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Donnerstag, 30. April 2015

Solarmodule nicht-europäischen Ursprungs – worauf Käufer achten sollten

Solarmodule nicht-europäischen Ursprungs – worauf Käufer achten sollten
Isabel Ludwig, Rödl & Partner Stuttgart

Der Kauf von Solarmodulen und -zellen nicht europäischen Ursprungs birgt viele Stolperfallen.
Käufern und Importeuren ist häufig nicht klar, dass sie schon für geringfügige Verstöße gegen die
geltenden Antidumpingmaßnahmen und Mindestpreisregelungen für chinesische Produkte mit zur
Verantwortung gezogen werden können. Dies kann zu empfindlichen Einbußen und bei schweren
Fällen sogar zu Strafverfolgung führen.

Hintergrund: Ende 2013 hat die Europäische Union nach der Feststellung wettbewerbswidriger
Praktiken chinesischer Hersteller Antidumping- und Antisubventionszölle auf Solarzellen und module aus kristallinem Silizium in Höhe von durchschnittlich knapp 50 Prozent verhängt. Derartige
Zölle werden von der EU jeweils zusätzlich zum Regelzollsatz auf gedumpte und/oder unzulässig
subventionierte Produkte erhoben. Dadurch soll der ungerechtfertigte Preisvorteil der gedumpten
Produkte im Vergleich zu Produkten des EU-Marktes ausgeglichen werden.
Um die Zollzahlungen zu vermeiden, hat ein Großteil der ausführenden chinesischen Hersteller der
Europäischen Kommission gegenüber eine Verpflichtungserklärung (sog. „Undertaking“) abgegeben,
ihre Produkte nicht unterhalb eines definierten Mindestimportpreises in die EU einzuführen. Die EU
hat diese Verpflichtungserklärung angenommen und die Zollmaßnahmen (Antidumping- und
Antisubventionszölle) für die betroffenen Einfuhren ausgesetzt. Solarprodukte von chinesischen
Herstellern, die sich der Verpflichtung nicht angeschlossen haben, unterliegen weiterhin den
Antidumping- und Antisubventionszöllen. Gleiches gilt für Importe, bei denen die Bedingungen des
Undertakings nicht eingehalten werden sowie für Unternehmen die aufgrund von massiven Verstößen
von der Mindestpreisregelung ausgeschlossen werden.
Die Erhebung des vollen Antidumpingzolls bleibt in den Augen des EU-Gesetzgebers der Grundfall.
Eine etwaige Nacherhebung von Antidumpingzöllen aufgrund von Verstößen des Importeurs gegen
das Zollrecht werden als gewöhnliches Geschäftsrisiko gesehen. Alle Marktteilnehmer sind damit zu
erhöhter Sorgfalt und Vorsicht verpflichtet. Antidumpingzölle auf Photovoltaikmodule und Zellen
werden erhoben, wenn:

a) die Produkte direkt aus China versandt werden. (Dabei spielt auch ein ggf. abweichendes
Ursprungsland keine Rolle!)
oder
b)  die Produkte  ihren Ursprung in China haben. (Dabei wird der Ursprung des Moduls
durch das Land definiert n dem der Großteil der hierfür verwendeten Zellen hergestellt
wurde.) 

Somit gilt der Antidumpingzoll sowohl für beispielsweise in Taiwan gefertigte Module mit
mehrheitlich chinesischen Zellen, als auch auf für Module, die in China mit taiwanesischen Zellen
gefertigt werden.

1. Module chinesischen Ursprungs (mit chinesischen Zellen) oder versandt aus China
Beim Kauf von Solarmodulen chinesischer Hersteller ist im ersten Schritt relevant, ob dieser
Hersteller das Undertaking unterzeichnet hat. In diesem Fall haben sich der Hersteller und damit
verbundene Unternehmen (beispielweise europäische Vertriebstöchter) gewissen Pflichten
unterworfen.

Das Undertaking verpflichtet den Hersteller, einen spezifischen Mindesteinfuhrpreis einzuhalten. Der
Mindestpreis wird nicht öffentlich von der Europäischen Kommission kommuniziert. In der Presse
finden sich aber ausreichend Berichte, nach denen der ursprüngliche Mindestpreis für Module bei 56
Eurocent/Watt und für Zellen bei 28 ct/W lag. Zum 1. April 2014 sind die Mindestpreise laut
Medienangaben auf 53 ct/W (Zellen 27 ct/W) und zum 1. Oktober 2014 auf 52 ct/W (Zellen 26 ct/W)
herabgesenkt worden Zum 1. April 2015 hingegen wird der Mindestpreis erstmalig wieder auf 56 ct/W (Zelle 28 ct/W) angepasst.
 
                       Dez. 2013  1.April 2014  1.Juli 2014  1.Okt. 2014  1. Jan 2015  1.April 2015
Modul (ct/W)      56                 53                  53                52                52               56
Zelle (ct/W)        28                  27                  27                26                26               28
Mindestpreisentwicklung laut Medienangaben.

Bei dem Mindesteinfuhrpreis handelt es sich um einen Netto-Verkaufspreis inkl. Transport- und
Versicherungskosten bis zur EU-Außengrenze bei sofortiger Bezahlung. Alles was an Leistungen zur
reinen Lieferung an die EU-Grenze hinzukommt, muss zum Mindestpreis hinzugerechnet werden.
Dazu gehören beispielweise Zahlungsziele, Transporte innerhalb der EU, Vertriebsunterstützung,
Garantien, Gutschriften des Herstellers und auch jede Unterstützung der Geschäftsabwicklung. Schon
wenn ein Vertriebsmitarbeiter oder eine Niederlassung des Herstellers innerhalb der EU unterstützend
tätig war, muss dies als geldwerte Leistung auf den Mindestpreis aufgeschlagen werden. Der
tatsächlich für den jeweiligen Kauf geltende Mindestpreis liegt damit  meist um einiges über dem
definierten Mindestimportpreis. Somit muss beim Kauf von Solarmodulen chinesischer Hersteller, die das Undertaking unterzeichnet haben, nicht nur darauf geachtet werden, dass der Einkaufspreis
mindestens dem Mindesteinfuhrpreis entspricht sondern auch, dass er zusätzlich alle etwaigen
geldwerten Leistungen und Services mit abdeckt.
Beim Import müssen eine kommerzielle Rechnung und eine sogenannte Ausfuhr Verpflichtungs-bescheinigung vorgelegt werden. Die Rechnung muss folgende Angaben enthalten:

- Name des Unternehmens, das die Handelsrechnung ausstellt,
- Nummer und Datum der Ausstellung der Handelsrechnung,
- TARIC-Zusatzcode, unter dem die auf der Rechnung angegebenen Waren an der Grenze der
   Europäischen Union zollrechtlich abzufertigen sind,
- exakte Beschreibung der Ware, einschließlich Warenkontrollnummer (Product Code Number
  — PCN), technische Spezifikationen der PCN, vom Unternehmen verwendeter Warencode,
   KN-Code, 
- Menge (in Einheiten, ausgedrückt in Watt),
- Beschreibung der Verkaufsbedingungen, einschließlich Preis je Einheit (Watt), geltende
   Zahlungsbedingungen, geltende Lieferbedingungen, Preisnachlässe und Mengenrabatte
   insgesamt, 
- Name und Unterschrift der zuständigen Person des Unternehmens, das die Handelsrechnung
  ausgestellt hat.


Die Einhaltung des Mindesteinfuhrpreises gilt natürlich auch, wenn die Module verzollt beispielweise von einem in der EU oder Schweiz ansässigen Tochterunternehmen des chinesischen Herstellers gekauft werden. Hier muss der Einkaufspreis deutlich über dem Mindesteinfuhrpreis liegen, da im Undertaking pauschal eine Marge von mindestens 5 % für den Wiederverkaufspreis innerhalb der EU berechnet wird. Außerdem müssen weitere Kostenbestandteile wie innergemeinschaftliche Transportkosten und Kosten im Zusammenhang mit der Zollbehandlung berücksichtigt werden. Somit sollte der Einkaufspreis bei europäischen Tochterunternehmen etwa 10 % über dem Mindesteinfuhrpreis liegen. Diese Einschätzung basiert auf einer Vielzahl von Faktoren, wie beispielsweise dem aktuellen Rechtsstand in Bezug auf das jeweilige Geschäft, der
Unternehmensstruktur (betrifft die Kostenintensivität des jeweiligen Verkäufers) etc. Aus diesem
Grund kann der bei einer entsprechenden Prüfung tatsächlich akzeptierte Prozentsatz abweichen. Wird unterhalb des so errechneten Mindestpreises eingekauft, führt dies zum potenziellen Risiko einer Zollnachforderung, dem Ausschluss des chinesischen Herstellers aus dem Undertaking bis hin zu einer möglichen Annullierung der Verpflichtungsvereinbarung.

Auch wenn Module der chinesischen Hersteller, die das Undertaking unterzeichnet haben, bei einem
unabhängigen europäischen Händler innerhalb Europas gekauft werden, sollte der Kaufpreis über dem Mindesteinfuhrpreises liegen. Verkauft ein Händler unterhalb bzw. genau zum Mindesteinfuhrpreis, ist dies ein starker Anhaltspunkt für einen tatsächlichen Verstoß gegen die im Undertaking festgelegte Mindestpreisregelung, da auch dem Händler Aufwendungen und Kosten entstehen und bei ihm eine zumindest geringe Marge anzunehmen ist. Diese Faktoren sind alle dem Mindesteinfuhrpreis hinzuzurechnen.

Das Gleiche gilt auch für Käufe bei unabhängigen Dritten, wenn der Hersteller ein Tochterunter- nehmen in der EU hat. In allen Fällen, in denen nicht direkt beim Hersteller gekauft und der Import selbst vorgenommen wird, sollte der Einkaufspreis über dem Mindesteinfuhrpreis liegen – nur so entsteht kein erhöhtes Risiko.

Neben der Vereinbarung eines vorgeschriebenen Mindestpreises ist im Undertaking auch ein
Umgehungsverbot enthalten, welches den unterzeichnenden Parteien beispielsweise die Durchführung von sogenannten Kompensationsgeschäften untersagt. Kompensationsgeschäfte liegen unter anderem dann vor, wenn neben dem gegenständlichen Kaufgeschäft, weitere Rechtsgeschäfte mit einem entsprechenden Zahlungsfluss eingegangen werden müssen, um so den Mindestpreis zumindest auf dem Papier zu erreichen. So kann z.B.  der gezielte Kauf von Modulen unterschiedlichen Ursprungs und unterschiedlichen Preisen ein solches Kompensationsgeschäft darstellen, in dem der Kauf faktisch an die Bedingung geknüpft ist neben den „teureren“ chinesischen auch die „günstigeren“ Module mit Ursprung in einem anderen Land kaufen zu müssen um so den Mindesteinfuhrpreis einzuhalten. Eine Mischung der Ursprünge der Module des gleichen Herstellers, zum Beispiel Module chinesischen Ursprungs und Module türkischen Ursprungs, sollten unbedingt vermieden werden, da hier ein großes Risiko besteht – auch wenn zwischen den Käufen zeitliche Abstände liegen.

Häufig bestehen auch neben den klassischen Kaufvertragsgestaltungen weitere flankierende Verträge,
wie bspw. Marketing- oder Werbeverträge, die zu einem Geldrückfluss an den Käufer und somit zu
einem Verstoß gegen den Mindesteinfuhrpreis führen. Ebenso sind fiktive Schadensersatzansprüche
oder Zahlungen für Garantieleistungen zu bewerten. Weitere mögliche Verstöße können
Reservelieferungen (Bsp.: 10 bestellt, 11 geliefert für mögliche Ausfälle), Kommissionsregelungen,
fehlerhafte Leistungsdeklarationen (Bsp.: 260er Modul wird als 250+ geliefert), Koppelgeschäfte mit
anderweitigen Produkten (Bsp.: verbilligte Wechselrichter oder Gestelle) darstellen. Diese Beispiele
stellen bei weitem keine abschließende Aufzählung aller möglichen und tatsächlich angebotenen
Umgehungsmodelle dar, die allesamt laut Undertaking untersagt sind und zu nachträglichen
Zollerhebungen führen können.

2. Module nicht-chinesischen Ursprungs
Auch beim Kauf von Non-EU-Modulen mit nicht-chinesischem Ursprung bestehen erhöhte
Geschäftsrisiken. Das Undertaking untersagt auch die Veränderung von Vermarktungsstrategien und
des Handelsgefüges der chinesischen Hersteller, sofern diese zu einer Umgehung der Anti-Dumping Regelungen führen. Bietet ein chinesischer Hersteller also plötzlich Module taiwanesischen oder
japanischen Ursprungs an, muss auch hier die potenzielle Möglichkeit einer Zollnachforderung
einkalkuliert werden. Eine Verlagerung der Produktion ist ebenso kritisch wie der Aufbau neuer
Produktionsanlagen in Nachbarländer wie Malaysia und weitere. Diese gilt zudem auch für Produkte
die über sogenannte OEM-Hersteller (Original Equipment Manufacturer), d.h. lediglich im Auftrag
des chinesischen Unternehmens, nicht aber in seinen eigenen Fertigungsstätten produziert werden. (?)

Bei Solarmodulen nicht-chinesischen Ursprungs kann der Einkaufspreis grundsätzlich unterhalb des
Mindesteinfuhrpreises liegen, wobei besonders Wert auf die Prüfung der tatsächlichen Herkunft der
Produkte gelegt werden sollte. Beim Kauf solcher Module sollten vertragliche Regelungen mit dem
Verkäufer getroffen werden, die die Ursprungseigenschaft der Module betreffen, so dass bei ggfs.
auftretenden Schwierigkeiten nach dem Erhalt der Waren, ein ausdrücklicher Schadensersatzanspruch
vorbehalten bleibt. Neben vertraglichen Regelungen zum Ursprung der Solarmodule sollte auch eine
stichprobenweise Prüfung der gekauften Produkte erfolgen. Durch die Einführung von
Antidumpingzöllen erhöht sich auch das Risiko, dass die Ursprünge der Solarmodule falsch
angegeben werden um die anfallenden Zölle zu umgehen. Erste Beispiele hierzu sind bekannt
geworden mit der Folge, dass die Module von Seitens der Zollverwaltung beschlagnahmt wurden,
obwohl sie vom europäischen Importeur bereits bezahlt oder angezahlt waren. Deswegen muss der
Lieferant vor dem Kauf von Modulen mit gebotener Sorgfalt überprüft und ein Nachweis des
Ursprungs der Solarmodule eingefordert werden. Hierbei ist erneut zu beachten, dass sowohl die
Lieferung aus China als auch die mehrheitliche Verwendung von Zellen aus China die Erhebung des
Antidumping-Zolls auslösen. Falsche Ursprungsangaben können zu einer Nachzahlung von Zöllen
und bei einer zumindest fahrlässigen Beteiligung zu weitergehenden Strafen führen.

3. Konsequenzen bei Verstößen
Im Zollrecht besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass Zölle und damit auch Antidumpingzölle drei
Jahre rückwirkend nacherhoben werden. Diese Nacherhebung wird im ersten Schritt beim Importeur,
dem sogenannten Anmelder, der Solarmodule vorgenommen. Aber auch für die in der Lieferkette
nachgeschalteten Unternehmen, wie Großhändler oder Installateure besteht dieses Risiko.

Geschäftsgestaltungen die zu einer tatsächlichen Umgehung der Antidumpingregelungen, wie der
Umgehung des Mindesteinfuhrpreises führen, bergen grundsätzlich die Möglichkeit einer
Zollnachforderung in der Zukunft. Im Steuerrecht, sowie im Steuerstrafrecht stehen hier
unterschiedliche Instrumente bereit, um auf die Ware, auch nach deren Verzollung, zurückgreifen zu
können. Die Module selbst können somit als Sicherheit für die nachzuzahlenden Zölle beschlagnahmt
werden. Wird beispielsweise der Importeuer zahlungsunfähig und kann die Zollnachforderungen nicht leisten, können die Zollbehörden die eingeführten Module, unabhängig davon wer der aktuelle/jetzige Eigentümer der Module ist und wo die Module sich befinden und verbaut wurden, beschlagnahmen. Somit kann diese Beschlagnahme jeden in der Lieferkette treffen. Daneben droht den Käufern auch die Einleitung eines Steuerstrafverfahrens. Argumentativ kann ein Verdachtsmoment bzgl. der Beteiligung an einem solchen Umgehungsmodell bereits bei einem Einkaufspreis unterhalb des Mindesteinfuhrpreises oder einer sehr knappen Differenz zwischen dem Mindesteinfuhrpreis und dem Einkaufpreis gegeben sein. Die Entlastung von diesem Vorwurf ist dann nur unter sehr hohem Aufwand möglich. Nach dem europäischen Zollrecht steht der Zollverwaltung ein sehr weites Prüfungsrecht zu, welches die Aufdeckung einer solchen Umgehung leicht ermöglicht. Jeder am grenzüberschreitenden Warenverkehr mittelbar Beteiligte, also auch der Käufer von verzollten Modulen, ist den Zollbehörden gegenüber auskunftspflichtig und muss auf Anforderung die entsprechenden Unterlagen wie Kaufverträge, Rechnungen und Zahlungsnachweise vorlegen.

4. Maßnahmen zur Risikominimierung
Aus diesem Grund muss immer eine tiefergehende Bewertung des Verkäufers und den
Einkaufsverträgen insbesondere in Bezug auf die Preisgestaltung vorgenommen werden. Wenn zum
Beispiel die Abnahme nicht-chinesischer Produkte zu einem bestimmten Preis unterhalb des
Mindestpreises nur in Kombination mit chinesischen Produkten möglich ist, führt dies zu einer
Umgehung der gesetzlichen Regelungen. Eine Absicherungsmöglichkeit liegt in der zivilrechtlichen Gestaltung des Kaufvertrags. Diese führt jedoch nur zu einem zivilrechtlichen Anspruch, beispielsweise auf Schadensersatz, und kann die gesetzlichen Haftungsrisiken in Bezug auf Zollnachforderungen und der grundsätzlich bestehenden Beschlagnahmemöglichkeit nie allumfänglich ausschließen.

Beim Kauf von Solarmodulen chinesischen Ursprungs sollten daher immer folgende Fragen gestellt
werden:
- Hat der Hersteller das Undertaking unterzeichnet?
- Ist der Verkäufer mit einem chinesischen Hersteller verbunden, der das Undertaking
   unterzeichnet hat?
- Haben die Solarmodule einen chinesischen Ursprung (Zellen aus China) oder werden diese
  aus China versandt?
- Ist der Verkäufer vertrauenswürdig und zuverlässig?
- Wer ist für die Verzollung der Solarmodule verantwortlich?
- Liegt der Einkaufspreis oberhalb des Mindesteinfuhrpreises?
- Hat der Verkäufer seit Einführung der Antidumpingzölle sein Handelsgefüge geändert? Sind
  die Aussagen und Angaben des Verkäufers insbesondere über den Ursprung der Module
  ausreichend nachgewiesen und dokumentiert?
- Gibt es vertragliche Gestaltungen, die den Mindesteinfuhrpreis faktisch umgehen?
- Gibt es Zahlungsflüsse, Koppelgeschäfte oder sonstige Vereinbarungen die den
  Mindesteinfuhrpreis faktisch umgehen?
- Ist der Ursprung der Solarmodule vertraglich abgesichert?
- Passt das im Vorfeld angegebene Ursprungsland zu den Begleitpapieren und den Produkten
  und ist es plausibel?
- Habe ich einen zivilrechtlichen Anspruch auf Schadensersatz bei möglichen Zollnachforderungen? 

Anmerkung:
Aufgrund der komplexen Sach- und Rechtslage erhebt dieser Text weder Anspruch auf
Vollständigkeit, noch stellt es ein juristisches Gutachten dar und ersetzt auch keine einzelfallbezogene
steuerrechtliche Würdigung und Beratung.

Negativ-Checkliste 

Wenn einer der folgenden Umstände zutrifft, lassen Sie lieber die Finger davon:
⃝    Ich bin mir über die Herkunft der Module nicht sicher.
⃝    Die Herkunft (soweit sie außerhalb Chinas angegeben ist) ist mir nicht vertraglich zugesichert.
⃝    Der Hersteller gibt eine Herkunft außerhalb Chinas an, obwohl mir nicht bekannt ist, dass er
    dort eine Fertigung betreibt.

⃝    Der Hersteller hat seit Einführung der Antidumpingmaßnahmen und des Mindestpreises sein
    Handelsgefüge geändert. Der Hersteller gibt an, keine chinesischen Zellen zu verwenden und
    das Modul nicht aus China zu liefern, obwohl mir bekannt ist, dass der Hersteller ein
    chinesisches Unternehmen ist oder über Fertigungen in China verfügt.
⃝    Der Preis liegt unter dem mir bekannten Mindestpreis.
⃝    Der Preis liegt exakt auf Höhe des Mindestpreises oder knapp darüber, beinhaltet aber mehr
    als nur die Übergabe der Ware am Zollhafen bei Barzahlung.
⃝    Der Preis liegt weniger als 5 % über dem Mindestpreis, obwohl der Hersteller über
    Niederlassungen oder Handelsvertreter in Europa verfügt.
⃝    Der Hersteller bietet mir Vergünstigungen außerhalb der Modullieferung an.
⃝    Die Peakleistung der Module liegt über den auf der Rechnung angegeben Werten.
⃝    Mir wird ein Teil der Lieferung auf Kommissionsbasis angeboten.
⃝    Ich soll einen Marketingvertrag abschließen, bevor mir ein bestimmter Preis angeboten wird.
⃝    Der Hersteller kann mir keine Ausfuhrerlaubnis der chinesischen Handelskammer CCCME
    vorweisen.
⃝    Der Hersteller bietet mir Zahlungstransfers über Offshore-Konten an.
⃝    Der Hersteller bietet mir neben Modullieferungen auch die preisgünstige Lieferung von
    Wechselrichtern, Gestellen oder anderem Material an.
⃝    Der Anbieter ist ein Händler ohne eigene Geschäfts- und Lagerräume innerhalb der EU
    („fliegender Händler“) gegebenenfalls sogar mit Überseeadresse und -konto.
⃝    Der Hersteller/Lieferant beantwortet mir nicht alle Fragen zufriedenstellend und schriftlich.
⃝    Der Lieferant sichert mir keinen zivilrechtlichen Anspruch auf Schadensersatz bei möglichen
    Zollnachforderungen zu.


Die Energiewende als Chance für den Mittelstand

29. April 2015 | von: Fraunhofer-Allianz Energie
Die Energiewende ist für die deutsche Wirtschaft Chance und Herausforderung zugleich. Effizientere Prozesse versprechen sinkende Kosten, steigende Gewinne und damit eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit. Trotzdem scheuen sich oftmals vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ent-sprechende Maßnahmen zu ergreifen. Zu hoch scheinen die Investitionen in Technologie und Personal, bei zunächst unsicheren, langfristigen Renditen. Wie der Weg zur Energiewende gerade für Mittelständler ein Weg zum Erfolg werden kann, ist eines der Themen, um die es am 29. und 30. April 2015 auf den 3. Fraunhofer-Energietagen in Berlin geht.
Dass die Energiewende Chancen bieten würde, hatte die Firma Rauschert, ein weltweit führender Hersteller von technischer Keramik, Kunststoff-Formteilen sowie Bauelementen und Baugruppen, früh erkannt. Auf der Suche nach neuen innovativen Geschäftsfeldern und den damit verbundenen Technologien wandte sich das oberfränkische Traditionsunternehmen an Fraunhofer. Große Potenziale lagen für Rauschert im Bereich Energiemanagement. In Kooperation mit dem Erlanger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS entstand ein neuartiges System zur Messung von Strom- und Spannungswerten, mit dem sich auch vorhandene Maschinen nachrüsten lassen. Es erfasst  zum einen die Verbräuche einzelner Anlagen und sorgt zum anderen für ein intelligentes Lastmanagement mit eigenerzeugtem Strom. In seinem Vortrag »Mittelständische Unternehmen im Wandel: Herausforderung Energiewende« berichtet Geschäftsführer Richard Metzler, wie die Rauschert GmbH die technologischen Innovationen für sich nutzbar macht und mit neuen Geschäftsmodellen neue Märkte erobert.
Wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist, um die Technologieführerschaft deutscher Unternehmen auszubauen, betont Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Akteure eine maximale Wertschöpfung bei einem möglichst minimalen Einsatz von Ressourcen erzielen. In diesem Prozess sind Effizienztechnologien alternativlos. Die Fraunhofer-Gesellschaft bietet hier exzellente, bedarfsgerechte wissenschaftliche Lösungen und ist schon heute ein etablierter Partner vieler großer sowie kleiner und mittelständischer Unternehmen«. Um Firmen den Zugang zur gesamten Bandbreite des Fraunhofer-Know-hows zu erleichtern, bündelt die Fraunhofer-Allianz Energie die Aktivitäten im Bereich Energieforschung. »Der optimale Zugriff auf unser Wissen ermöglicht den fachlichen Austausch aller Beteiligten, um herausragende technologische Lösungen für die Energiewende anbieten zu können und sich daraus ergebende Chancen auch wirklich zu nutzen«, erklärt Prof. Dr. Eicke R. Weber, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie.

Die Rauschert GmbH nutzt die Energiewende bereits als Chance, indem sie Bedarfe analysiert und ihr Portfolie angepasst hat. So erschließt sie sich neue lukrative Geschäftsfelder. Einen anderen Ansatz verfolgen die LEEN-Netzwerke (»Lernende Energieeffizienz-Netzwerke«). Dieses Konzept basiert auf der Idee, dass sich Unternehmen verschiedenster Branchen in Netzwerken zusammenschließen und sich gegenseitig Energieeinsparpotentiale aufzeigen, denn häufig können die Einsparungen ohne großen organisatorischen und finanziellen Aufwand umgesetzt werden. Wie dies möglich ist, präsentiert Prof. Dr. Harald Bradke, Leiter des Competence Center Energietechnologien und Energiesysteme am Fraunhofer ISI, in seinem Vortrag »Verdoppelung des energietechnischen Fortschritts in der Industrie aus innovationspolitischer Sicht«.

Die Beispiele, die auf den 3. Fraunhofer-Energietagen vorgestellt werden, zeigen, dass es für den Erfolg der Energiewende und damit auch der Unternehmen zentral sein wird, die vorhandenen Chancen in ihrer Vielfältigkeit zu erkennen. »Die Energiewende ist mehr als der bloße Zubau von Windkraft- und Solaranlagen. Jetzt muss es darum gehen, die Erneuerbaren besser in den Markt zu integrieren, die Energieeffizienz voranzubringen und die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität besser miteinander zu verzahnen. Nur durch diese ganzheitliche Betrachtung ist es eine wirkliche Energiewende«, so Dr. Jochen Leonhardt, Vorstandsmitglied des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft BVMW. »Hier leistet der deutsche Mittelstand seinen Beitrag: durch Innovationen und einen dezentralen Ansatz. Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen setzen: durch Anreize statt Zwang. So kommen wir gemeinsam zum Erfolg.«

Regionale Preisanreize sparen wertvolle Rohstoffe und Kosten

29. April 2015 | von: energie neu denken gUG
Das Weißbuch des Bundeswirtschaftsministeriums muss grüner werden
Sigmar Gabriel regt mit einem Grünbuch die Diskussion über einen sogenannten „Strommarkt für die Energiewende“ an. Das ist positiv und notwendig. Der derzeitige Vorschlag haftet allerdings noch zu stark in veralteten Strukturen und weist deshalb Fehlanreize auf. Einige Handlungsvorschläge des Bundeswirtschaftsministeriums müssen daher noch auf den Prüfstand, bevor Anfang Juni das Weißbuch folgt. Eine Postkartenaktion fordert nun Nachbesserungen auf regionaler Ebene.

Das Grünbuch

Der Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel regt aktuell mit dem Grünbuch einen Diskussionsprozess über einen „Strommarkt für die Energiewende“ an. Aus dem Grünbuch gehen derzeit auch dringende Verbesserungen für den sich verändernden Strommarkt hervor. Viele grundsätzliche Notwendigkeiten blendet das Arbeitspapier aber vollkommen aus. Von einem fortschrittlichen „Strommarkt 2.0“ ist das Grünbuch noch weit entfernt. Im Großen und Ganzen wird der existierende Strommarkt ein bisschen durch „Sowieso-Maßnahmen“ frisiert. Strompreissignale sind erfreulicherweise geplant, aber nicht ausreichend fertig gedacht. Regionale Ansätze fehlen völlig.

Ein Strommarkt für die Erneuerbaren Energien
Der Ausbau der Erneuerbaren Energien schreitet voran. Der Systemumstieg hinkt hinterher. Dadurch gerät mittlerweile der gesamte Strommarkt unter Druck. Die Erneuerbaren Energien diktieren den Preis, den Einsatz von Ausgleichsenergie und manchmal erfreulicherweise auch schon das Nutzerverhalten. Letzteres geschieht allerdings noch viel zu wenig, denn der alte Strommarkt passt leider nicht zum zukünftigen Kraftwerkspark. Sinnvoll gestaltete Preisanreize könnten Vieles zumindest kurz- und mittelfristig verbessern.

Strompreissignale sinnvoll und regional gestalten

Wie können durch die Strompreise ökonomische und ökologische Vorteile realisiert werden? Zwei wichtige Prinzipien bilden eine Grundlage.

1. Zeitliche Steuerung: Wenn wir die Erneuerbaren Energien zur richtigen Zeit nutzen brauchen wir weniger Speicher und Ausgleichskraftwerke.

2. Räumliche Steuerung: Wenn wir sie am richtigen Ort nutzen, benötigen wir weniger Netzausbau auf allen Ebenen.

Sigmar Gabriel berücksichtigt in seinem Grünbuch zur Energiewende nur die zeitliche Steuerung (Punkt 1). Er möchte Preisanreize setzen und damit die vorhandenen Erneuerbaren Energien besser nutzen. Zeitweise gibt es Strom dann günstig, in der nächsten Stunde kann der Preis schon wieder teurer sein. Darauf reagieren die Verbraucher und nutzen mehr oder weniger Energie.

Allerdings sollen Preisanreize laut Grünbuch deutschlandweit gleich wirken. Bleibt die räumliche Steuerung (Punkt 2) ungenutzt, so führt dies zu Fehlanreizen. Wenn zum Beispiel wetterbedingt insgesamt Knappheit herrscht, können parallel dazu in manchen Regionen Überschüsse bestehen. Trotzdem steigt der Strompreis deutschlandweit und Verbraucher gehen flächendeckend vom Netz. In den Regionen mit viel Strom vergrößert sich in einem solchen Fall der Ausgleichsbedarf. Der Plan des Bundeswirtschaftsministeriums birgt also Fehlanreize und würde zu einem unnötigen, rohstoff- und kostenintensiven Ausbaubedarf in vielen Verteilnetzen führen!

Hier muss das Bundeswirtschaftsministerium nachbessern. Preissignale müssen regional gesetzt werden oder zumindest dezentrale Komponenten enthalten!

Postkartenaktion „Kennen Sie Ihre Problemzonen, Herr Gabriel“

Um das Bundeswirtschaftsministerium zu aktivieren, geht ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen mit einer witzigen Postkartenaktion in die Breite. Sie informiert Bürger und bietet jedem die Möglichkeit, die Stimme für eine volkswirtschaftliche und ökologische Energiewende zu erheben.

Read more: http://www.pv-magazine.de/index.php?id=130&tx_ttnews%5Btt_news%5D=19067&noMobile=1&cHash=73f73763da5a254382b4d64cda46831b#ixzz3YmA9zilu

Wer für Recycling zahlen muss und wer nicht

29. April 2015 | Topnews, Politik und Gesellschaft, Märkte und Trends, Hintergrund
Das Bundesumweltministerium hat pv magazine seinen Gesetzentwurf zum Solarmodul-Recycling erläutert, der im März von der Bundesregierung verabschiedet wurde. Der Unterschied zwischen privaten und gewerblichen Betreibern von Photovoltaik-Anlagen ist bedeutend, aber nicht immer eindeutig.

Zu den angedachten Regeln zum Photovoltaik-Modulrecycling gibt es immer noch viele Fragen. Das legen jedenfalls die Recherchen bei den Beteiligten nahe und ist auch kein Wunder bei einem Gesetzentwurf, der 172 Seiten dick ist. Das Bundesumweltministerium stellte nun auf Nachfrage von pv magazine einige der wichtigsten Punkte zum Gesetzentwurf klar. Die Bundesregierung hatte den Entwurf im März verabschiedet. Nach Aussage einer Ministeriumssprecherin ist im Oktober damit zu rechnen, dass das Gesetz in Kraft tritt, nachdem im Mai der Bundesrat und im Juni und Juli der Bundestag darüber beraten werden.

Die wohl wichtigste Frage, die lange diskutiert wurde, ist, wie unterschiedlich Module behandelt werden, die entweder im Besitz von privaten Endkunden oder von B2B-Betreibern sind. Für private Endkunden oder für die Installationsbetriebe, die dort Solarmodule von Photovoltaik-Anlagen demontieren, wird es möglich sein, diese bei den kommunalen Sammelhöfen abzugeben. Bei mehr als 20 Modulen muss der Installateur mit dem Sammelhof absprechen, wo er die Module hinbringt. Doch der wesentliche Punkt ist: Es ist für die Endkunden bis auf Demontage und Transport zum Sammelhof kostenlos. Das gilt auch für die Module, die vor Inkrafttreten des Gesetzes verbaut wurden. Damit es für den Endkunden kostenfrei ist, auch wenn Hersteller aus dem Markt gehen, müssen diese für diesen Teil der verkauften Modulmengen eine insolvenzsichere Garantie hinterlegen. Das Gesetz sieht statt der Entsorgung über die Sammelhöfe im übrigen auch die Entsorgung über kollektive Rücknahmesysteme vor, die Module an eigenen Sammelstellen zurücknehmen.
Bei gewerblichen Betreibern doch einiges anders
Für Besitzer von Solarmodulen, die als B2B (Business to Business, also so etwas wie gewerbliche Kunden) klassifiziert werden, gilt aber grundsätzlich anderes, auch wenn es einigen Interpretationsspielraum gibt, wer solch ein B2B-Kunde ist. Bei Solarparks ist es relativ leicht, das zu entscheiden. Diese sind definitiv in Hand von „B2B-Besitzern“. Bei kleineren Gewerbebetrieben, die auf ihren Dächern Solaranlagen haben, ist es komplizierter. „Wenn die zu entsorgenden Module nach Art und Menge denen bei privaten Endkunden entsprechen“, erklärt das Ministerium, „fallen die Module auch in den privaten Bereich, sonst in den gewerblichen“.
Fallen die Module in den gewerblichen oder eben B2B-Bereich, gilt folgendes: Besitzer, die vor Inkrafttreten des Gesetzes die Module gekauft haben, müssen die Entsorgung anders als die privaten Endkunden selber zahlen. Es sei denn, der jeweilige Modulhersteller nimmt sie freiwillig kostenfrei zurück. B2B-Besitzer die nach Inkrafttreten des Gesetzes kaufen, bekommen die Entsorgung aber wie die privaten Endkunden umsonst. Sie können allerdings nicht über die Sammelhöfe zurück gegeben werden. Für die Entsporgung sind direkt die Modulhersteller zuständig, die dafür wiederum Dienstleister beauftrage können und vermutlich auch werden. Anders als bei Endkunden wird es für diesen Bereich nach Aussagen des Ministeriums keine insolvenzsichere Garantie verlangt werden. B2B-Besitzer müssen das Risiko der Insolvenz des Modulherstellers selbst tragen. Wenn der Inverkehrbringer ihrer Module nicht mehr auf dem Markt ist, kann es sein, dass er die Entsorgung selbst tragen muss.

Hersteller können wählen
Über diesen Gesetzentwurf wurde lange diskutiert. Dass Photovoltaik-Module aufgenommen werden müssen, hatte die EU bereits 2012 in ihrer WEEE-Novelle beschlossen. Eigentlich hätte das bis Februar 2014 in nationales Recht umgesetzt werden müssen. „Es war immer klar, dass es immer kollektive Rücknahmesysteme geben darf“, erklärt das Ministerium. Unklar war, inwieweit auch die kommunalen Recyclinghöfe zuständig sind. Dem Ministerium war wichtig, dass es einen Wettbewerb von Dienstleistern geben wird, die die Entsorgung im Auftrag der Hersteller und Importeure übernehmen. Es sieht alles danach aus, dass das gelungen ist. Abgesehen davon, dass Dienstleister ihren Job immer gut oder schlecht machen können, werden sich die Dienstleister wenn, dann vermutlich hauptsächlich über den Preis unterscheiden.

Für Hersteller und Importeure wird es also mehrere Möglichkeiten geben, ihre Recyclingaufgaben an Dienstleister abzugeben. Nach dem Gesetzentwurf sind sie verpflichtet, die Module von B2B-Kunden direkt zu entsorgen. Die Module, die über die Recyclinghöfe gesammelt werden, werden wie bei Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten nicht nach Herstellern getrennt entsorgt. Stattdessen müssen die Hersteller bei der Stiftung EAR für diese Modulmengen angeben, wie viel sie in einem Jahr in den Markt bringen. Wenn ein Container voll ist, weist die Stiftung EAR den Herstellern abwechselnd entsprechend ihres Marktanteils diese Container zur Entsorgung zu.

Alle diese Verpflichtungen können sowohl von Dienstleistern mit kollektiven Rücknahmesystemen als auch von solchen mit nicht-kollektiven Rücknahmesystemen erfüllt werden. Wenn kollektive Rücknahmestellen eigene Container aufstellen, werden die damit entsorgten Mengen, die von Endkunden stammen, von der Stiftung EAR bei der Containerverteilung angerechnet. Das gilt auch, wenn Firmen anbieten, individuell die von ihnen in Verkehr gebrachten Module direkt einzusammeln und zu entsorgen. Am Ende entscheiden allerdings die Besitzer, wo sie die Module hinbringen oder von wem sie sie abholen lassen.


Dazu, wie teuer das Recycling sein kann, mögen die im Gesetz erwähnten Garantiepflichten einen Anhalt geben. Bezüglich der Garantiepflichten sind im Gesetzentwurf nämlich Kostenanahmen zu finden. Danach kostet Ensorgung pro Tonne Photovoltaik-Modul 200 Euro. Das sind grob geschätzt 1,2 Cent pro Watt Modulleistung. Foto: PV Cycle

Mehrere Anbieter auf dem Markt
Ein kollektives Rücknahmesystem ist zum Beispiel PV Cycle, das in der Branche gut bekannt ist und daher einen gewissen Startvorteil hat. Das Unternehmen wurde ursprünglich von Firmen aus der Solarindustrie gegründet und hat schon vor längerem ein Rücknahmesystem aufgebaut, mit dem es die Module im Auftrag seiner Mitgliedsfirmen entsorgt, das sind also Hersteller und Importeure. Derzeit hat PV Cycle nach eigenen Angaben 100 Sammelstellen in Deutschland, bietet einen Direktabholservice an und hat bisher in Deutschland nach eigenen Angeben 6.000 Tonnen Photovoltaik-Module entsorgt, "mehr als alle anderen Systeme in Europa zusammen“, so PR-Leiterin Alina Lange."

Derzeit ist nach der Angabe auf der PV Cycle-Webseite die Entsorgung der Module von Mitgliedsfirmen kostenfrei. Das bezieht sich allerdings auf den gegenwärtigen Status, bevor das Gesetz zum Recycling in Kraft tritt. Zur Frage, welche Module nach Inkrafttreten kostenfrei entsorgt werden, macht PV Cycle noch keine klaren Angaben.

Andere Anbieter sind zum Beispiel Landbell und das Unternehmen ERP, an dem Landbell seit 2014 Anteile hält. Landbell kommt in Deutschland aus dem Verpackungsrecycling und sieht, so Jürgen Fuchs, Key Account Manager für Landbell und ERP, seine Mission auch darin, Monolpole aufzubrechen, wie zum Beispiel beim Verpackungsrecycling das des Grünen Punktes. ERP übernimmt Eletrorecycling europaweit und hat laut Fuchs bereits 2.300.000 Tonnen Elektroschrott entsorgt. Jeder Hersteller, der ERP beauftragt, bezahlt direkt nach den für ihn aus den gesetzlichen Verpflichtungen angefallenen Kosten. Das sei ein wichtiger Punkt, da es mehrere Abrechnungsmodelle gebe.

Knackpunkt bei der Abwicklung
Wie die Abwicklung nach dem neuen Gesetz genau aussehen wird, ist noch unklar. Auch die Dienstleiter, die das Recycling anbieten, betonen unisono, dass sie dafür noch nicht genug wissen beziehungsweise den Entwurf noch genauer analysieren müssten. Ein Knackpunkt könnte am Ende sein, wie die Stiftung EAR damit umgeht, dass ein Teil der in Verkehr gebrachten und ein Teil der zum Recycling eingesammelten Modulmengen als B2C-Produkt (Business to Costumer, also für Endkunden bestimmt) und ein anderer Teil als B2B-Produkt. Einige sagen, es sei sehr ungewöhnlich, dass das gleiche Produkt sowohl ein B2B-Produkt als auch ein B2C-Produkt sein könne und es sei unklar, wie man das dann nachweisen kann und muss.

Grundsätzlich gilt für alle zu recycelnden Produkte, dass es im B2C-Bereich, wo die rückgenommenen Mengen über die Sammelhöfe abgewickelt werden und die Stiftung EAR die Container zum Recycling verteilt, sinnvoll sein kann, als kollektives System eigene Container aufzustellen. Solch ein System gibt es zum Beispiel bei den Engergiesparlampen. Dadurch kann man die Mengen, die man entsorgen muss, teilweise selbst sammeln und die Entsorgung besser planen, als wenn die EAR Container zuweist, die dann innerhalb von 72 Stunden abgeholt werden müssen. Dann kann es auch sinnvoll sein, Produkte von Firmen anzunehmen, die nicht Mitglied im kollektiven System sind. Bei B2B-Produkten entfällt dieser Vorteil aber, da die zu recycelnden Mengen sowieso nicht über die EAR verteilt werden. Somit ist nicht klar, ob die Frage „kollektiv oder nicht“ am Ende entscheidend ist. Da dürfte für viele Hersteller oder Importeure den Ausschlag geben, wer insgesamt die günstigste Dienstleistung anbietet, mit der man seine gesetzlichen Pflichten erfüllt.

Das Thema Recycling ist für die Photovoltaik-Branche übrigens noch größer. Jürgen Fuchs weist darauf hin, dass es ja zunehmend nicht nur um Photovoltaik-Module, sondern auch um die anderen Komponenten wie etwa Batterien geht. Diese müssten nach dem Batteriegesetz gesammelt werden. (Michael Fuhs)

25 Gebote erhalten Zuschlag für Photovoltaik-Freiflächenanlagen

29. April 2015 | Ausschreibungen, Politik und Gesellschaft, Topnews
Die Behörde bezeichnet die erste Runde der Pilotausschreibungen als Schritt zu einem "echten Wettbewerb". Insgesamt erhielten 25 Gebote einen Zuschlag. 170 Gebote waren bis zum Ende der Frist Mitte April abgegeben worden, aber nicht alle waren korrekt. Bei der Akteursvielfalt bleiben Fragen offen.

14 Tage nach Ablauf der Einreichungsfrist hat die Bundesnetzagentur nun die Zuschläge für die erste Ausschreibungsrunde bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen verteilt. Es seien 25 Gebote mit einem Umfang von 156,97 Megawatt Photovoltaik-Leistung bezuschlagt worden, teilte die Behörde mit. Die Durchschnittswerte der bezuschlagten Gebote gibt die Bundesnetzagentur mit 6,3 Megawatt und einem Wert von 9,17 Cent je Kilowattstunde an.

Insgesamt 170 Gebote waren für die ausgeschriebene Menge von 150 Megawatt bis zum 15. April abgegeben worden. Insgesamt sei das Ausschreibungsvolumen vierfach überzeichnet gewesen. "Die Vielzahl der eingegangenen Gebote ist ein Zeugnis des intensiven Wettbewerbs um Förderberechtigungen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Auch läge der Zuschlagswert deutlich unter dem Höchstwert für die Ausschreibungsrunde von 11,29 Cent je Kilowattstunde. Zugleich muss man aber auch sehen, dass die bezuschlagten Projekte nun mehr für ihren Solarstrom erhalten, als die derzeitige Vergütung nach dem Marktprämienmodell vorsieht, die bei 9,02 Cent liegt und monatlich weiter sinkt. Die Bieter haben nun noch immerhin 24 Monate Zeit, die Photovoltaik-Kraftwerke zu realisieren.

Doch der Preis ist die eine Seite des Ausschreibungsverfahrens, die andere ist die Wahrung der Akteursvielfalt. „Die eingegangenen Gebote deuten auf eine breite Akteursvielfalt hin. Sieben Gebote wurden von natürlichen Personen abgegeben, die allerdings aufgrund zu hoher Förderhöhen keinen Zuschlag erhalten haben“, heißt es von Seiten der Bundesnetzagentur dazu. Auch viele kleine Projektgesellschaften hätten in der ersten Ausschreibungsrunde Gebote abgegeben. Was allerdings gegen die Wahrung der Akteursvielfalt spricht ist die Feststellung der Bundesnetzagentur: „In einem Fall vereinigt ein Unternehmen über 40 Prozent der insgesamt bezuschlagten Menge auf sich.“

Das weitere Prozedere sieht nun vor, dass die Bieter, die einen Zuschlag für ihr Photovoltaik-Projekt erhalten haben, binnen zehn Tagen eine Zweitsicherheit hinterlegen müssen. Andernfalls erlischt der Zuschlag. Wenn Gebote mit einer Gesamtmenge von mehr als 30 Megawatt keine Zweitsicherheit stellen würden, würde die Bundesnetzagentur noch im Mai ein Nachrückverfahren durchführen. Nach der Hinterlegung der Zweitsicherheit beginnt dann die Frist von 24 Monaten, in denen die Projektierer die Photovoltaik-Kraftwerke realisieren müssen.

37 der 170 Gebote sind der Bundesnetzagentur zufolge ausgeschlossen worden, da sie die Teilnahmevoraussetzungen nicht erfüllten. Vielfach fehlten Unterlagen wie ein beschlossener Bebauungsplan, ein amtlicher Auszug aus dem Liegenschaftskataster oder eine Vollmachtsurkunde oder Zahlungen seien nicht oder verspätet geleistet worden.

Die Ergebnisse sind auch auf der Seite der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Allerdings lässt sich aus diesen Angaben weder die Größe noch der gebotene Preis für die Photovoltaik-Projekte herauslesen. (Sandra Enkhardt)

Read more: http://www.pv-magazine.de/nachrichten/details/#ixzz3Ym9L6TFQ

Reaktionen auf die erste Photovoltaik-Ausschreibungsrunde

29. April 2015 | Ausschreibungen, Politik und Gesellschaft, Topnews
Noch ist unklar, wer der große Gewinner der ersten Ausschreibungsrunde bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen ist. Erste Stimmen dazu gibt es aber dennoch. Tenor: Für eine Bewertung, ob Ausschreibungen ein geeignetes Mittel zur Förderung der Photovoltaik und anderer Erneuerbarer sind, ist es eindeutig noch zu früh.

Am Vormittag hat die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde für Photovoltaik-Freiflächenanlagen bekannt gegeben. 25 von 170 Gebote bekamen einen Zuschlag. Die Reaktion aus der Politik und von Verbänden ließen nicht lange auf sich warten.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht in der großen Zahl an Bietern einen Beleg für die „Investitionsbereitschaft in die Photovoltaik in Deutschland und das inzwischen erreichte sehr niedrige Preisniveau“. „Umso bedauerlicher ist es, dass nur ein Bruchteil der Bieter mit rd. 20 Prozent des gebotenen Installationsvolumens einen Zuschlag erhalten hat. Über 80 Prozent der Teilnehmer zählen offensichtlich zu den Verlierern, obwohl sie ebenfalls zu sehr günstigen Preisen Solarparks errichtet hätten“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. In Sachen Wahrung der Akteursvielfalt hat man beim Verband auch Zweifel, ob diese im Falle von Ausschreibungen gewahrt bleibt. „Da ein Unternehmen nach Angaben der Bundesnetzagentur 40 Prozent des Zuschlagsvolumens auf sich vereint habe zum Beispiel die Frage, wie viele weitere Anbieter sich hinter der verbleibenden Zubaumenge tatsächlich verbergen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum eine relevante Zahl der Bieter aus formalen Gründen von der Auktion ausgeschlossen wurde“, so Körnig weiter. Für eine Bewertung von Ausschreibungen als taugliches Förderinstrument für Photovoltaik-Freiflächenanlagen sei es daher noch zu früh.

Ähnlich bewertet es auch der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). „Der Wert der Bezuschlagung liegt bei durchschnittlich 9,17 ct/kWh und damit deutlich höher als die zum Realisierungszeitpunkt der Projekte durch das EEG vorgesehene Vergütung. Die Projekte müssen erst in 2 Jahren realisiert werden. Bei aktueller Vergütungsdegression wäre der Vergleichswert dann 8,5 ct/kWh. Eine umfassend seriöse Bewertung kann somit heute noch nicht erfolgen", sagt BEE-Geschäftsführer Hermann Falk. Es seien noch viele Fragen offen, so dass die Ergebnisse der weiteren Runden abgewartet werden müssten.

Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist man in Fragen der Bewertung weniger zurückhaltend. „"Es ist positiv, dass die erste Auktionsrunde von vielen potenziellen Bietern gut angenommen wurde und ein intensiver Wettbewerb um die Förderung entsteht. Damit wird deutlich, dass die wettbewerbliche Ermittlung der Förderhöhe für erneuerbare Energien per Ausschreibung grundsätzlich funktioniert“, erklärte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des BDEW. Für eine fundierte Einschätzung müssten die Ergebnisse aber noch genauer ausgewertet und die weiteren Ausschreibungsrunden abgewartet werden, räumt auch Müller ein. „Die von der Bundesnetzagentur veröffentlichte, hohe Überzeichnung der ersten Auktion ist nicht zwingend ein Indikator für eine langfristig ausreichende Wettbewerbsintensität. Die Überzeichnung in der ersten Runde ist sicherlich zu einem großen Teil auf die Beteiligung von bereits vorher entwickelten Projekten zurückzuführen“, so Müller weiter. Diese Einschätzung teilt man auch beim BEE. Zudem müsse nun abgewartet werden, wie viele der bezuschlagten Projekte wirklich realisiert würden, sagte Falk.

Aus Sicht der BDEW sind die Ausschreibungen für Photovoltaik-Kraftwerke „nur der Anfang“. Bis zum Herbst will der Verband Handlungsempfehlungen vorlegen, wie Ausschreibungen für die anderen Bereiche der erneuerbaren Energien aussehen sollten. Ab 2017 könnte die Förderung dann komplett von Einspeisetarifen auf Ausschreibungen umgestellt sein.
Kein Automatismus

Nach Ansicht der Grünen und des BEE darf es keinen Automatismus geben, wonach die Förderung von erneuerbaren Energien ab 2017 nur noch über Ausschreibungen vollzogen wird. Zuvor muss sich zeigen, dass diese das geeignetere und kostengünstigere Instrument ist. „Das Pilotprojekt der Bundesregierung hat gezeigt: Ausschreibungen machen den Ausbau der erneuerbaren Energien weder einfacher noch billiger. Die Kosten für eine Kilowattstunde Solarstrom liegen am Ende sogar über dem Niveau der bisher geltenden EEG-Vergütung. Das lässt nur einen Schluss zu: Die Bundesregierung darf dieses zweifelhafte Instrument bürokratischer Ausschreibungen nicht einfach allen erneuerbaren Energien überstülpen“, erklärte Julia Verlinden, energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Sie fordert, die passende Regelung für die jeweilige Technologie zu finden und auch die Bürgerenergiewende somit nicht abzuwürgen.

25 Gebote mit insgesamt gut 156 Megawatt bekamen von der Bundesnetzagentur einen Zuschlag. Die Investoren müssen nun noch die Zweitsicherheit hinterlegen und haben dann 24 Monate Zeit, um ihre Photovoltaik-Projekte zu realisieren. Die Durchschnittswerte der bezuschlagten Projekte bezifferte die Bundesnetzagentur mit 6,3 Megawatt und 9,17 Cent pro Kilowattstunde. Detaillierte Informationen zu den Projekten fehlen aber. Die Behörde gab nur bekannt, dass 40 Prozent der bezuschlagten Menge sich auf ein Unternehmen vereinigt. Zudem sollen sieben der 170 Gebote von natürlichen Personen gestammt haben, die aber aufgrund der zu hohen Preise keinen Zuschlag erhalten hätten. Auch viele kleinere Projektgesellschaften sollen sich an der ersten Ausschreibungsrunde beteiligt haben. 37 Gebote hatte die Bundesnetzagentur wegen fehlerhafter Unterlagen ausgeschlossen.
1,2 Gigawatt in drei Jahren

Die Bundesregierung nutzt die Ausschreibungen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen, um ein solches Verfahren zu testen. Insgesamt ist geplant bis 2017 insgesamt 1,2 Gigawatt Photovoltaik-Leistung auszuschreiben, verteilt auf jährlich drei Runden. Der Stichtag für die zweite Ausschreibungsrunde ist der 1. August. Die ausgeschriebene Leistung sinkt nach 500 Megawatt in diesem Jahr über 400 Megawatt 2016 auf 300 Megawatt 2017. Der BSW-Solar kritisiert dies als zu wenig. „Das Solarpark-Auktionsvolumen von nur 1,2 Gigawatt in den nächsten drei Jahren reicht bei weitem nicht aus, um die Energiewende-Ziele zu erreichen. Ohne spürbare zusätzliche Kosten wäre ein Vielfaches an zusätzlicher Solarleistung möglich und für einen wirksamen Klimaschutz auch nötig“, sagte Körnig.
Auf eine Anfrage der Grünen-Politikerin Julia Verlinden erklärte das Bundeswirtschaftsministerium, dass 2013 Freiflächenanlagen mit einer Gesamtleistung von 1000 Megawatt realisiert worden seien. Nach ersten Schätzungen seien es 2014 noch etwa 500 Megawatt gewesen, schreibt das Ministerium in seiner Antwort. Für das erste Quartal 2015 kann es keine Aussagen treffen. Immerhin räumt es aber ein, dass es fraglich sei, ob mit der derzeitigen EEG-Förderung über die verpflichtende Direktvermarktung eine Wirtschaftlichkeit für Photovoltaik-Projekte gegeben sei.

In der ersten Ausschreibungsrunde sollen die Gebote zwischen neun und zehn Cent pro Kilowattstunde gelegen haben. Der derzeit geltende anzulegende Wert beträgt 9,02 Cent je Kilowattstunde und wird monatlich momentan um 0,25 Prozent abgesenkt. Diese Form der Förderung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen gilt aber nur noch bis Ende August. Danach ist der Zuschlag bei einer Ausschreibung der einzige Weg, um eine Förderung für den Solarstrom aus Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu erhalten. (Sandra Enkhardt)

Photovoltaik-Handelsstreit: Ärger beim Modulimport vermeiden

29. April 2015 | Politik und Gesellschaft, Topnews
Für chinesische Photovoltaik-Hersteller gelten derzeit in der EU Mindestimportpreise und Mengenbeschränkungen. Wenn es nach dem Willen von EU Prosun geht, werden diese auch noch eine Weile Bestand haben. Rödl & Partner hat nun im Auftrag der Initiative eine Checkliste zusammengestellt, worauf Käufer von Solarmodulen nicht-europäischen Ursprungs achten sollten, um keine Strafe zu risikieren.


In der EU gelten derzeit für chinesische Photovoltaik-Hersteller bei der Einfuhr ihrer Produkte entweder Mindestimportpreise und Einfuhrbegrenzungen oder Importzölle. Mit einer neuen Anti-Circumvention-Klage will EU Prosun nun prüfen lassen, ob die Regelung eingehalten wird. Nach Ansicht der von Solarworld initiierten Gruppe umgeht die chinesische Solarindustrie die Zölle und schätzt dabei das Volumen auf mehrere hundert Millionen Euro. Neben der Anti-Circumvention-Klage hat EU Prosun auch angekündigt, eine entsprechende Verlängerung des sogenannten Undertakings beantragen zu wollen.

Rödl & Partner hat nun im Auftrag von EU Prosun eine Checkliste erstellt, die zeigt, worauf Käufer von nicht-europäischen Solarmodulen in der EU achten sollten. Bereits geringfügige Verstöße gegen die geltenden Regelungen für chinesische Photovoltaik-Produkte könnten für Käufer und Importeure weitreichende Folgen haben. In jedem Fall müssten die Einfuhrzölle von knapp 50 Prozent nachgezahlt werden; in schweren Fällen drohe sogar eine Strafverfolgung. Rödl & Partner weist darauf hin, dass bei Modulen chinesischen Ursprungs, die aus China versandt werden, zunächst relevant sei, ob dieser Hersteller das Undertaking unterzeichnet hat. Dann gelten die Mindestimportpreise, die für Solarmodule derzeit bei 56 Cent pro Watt und für Solarzellen bei 28 Cent pro Watt liegen. „Bei dem Mindesteinfuhrpreis handelt es sich um einen Netto-Verkaufspreis inkl. Transport- und Versicherungskosten bis zur EU-Außengrenze bei sofortiger Bezahlung“, schreibt Isabel Ludwig von Rödl & Partner. Alle weiteren Leistungen müssten auf den Mindestpreis aufgeschlagen werden. „Der tatsächlich für den jeweiligen Kauf geltende Mindestpreis liegt damit meist um einiges über dem definierten Mindestimportpreis. Somit muss beim Kauf von Solarmodulen chinesischer Hersteller, die das Undertaking unterzeichnet haben, nicht nur darauf geachtet werden, dass der Einkaufspreis mindestens dem Mindesteinfuhrpreis entspricht sondern auch, dass er zusätzlich alle etwaigen geldwerten Leistungen und Services mit abdeckt“, so Ludwig weiter. Bei der Einfuhr müsse eine kommerzielle Rechnung und eine sogenannte Ausfuhr-Verpflichtungsbescheinigung vorgelegt werden. Auch sei im Undertaking ein Umgehungsverbot enthalten, dass etwa sogenannte Kompensationsgeschäfte verbiete. Daher sollten Käufer möglichst vermeiden, Module mit unterschiedlichen Herstellungsländern in einem Geschäft zu erwerben. Dies birge die Gefahr, dass es gegen das Undertaking verstoßen und Nachzahlungen leisten zu müssen. Zudem seien auch Koppelgeschäfte nicht gestattet.

Rödl & Partner verweist darauf, dass auch beim Kauf von nicht-europäischen-Modulen mit nicht-chinesischem Ursprung ein erhöhtes Geschäftsrisiko bestehe. „Das Undertaking untersagt auch die Veränderung von Vermarktungsstrategien und des Handelsgefüges der chinesischen Hersteller, sofern diese zu einer Umgehung der Anti-Dumping- Regelungen führen. Bietet ein chinesischer Hersteller also plötzlich Module taiwanesischen oder japanischen Ursprungs an, muss auch hier die potenzielle Möglichkeit einer Zollnachforderung einkalkuliert werden“, schreibt Ludwig. Solarmodule nicht-chinesischen Ursprungs könnten aber grundsätzlich Einkaufspreise unterhalb der Mindesteinfuhrpreise haben. Dennoch sollten Käufer genug prüfen, woher das Modul stammt und einen Nachweis des Ursprungs einfordern, wie Ludwig schreibt. (Sandra Enkhardt)

Mittwoch, 29. April 2015

Suntech stellt HyPro-Modul der nächsten Generation vor

28. April 2015 | von: Wuxi Suntech Wuxi Suntech gab heute die Einführung seiner neuen HyPro Produktlinie bekannt. Der durchschnittliche Zellwirkungsgrad von HyPro kann mit PERC Technologie in der Massenproduktion bis zu 20,5 % erreichen. Suntech hat im März die erste Auslieferung von 236 kWp der HyPro-Module vorgenommen. Die Module werden ab Juli weltweit sowohl für kommerzielle als auch für Eigenheimprojekte verfügbar sein.

"Wir sind stolz, dass wir unser Produktportfolio an hocheffizienten PV-Modulen um HyPro erweitern konnten. Das Vier-Busbar-Modul erhielt unlängst die VDE QT (Quality Tested) Zertifizierung", sagte Xiong Haibo, President von Suntech "Diese PV-Technologie ist ein Teil der neuen Generation von Suntech Produkten, die sowohl kosten- als auch energieeffizient sind. Dieses Modul bietet im Vergleich zu konventionellen Modulen bei schwachen Lichtverhältnissen eine nachhaltig hohe Ausgangsleistung bei 200 W/m(2). Wir sind stolz, dass wir mit der weltweiten Auslieferung dieser verbesserten Produktlinie an unsere Kunden beginnen könn en."

Die Spitzenleistung des HyPro Moduls mit 60 Zellen liegt bei optimalen 290 W, während das HyPro Modul mit 72 Zellen bis zu 345 W erreicht. Da das HyPro als Vier-Busbar-Modul konzipiert wurde, ist die Eigenspannung auf den Busbars reduziert und somit auch die Wahrscheinlichkeit, dass Mikrorisse und Hotspots auftreten. Das führt zu erhöhter Leistungsstabilität bei den Modulen. Das HyPro-Modul ist besonders für Märkte geeignet, die hohe Effizienz und Haltbarkeit unter dynamischen Sonnenlichtbedingungen erfordern, wie z. B. UK und Japan.

Suntech wurde aufgrund seiner Finanzierbarkeit im Februar 2015 in die Global PV Market Outlook Liste von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) als Tier-1 Solarunternehmen aufgenommen.

Suntech nimmt vom 28. - 30. April 2015 an der SNEC International Solar Energy and Green Building Conference and Exhibition in Schanghai teil. Das Unternehmen wird seine HyPro-Module gemeinsam mit fünf weiteren Produkten vorstellen: ein blendfreies Modul, das für Flughäfen und Autobahnen konzipiert wurde; ein PV-Modul mit Kunststoffrahmen aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen, der kostensparend und korrosionsresistent ist; ein transparentes Doppelglasmodul, das für landwirtschaftliche Gewächshäuser entwickelt wurde; ein integriertes AC-Modul, das für den Eigenheimmarkt gedacht ist; und ein Standardmodul, das sowohl für Dachanlagen und Versorgungsprojekte geeignet ist. Alle sechs Produkte sind PID-resistent, bieten hohe Leistungsausbeute bei schwachen Lichtverhältnissen und verfügen über die 10-jährige Produktgarantie von Suntech. Be suchen Sie in der nächsten Woche den Stand von Suntech N2-530 auf der SNEC.

Wuxi Suntech Power Co., Ltd. wurde im Januar 2001 in der VR China gegründet und stellt branchenführende Solarprodukte für Eigenheime sowie gewerbliche, industrielle und Energieversorgungsanwendungen her. Suntech hat bereits über 30 Millionen Photovoltaikmodule oder 9 GW an installierter Leistung an über eintausend Kunden in mehr als 80 Ländern geliefert. Die führende F&E-Aktivität von Suntech schafft kundenorientierte Innovationen, welche die Netzparität von Solarstrom gegenüber fossilen Brennstoffen verbessern. Die Mission von Suntech ist es, zuverlässigen Zugang zur saubersten und unerschöpflichsten Energiequelle der Natur zu bieten.

Alte Eon wird zu Uniper

28. April 2015 | Märkte und Trends, Topnews
Die Aufspaltung des Energiekonzerns nimmt Formen an. Eon hat nun weitere wichtige Struktur- und Personalentscheidungen getroffen sowie einen Namen für die Gesellschaft gefunden, die die "Altlasten" übernehmen soll.

Ende vergangenen Jahres hatte Eon mit der Ankündigung der Aufspaltung in eine auf neue und eine auf alte Energien fokussierte Gesellschaft für Schlagzeilen gesorgt. Nun gibt es weitere Entscheidungen zur Ausgestaltung. So soll der bisherige Vorstandschef von Eon dies auch bleiben. Das bedeutet, er wird der Gesellschaft vorstehen, die sich künftig um die erneuerbaren Energien, Energienetze und Kundenlösungen kümmern wird. Klaus Schäfer soll Vorstandsvorsitzender der dann neuen Gesellschaft für die fossilen Geschäfte werden, die künftig unter dem Namen Uniper firmieren soll. Auch sollen die beiden Gesellschaften unterschiedliche Hauptsitze bekommen: Eon zieht nach Essen, Uniper bleibt in Düsseldorf. Beide Gesellschaft werden zudem jeweils mit vier Vorstandsressorts versehen, wie es bei Eon weiter hieß.

Teyssen zur Seite stehen bei der neuen Eon Leonhard Birnbaum, Michael Sen und Bernhard Reutersberg. Letzterer soll in seiner Funktion als Chief Markets Officer die Entwicklung innovativer Kundenlösungen vorantreiben und die Geschäfte mit erneuerbaren Energie steuern. Uniper soll offiziell zum 1. Januar 2016 starten. Der Name ist Eon zufolge eine Abkürzung aus „Unique Performance“ und geht auf einen Mitarbeitervorschlag zurück. Ursprünglich hat es rund 3000 Ideen für einen Namen für die neue Gesellschaft gegeben. Aus Sicht des Beobachters hätte sicher am besten E.off - in Anlehnung an die Schreibweise des Konzerns E.on – gepasst. Dem Vorstand von Uniper werden neben Schäfer auch noch Christopher Delbrück und Eckhardt Rümmler angehören. Ein Chief Commercial Officer werde in den kommenden Monaten noch ernannt.

Im zweiten Halbjahr sollen nun die rechtlichen Voraussetzungen für die Neuaufstellung geschaffen, wie Eon weiter mitteilte. Dann würden aus allen Unternehmenteilen die Uniper zugeordneten Geschäftsaktivitäten auf die neue Gesellschaft übertragen. Auf der Hauptversammlung von 8. Juni müssen zudem die Aktionäre von Eon der Aufspaltung noch zustimmen. (Sandra Enkhardt)

Vattenfall hält am Verkauf des deutschen Braunkohlegeschäfts fest

28. April 2015 | Märkte und Trends, Topnews
Nach einer Reuters-Meldung könnte sich die Transaktion aber verzögern. Auch eine Fake-Aktion und eine Studie von Greenpeace, die sich für eine Umwandlung der Braunkohle- in Erneuerbare-Arbeitsplätze aussprechen, konnten Vattenfall von seinen Verkaufsplänen bislang nicht abbringen.

Vattenfall bemüht sich dennoch nach eigenem Bekunden weiter, seine „Geschäftstätigkeit auf ein nachhaltigeres Energieportfolio“ umzustellen. Als Beispiel führt das schwedische Unternehmen seine Investitionen in die Windkraft an, die im ersten Quartal „der mit Abstand größte Investitionsposten“ war. Zudem bekräftigte Vattenfall-Vorstandschef Magnus Hall, dass der schwedische Energiekonzern an dem Verkauf des Braunkohlegeschäfts in Deutschland festhalte. „Gleichzeitig geht das Verfahren zur Veräußerung des deutschen Braunkohlebereichs weiter“, sagte er. Nach Insiderinformationen, die die Nachrichtenagentur Reuters erhalten hat, könnte sich die Transaktion verzögern. Hintergrund seien die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der für die alten Kohlekraftwerke eine Klimaschutzabgabe einführen will. Vattenfall sucht nach eigenem Bekunden einen Käufer für seinen Tagebau in Ostdeutschland und die Kohlekraftwerke.

Am Freitag hatte die Künstlergruppe Peng mit einer gefälschten Pressekonferenz für Aussehen gesorgt. Die Aktivisten verkündeten als Vertreter der "Responibility Initiative", dass Vattenfall einen Strategiewechsel plane. "Wir werden Verantwortung für Vattenfall übernehmen. Wir werden ganz klar machen, dass es so nicht weitergehen kann", erklärte der falsche Pressesprecher Sven Ansvar. Demnach wolle sich Vattenfall von den Braunkohlekraftwerken und dem Tagebau in der Lausitz trennen und dennoch alle Arbeitsplätze in der Region erhalten. Dies sollte durch Investitionen in den Strukturwandel in der Region und der Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien erreicht werden. Vattenfall wollte sich inhaltlich zu der Fake-Aktion nicht äußern, kündigte aber an, rechtliche Schritte gegen die Akteure zu prüfen.

Eine seriöse Studie präsentierte am Montag dann aber noch die Umweltorganisation Greenpeace. Sie zeigt auf, wie Vattenfall eine schrittweise Umstellung von Braunkohle auf Erneuerbare ohne Arbeitsplatzverluste bis 2030 in der Lausitz gelingen könnte. „Vattenfall kann in der Lausitz den schrittweisen Braunkohleausstieg bis 2030 vormachen und den Mitarbeitern gleichzeitig zukunftsfähige Jobs in den erneuerbaren Energien anbieten. Dieser Weg ist nicht einfach, aber er ist unausweichlich, und er wird umso schwieriger, je länger Energiekonzerne und Gewerkschaften warten“, sagt Greenpeace-Energieexpertin Susanne Neubronner. Die vorhandenen Potenziale für die erneuerbaren Energien in den betroffenen Regionen in Brandenburg und Sachsen seien groß genug, um die wegfallenden Arbeitsplätze aus der Braunkohle aufzufangen, bestätigte auch Studienautorin Julika Weiß vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Ein Verkauf des Braunkohlegeschäfts in Deutschland würde dagegen das Problem nur an einen neuen Eigner weiterreichen, heißt es bei Greenpeace. Dieser würde die Planungen für weitere Tagebaue sehr wahrscheinlich fortführen und so noch über Jahrzehnte Braunkohle abbauen und verstromen würde – mit den bekannten katastrophalen Klima- und Umweltschäden.

Wie seine deutschen Konkurrenten Eon und RWE kämpft auch der schwedische Energiekonzern Vattenfall mit dem Wandel auf dem Strommarkt. „Während des ersten Quartals des Jahres war die Nachfrage nach Strom weiterhin schwach und die Stromgroßhandelspreise fielen weiter“, erklärte Magnus Hall bei der Präsentation der Zahlen weiter. Im Gegensatz zum Vorjahresquartal seien Umsatz, Ergebnisse und Stromerzeugung rückläufig. Dennoch erreichte Vattenfall immerhin einen Umsatz von umgerechnet mehr als 4,8 Milliarden Euro und ein bereinigtes Betriebsergebnis von knapp 825 Millionen Euro in den ersten drei Monaten des Quartals.

Trotzdem kündigte das Unternehmen, das etwa die Hälfte seiner 30.000 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt einen massiven Stellenabbau an. Insgesamt sollen rund 1000 Vollzeitstellen gestrichen werden, um die Kosten zu senken, wie Hall weiter sagte. Rund die Hälfte davon betreffe Stabsfunktionen. Die neue Struktur von Vattenfall, das seit 1. April in sechs grenzüberschreitende Geschäftsbereiche aufgeteilt sei, schaffe durch die erwarteten Synergien die Voraussetzung dafür. (Sandra Enkhardt)

Trina Solar will kleinere PV-Projekte mit 300 Megawatt realisieren

28. April 2015 | Märkte und Trends, Topnews
Der chinesische Photovoltaik-Hersteller hat eine entsprechende Vereinbarung mit der Hefei Xinzhan General Pilot Zone geschlossen. Der Bau der ersten Photovoltaik-Dachanlagen soll noch im zweiten Quartal beginnen.

Trina Solar Ltd. hat mit der Verwaltung der Hefei Xinzhan General Pilot Zone eine Vereinbarung für eine strategische Kooperation unterzeichnet. Es gehe um die Realisierung von sogenannten distributed Photovoltaik-Anlagen, also kleinere Projekte, in Hefei in der Provinz Anhui mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt, teilte der chinesische Photovoltaik-Hersteller mit. In der ersten Phase würden kommerzielle Photovoltaik-Dachanlagen mit einer Gesamtleistung von 30 Megawatt installiert. Baustart für die Projekte solle noch im zweiten Quartal sein. Nach der Fertigstellung wäre es die bislang größte kommerzielle Dachanlage in China, wie es bei Trina Solar hieß.

Die Stadt Hefei sei ein Vorreiter bei der Entwicklung von distributed Photovoltaik-Anlagen. Dort sei bereits ein Großteil der kleineren, bisher in China installierten Photovoltaik-Anlagen gebaut worden. Die Xinzhan General Pilot Zone sei überwiegend für die Entwicklung der Photovoltaik-Industrie in Hefei geschaffen worden. Der Ausbau von kleineren Photovoltaik-Projekten entspricht auch den Vorgaben der Regierung. Diese will mehr dieser Anlagen realisieren lassen. Bislang fußt der enorme Photovoltaik-Zubau in China vor allem auf Großprojekten. So sind allein im ersten Quartal 2015 mehr als fünf Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert worden, davon entfielen 4,38 Gigawatt auf Photovoltaik-Kraftwerke. Im vergangenen Jahr hatte China vorwiegend wegen der stockenden Entwicklung im distributed Anlagensegment das selbstgesteckte Ausbauziel von 14 Gigawatt nicht erreicht. (Sandra Enkhardt)

Solar-Fabrik verschiebt erneut Vorlage des Jahresabschlusses

28. April 2015 | Märkte und Trends, Topnews
Wegen des laufenden Insolvenzverfahrens kann der Freiburger Photovoltaik-Hersteller seinen Jahresabschluss für 2014 noch nicht vorlegen. Erst zu Monatsbeginn warnte Solar-Fabrik vor Brandgefahr bei Solarmodulen wegen fehlerhafter Anschlussdosen.

Die Solar-Fabrik AG hat nochmals die Veröffentlichung seines Konzernabschlusses für 2014 verschoben. Der Photovoltaik-Hersteller könne seinen Finanzbericht nicht bis Ende April vorlegen, da das vorläufige Insolvenzverfahren Auswirkungen haben, die im Jahresabschluss noch berücksichtigt werden müssten. Bereits Anfang März hatte das Unternehmen die Veröffentlichung verschoben. Auch damals war das Anfang Februar beantragte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung die Begründung.

Im April musste Solar-Fabrik zudem eine Produktwarnung veröffentlichen. Bei intensiven Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass es bei einigen Solarmodulen zu einem Versagen der Anschlussdosen kommen kann. Dies könne unter Umständen zu einem besonderen Erhitzen führen, bei dem auch eine Brandgefahr für umliegende Teile nicht ausgeschlossen werden könne. Eine mögliche Fehlerquelle soll bei den Anschlussdosen der Baujahre 2011 und 2012 aufgetreten sein. Genaue Hinweise, welche Module davon betroffen sind und wie die Kunden es herausfinden können, gibt die Solar-Fabrik auf ihrer Website. Eine Prognose, welche Ansprüche sich aus den möglichen Schäden für den Photovoltaik-Hersteller ergeben könnte, konnte die Solar-Fabrik zunächst nicht abgeben. (Sandra Enkhardt)

Photovoltaik-Handelsstreit: EU Prosun reicht Anti-Circumvention-Klage bei EU ein

28. April 2015 | Politik und Gesellschaft, Hintergrund, Topnews
Die von Solarworld initiierte Initiative hat nun eine neue Beschwerde gegen die chinesischen Photovoltaik-Hersteller bei der EU-Kommission eingereicht. Bis September soll auch noch ein Antrag auf eine Auslaufprüfung folgen. Wenn Brüssel dieses Verfahren eröffnet, könnte sich das eigentlich zum 7. Dezember 2015 auslaufende Undertaking mit Mindestimportpreisen und Einfuhrbeschränkungen automatisch verlängern.

EU Prosun hat bei den EU-Behörden in Brüssel eine Anti-Circumvention-Klage eingereicht. Die Initiative will damit neue Ermittlungen in Gang bringen, da die chinesischen Photovoltaik-Hersteller das derzeit geltende Undertaking verstießen, bestätigte EU Prosun-Präsident Milan Nitzschke pv magazine. Sie umgingen die Vereinbarung, indem sie Photovoltaik-Produkte versuchten über Drittländer einzuführen.

Rund 30 Prozent der chinesischen Photovoltaik-Importe gelangten auf diese Weise in die EU, sagte er zudem der Nachrichtenagentur Reuters. So war im März bekannt geworden, dass die holländischen Zollbehörden einem Verdacht nachgingen, wonach ein Importeur in Friesland Solarmodule aus China über die Umwege über Malaysia und Taiwan nach Europa eingeführt haben soll. Die Solarmodule sollen in den Drittstaaten neu gelabelt und ausgezeichnet worden sein. Würde sich dies im Laufe der Ermittlungen bestätigen, müssten die Einfuhrzölle von 65 Prozent nachgezahlt werden. Den Schaden bezifferten die Zollbehörden mit rund 1,2 Millionen Euro. Auch in Deutschland soll es bereits Ermittlungen des Zolls geben. Mit seiner Anti-Circumvention-Klage will EU Prosun diese Umgehung nun durch die EU-Kommission in Brüssel unterbinden lassen.

Mit der Anerkennung des Undertakings haben sich so gut wie alle großen Produzenten verpflichtet, Mindestimportpreise und begrenzte Volumen bei der Einfuhr ihrer Photovoltaik-Produkte in die EU zu akzeptieren. Diese Vereinbarung gilt zunächst bis zum 7. Dezember 2015. Neben der Anti-Circumvention-Klage plant EU Prosun auch noch die Beantragung einer sogenannten Auslaufprüfung. Diese werde EU Prosun spätestens im September einreichen, sagte Nitzschke. Wenn die EU-Kommission dieses Verfahren eröffnet, würde die derzeitige Regelung zumindest für die Zeit der Überprüfung weiterlaufen, sagte er pv magazine. Dies werde voraussichtlich mindestens ein Jahr dauern. Allerdings will EU Prosun noch weitere Änderungen am bestehenden Undertaking erreichen. So wird die EU-Kommission aufgefordert, den Mechanismus für die Anpassung des Mindestpreises zu modifizieren, damit dieser wieder sinke.

Erst am Montag hatte der Europäische Photovoltaik-Industrieverband (EPIA) erstmals klar im Photovoltaik-Handelsstreit Stellung bezogen. Er sprach sich für ein Ende der Mindestpreisregelung nach dem Auslaufen des Undertakings im Dezember aus. „EPIA ist ein starker Befürworter des freien und fairen Handels und wir wollen gern so schnell wie möglich in den Handelbeziehungen zwischen Europa und China im Bereich der Solarmodule und Zellen zu einem normal unverzerrten, fairen Handel zurückkehren, sobald die Auflagen und entsprechenden Preisverpflichtungen im Jahr 2015 auslaufen", erklärte EPIA-Präsident Oliver Schäfer auf einer Pressekonferenz auf der SNEC Messe in Shanghai. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) ist zwar Mitglied von EPIA, sei aber nicht in die Meinungsbildung eingebunden gewesen. Der deutsche Verband habe sich bislang zu einer möglichen Verlängerung der Handelsvereinbarung mit China nicht positioniert, hieß es auf Nachfrage von pv magazine. In der Vergangenheit habe man sich im Photovoltaik-Handelsstreit unter anderem wegen „eines mangelnden Mitgliederkonsenses“ neutral verhalten. (Sandra Enkhardt)