-Folgekosten und fordert eine Übertragung der Rückstellungen der AKW-Betreiber in einen öffentlich-rechtlichen Fonds. „Bleiben die bisher vorhandenen rund 36 Milliarden Euro Rückstellungen für Stilllegung und Rückbau der Atomanlagen und die Atommülllagerung in der Hand der Stromkonzerne, ist die Finanzierung der Folgekosten der Atomenergie infrage gestellt“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Allerdings lehnt der BUND das von den AKW-Betreibern geforderte Modell einer Stiftung ab, die mit der Übernahme der Rückstellungen auch alle Verantwortung für die Folgekosten tragen solle. Es muss dringend dafür gesorgt werden, dass die Folgekosten der Atomenergie tatsächlich von den AKW-Betreibern getragen werden“, sagte Weiger weiter. Immerhin hätten die Betreiber in den vergangenen Jahren Zusatzgewinne von 79 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Im Mai hatten die AKW-Betreiber eine Art Bad Bank für atomare Altlasten gefordert. Der Vorschlag der Energiekonzerne sah vor, die ihre Atomkraftwerke samt Risiken und Müll in eine öffentlich-rechtliche Stiftung überführen wollen. Die Betreiber wollten ihre Anlage und somit auch die Kosten für die Verschrottung und die Endlagerung des Atommülls dem Staat und somit dem Steuerzahler überlassen. Die bislang gebildeten Rückstellungen der Konzerne RWE und Eon und EnBW bezifferte „Der Spiegel“ damals mit 36 Milliarden Euro. Im Gegenzug für die Übernahme der atomaren Altlasten wollten sie dafür auf mögliche Schadenersatzforderungen gegenüber dem Staat verzichten, die sich aus Abschaltungen einzelner AKWs ergeben.

Die Studie „Atomrückstellungen für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung – Kostenrisiken und Reformvorschläge für eine verursachergerechte Finanzierung“ habe ergeben, dass die Kostenübernahme durch die die AKW-Betreiber für Stilllegung und Rückbau der Atomanlagen und für die Atommüll-Lagerung großen Risiken ausgesetzt sei. Bislang liege keine transparente und überprüfbare Kostenschätzung vor. Auch würden die bislang gebildeten Rückstellungen, die tatsächlichen Kosten nicht decken können. Es sei zu befürchten, dass sich bis zum Zeitpunkt der Zahlungsfälligkeit die AKW-Betreiber oder deren Mutterkonzerne umorganisierten, um Zahlungsverpflichtungen zu umgehen. Insolvenzen seien ebenfalls nicht auszuschließen, fürchtet der BUND.

„Um diese unsichere Ausgangslage zu verbessern, sind neben Transparenz und Fondslösung für die langfristigen Kosten weitere politische Reformen notwendig. Zum Schutz der Rückstellungen vor Insolvenzen muss die Verantwortung der Mutterkonzerne auf lange Zeit garantiert und durch geeignete Instrumente abgesichert werden“, fordert Studienautorin Swantje Küchler vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Die Ergebnisse zeigten aus, dass die gebildeten Rückstellungen sehr unterschiedlich seien. So habe RWE 1300 Euro pro Kilowatt zurückgelegt, während es bei Vattenfall mehr als 2000 Euro pro Kilowatt seien. Es müsse geprüft werden, inwiefern die Unterschiede sachlich gerechtfertigt seien. Mit einem öffentlich-rechtlichen Fonds könnten zumindest aber die vorhandenen Rückstellungen gesichert werden, wobei die AKW-Betreiber auch zu die zu erwartenden Kostensteigerungen aufkommen müssten, fordert der BUND. (Sandra Enkhardt)

Mehrere Töchter von LDK Solar melden Insolvenz an

18. September 2014 | Märkte und Trends, Topnews
Im Zuge des Insolvenzverfahrens will der chinesische Photovoltaik-Hersteller eine Umstrukturierung Offshore-Verbindlichkeiten erreichen. Drei US-Tochtergesellschaften kündigten nun an, ein Verfahren nach Chapter 11 zu beantragen. Zwei weitere LDK-Gesellschaften beantragten in Hongkong ein Insolvenzverfahren.

Die Insolvenzverwalter der LDK Solar Co., Ltd., deren Verfahren derzeit in den Caymans läuft, haben nun bekanntgegeben, dass auch drei US-Tochtergesellschaften ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragen werden. Dies betreffe die LDK Solar USA, Inc., LDK Solar Tech USA, Inc. and LDK Solar Systems, Inc., teilte der Photovoltaik-Herstellern nun mit. Im Zuge des Insolvenzverfahrens solle eine Einigung mit den Inhaber der Wandelschuldanleihe 2014 erzielt werden. LDK Solar habe dafür nun einen Plan vorgelegt, wie es im US-Insolvenzrecht vorgesehen ist.
Das Oberste Insolvenzgericht der Caymans habe zudem für Mitte Oktober eine Gläubigerversammlung für die LDK Solar und deren Tochtergesellschaft LDK Silicon & Chemical Technology Co., Ltd. einberufen, hieß es weiter. Bis zum 6. November werde es voraussichtlich entscheiden, ob es den vorgelegten Einigungsplan mit den Gläubigern akzeptiere oder nicht. Zudem hätten auch die LDK Silicon and LDK Silicon Holding Co., Limited beim Gericht in Hongkong einen Insolvenzantrag gestellt. Dieser habe für den kommenden Montag eine Anhörung angesetzt.
Die Insolvenzverfahren sollen LDK Solar helfen, seine Offshore-Verbindlichkeiten zu restrukturieren, wie der Photovoltaik-Hersteller mitteilte, der hauptsächlich in China produziert. Das Unternehmen hoffe, dass die Umstrukturierung im November noch abgeschlossen werden könne.
Im März 2014 hatte LDK Solar wegen Zahlungsunfähigkeit einen vorläufigen Insolvenzantrag beim Obersten Gericht der Caymans gestellt. Zuvor war das Photovoltaik-Unternehmen mehrfach beim Versuch einer Einigung mit seinen Gläubigern gescheitert, hatte aber immer wieder einen Zahlungsaufschub erwirken können. Anfang September wurde das Hauptverfahren auf den Caymans eingeleitet. (Sandra Enkhardt)

Eurosolar zerlegt Agora-Speicherstudie

18. September 2014 | Speicher und Netze, Topnews
Anfang der Woche veröffentlichte der Berliner Think-Tank seine Studie "Stromspeicher in der Energiewende". Eurosolar zeigt nun auf, dass Agora Energiewende dabei von den falschen Voraussetzungen ausgeht, um die Notwendigkeit von Speichern richtig analysieren zu können.

Der Berliner Think-Tank Agora Energiewende hat am Montag eine Studie veröffentlicht, wonach der Ausbau der erneuerbaren Energie zunächst auch ohne Stromspreicher auskommen würde. Zugleich sollten aber Stromspeicher einen „gleichberechtigten Zugang zu Märkten der Flexibilität“ und eine Berücksichtigung in regulatorischen Rahmen für Verteilnetze erfahren. Dabei sei in der Untersuchung von einem massiven Ausbau des Übertragungsnetzes ausgegangen worden, kritisiert nun die Vereinigung Eurosolar. Die Frage, inwiefern Speicher den größten Teil des Netzausbaus überflüssig machen würden, sei hingegen nicht erörtert worden.

Vor diesem Hintergrund sei es beachtlich, dass die Untersuchung gleichwohl zu dem Ergebnis kommt, dass es schon jetzt eines gesetzlichen Rahmens für die Markteinführung von Stromspeichern auf der Verteilnetzebene bedarf, damit diese Technologien ab 2030 kostengünstiger zum Einsatz kommen könne. Eurosolar fordere einen solchen gesetzlichen Rahmen schon lange als zentralen Bestandteil einer neuen Energiemarktverordnung. Eine offensive Strategie zur raschen Einbindung von dezentralen Stromspeichern (Redox-Flow, Power-to-X), insbesondere auf der Verteilnetzebene würde den überzogenen und teuren Netzausbau mit all seinen inneren Widersprüchen und Fragwürdigkeiten überflüssig machen, heißt es bei der Vereinigung weiter.

Eine stärkere Nutzung von Stromspeichern in Deutschland würde zugleich deren industrielle Produktion hierzulande voranbringen und damit die Preise für diese Systeme senken. Stromspeicher könnten dann auch verstärkt exportiert werden, gerade in Ländern mit weniger gut entwickelten Übergangs- und Verteilnetzen wie in Deutschland, so Eurosolar weiter. Die Vereinigung weist zudem daraufhin, dass Agora Energiewende eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation ist. Zum Unterstützerkreis der Untersuchung habe zudem auch der Übertragungsnetzbetreiber Agora Energiewende gehört. (Sandra Enkhardt)