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Dienstag, 30. Juni 2015

Antidumping/Antisubvention - Widerruf von durch die EU-Kommission angenommenen Verpflichtungen

05.06.2015

Antidumping/Antisubvention - Fotovoltaikmodule aus kristallinem Silicium und Schlüsselkomponenten davon (Zellen und Wafer) mit Ursprung in der VR China

Widerruf von durch die EU-Kommission angenommenen Verpflichtungen

Durchführungsverordnung (EU) 2015/866 der Kommission vom 4. Juni 2015 zum Widerruf der mit dem Durchführungsbeschluss 2013/707/EU bestätigten Annahme eines Verpflichtungsangebots im Zusammenhang mit dem Antidumping- und dem Antisubventionsverfahren betreffend die Einfuhren von Fotovoltaik-Modulen aus kristallinem Silicium und Schlüsselkomponenten davon (Zellen) mit Ursprung in oder versandt aus der Volksrepublik China für die Geltungsdauer der endgültigen Maßnahmen im Hinblick auf drei ausführende Hersteller; ABl. L 139 vom 5.6.2015, S. 30.

Anmerkung:
Die EU-Kommission widerruft mit Wirkung vom 6.6.2015 die mit Durchführungsbeschluss 2013/707/EU (ABl. L 325 vom 5.12.2013, S. 214) bestätigte Annahme der Verpflichtung in Bezug auf
  1. CSI Solar Power (China) Inc., Canadian Solar Manufacturing (Changshu) Inc., Canadian Solar Manufacturing (Luoyang) Inc. und CSI Cells Co. Ltd, für die der gemeinsame TARIC-Zusatzcode B805 gilt,
  2. ET Solar Industry Limited und ET Energy Co. Ltd, für die der gemeinsame TARIC-Zusatzcode B819 gilt, und
  3. Renesola Zhejiang Ltd und Renesola Jiangsu Ltd, für die der gemeinsame TARIC-Zusatzcode B921 gilt.
Der Widerruf wird mit Verletzungen der Verpflichtung durch die drei ausführenden Hersteller begründet.
Folge des Widerrufs ist, dass für betroffene Waren dieser drei ausführenden Hersteller automatisch ab dem Tag des Inkrafttretens dieser Verordnung (6.6.2015) bei der Einfuhr in die EU der mit Artikel 1 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1238/2013 (ABl. L 325 vom 5.12.2013, S. 1) eingeführte endgültige Antidumpingzoll und der mit Artikel 1 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1239/2013(ABl. L 325 vom 5.12.2013, S. 66) eingeführte endgültige Ausgleichszoll anzuwenden ist.
Zu Informationszwecken sind in der Tabelle im Anhang dieser Verordnung die ausführenden Hersteller aufgeführt, für die die mit dem Durchführungsbeschluss 2014/657/EU (ABl. L 325 vom 5.12.2013, S. 214) erfolgte Annahme der Verpflichtung unberührt bleibt.

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Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
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Herausforderung Energiewende: "Die Stunde der Überschriften ist vorbei"

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beim BDEW-Kongress 2015: Gute Grundlage für die Weiterentwicklung des Strommarkts gelegt.

Video: Rede des Bundesministers Sigmar Gabriel auf dem BDEW-Kongress 2015
Mehr Strom aus erneuerbaren Energien, weniger klimaschädliche CO2-Emissionen, mehr Energieeffizienz und der schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022: Um diese langfristigen Ziele zu erreichen, muss die Energiewende in Deutschland systematisch vorangetrieben werden. Zentrale Fragen dabei sind die Gestaltung des Strommarkts der Zukunft, die Umstellung des Kraftwerksparks oder die Modernisierung und der Ausbau der Netze. "Wir sind in einer ganzen Reihe zentraler Handlungsfelder weitergekommen", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beim Kongress des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am vergangenen Mittwoch. Die größte energiepolitische Herausforderung des Jahres stehe aber noch bevor: die Entscheidung über die künftige Ausgestaltung des Strommarkts. Dazu wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Kürze das "Weißbuch Strommarkt" mit konkreten Lösungen vorlegen.

Mit der Zehn-Punkte-Energie-Agenda hatte das BMWi im Sommer 2014 einen Fahrplan für die zentralen energiepolitischen Entscheidungen vorgelegt – und erstmals dafür gesorgt, dass die einzelnen Zahnräder der Energiewende systematisch ineinandergreifen. Zu diesem Fahrplan gehören auch einige der Entscheidungen, die vor der politischen Sommerpause in den nächsten Tagen und Wochen fallen sollen: Die Weiterentwicklung des Strommarktdesigns sei dabei die wichtigste, machte Gabriel deutlich – und damit verbunden die Frage nach der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung, dem Netzausbau und dem Beitrag des Stromsektors zu den Klimazielen. "Wir räumen gerade den Schutt auf, der davor vier bis fünf Jahre liegengelassen worden ist", sagte Gabriel beim BDEW-Kongress. "Die Stunde der Überschriften ist vorbei." Jetzt gehe es darum, Schritt für Schritt zu zeigen, wie die Energieversorgung langfristig sicher bleibt – und die Energiewende zugleich berechenbarer wird.

Wie sieht der Strommarkt von morgen aus?

Im vergangenen Jahr ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf 28,7 Prozent gestiegen, in zehn Jahren soll er bei 40 bis 45 Prozent liegen. Doch während Strom aus Wind und Sonne naturgemäß schwanken, brauchen die Haushalte und die Industrie jederzeit eine verlässliche Stromversorgung. Ein weiterentwickelter "Strommarkt 2.0" sei auch in Zukunft in der Lage, die hohe Versorgungssicherheit kostengünstig zu gewährleisten, sagte Gabriel und sprach sich damit gegen das Modell eines "Kapazitätsmarkts" aus: Die Einführung eines Kapazitätsmarktes hieße, neben dem bestehenden Strommarkt einen neuen Markt zu schaffen. Auf diesem würde ausschließlich das Bereithalten von Leistung vergütet. Die zusätzlichen Kosten würden die Stromversorger auf die Verbraucher umlegen. "Ein Kapazitätsmarkt birgt vor allem das Risiko ausufernder Kosten, staatlicher Fehlsteuerungen und der Störung des Strommarkts. Wir wollen nicht dauerhaft in die Preisbildung am Markt eingreifen. Darauf müssen sich Investoren auch in Zukunft verlassen können", so Gabriel. Er sprach sich für ein marktwirtschaftliches Modell aus: "Ich bin dafür, dass Märkte endlich wieder Knappheitssignale senden und nicht Knappheitssignale durch die Politik ausgehebelt werden. Zudem gibt es deutliche Überkapazitäten am Strommarkt." Hier verwies der Bundesminister auf zwei aktuelle Berichte, die den Stromaustausch zwischen den europäischen Nachbarn mit einbeziehen – und so zeigen, dass Deutschland und seinen Nachbarländern keine Engpässe bei der Stromversorgung drohen. Der Stromaustausch im europäischen Binnenmarkt leistet hier einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Deutschland.

Erneuerbar oder fossil? Wir werden beides benötigen

Der steigende Anteil von Wind und Sonne an der Stromversorgung bedeutet nicht, dass Deutschland keiner anderen Energiequellen mehr bedarf. Im Gegenteil: Auch in Zukunft werden hocheffiziente, flexible fossile Kraftwerke für die zuverlässige Versorgung gebraucht. Die Energiewende dürfe nicht alternativ debattiert werden, unterstrich Gabriel. Es gehe nicht um ein Entweder-oder zwischen erneuerbaren Energien und fossilen Kraftwerken: "Wir werden auf lange, lange Strecken beides benötigen."

Im Dezember 2014 hat die Bundesregierung bekräftigt, dass Deutschland zu seinen ambitionierten Klimaschutzzielen steht: Die Treibhausgasemissionen sollen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent (gegenüber 1990) sinken. Dafür muss der Strommarkt einen zusätzlichen Beitrag leisten. Derzeit liegen zwei politische Alternativen auf dem Tisch: der sogenannte Klimabeitrag, für den Betreiber von mehr als 20 Jahre alten Kraftwerken zusätzliche Emissionszertifikate erwerben sollen, wenn ein Kraftwerksblock über einen Freibetrag hinaus CO2 ausstößt, und die Überführung von besonders emissionsintensiven Kraftwerken in eine Reserve, verbunden mit einer verstärkten KWK-Förderung und einem Maßnahmenpaket für die Energieeffizienz. "Die Alternative besteht im Grunde darin, dass wir sagen, statt eines Klimabeitrags bringen wir schrittweise Kohlekraftwerke zur Stilllegung", so Gabriel. Auf dieser Grundlage müsse nun eine Entscheidung getroffen werden.

Klimaschutzbeitrag des Stromsektors: zwei Alternativen

"Der Klimabeitrag hat aus unserer Sicht den Vorteil, dass er effizient und kostengünstig ist. Er hat den Nachteil, dass die Unternehmen mit nachvollziehbaren Argumenten darauf hinweisen, dass das Ganze zu Arbeitslosigkeit und zu Strukturbrüchen führen kann, die wir nicht wollen", sagte er. Der Alternativvorschlag hingegen koste nicht nur Geld aus dem Bundeshaushalt, sondern ließe auch die KWK-Umlage (Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung, also die gleichzeitige Gewinnung von Strom und Wärme) steigen. Dies dürfe nicht den Verbrauchern und dem Mittelstand aufgebürdet werden. Die künftige Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung solle sich darauf konzentrieren, bestehende Gas-KWK zu sichern. "Diese Anlagen sollen befristet bis Ende 2019 eine Förderung erhalten, um eine Stilllegung zu vermeiden. Wir gehen also in die Bestandsförderung. Auch die Förderung von Neuanlagen wollen wir maßvoll anheben, um die Perspektiven für die Kraft-Wärme-Kopplung zu sichern," sagte Gabriel und verwies zugleich auf die ehrgeizigen Klimaschutzziele für die kommenden Jahre, die die damalige Bundesregierung 2010 beschlossen hat: Während bis 2020 noch 22 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich in der Stromerzeugung eingespart werden müssen, sollen es bis 2030 weitere 200 Millionen Tonnen – also rund das Zehnfache – und bis 2040 rund 400 Millionen Tonnen sein. Der Stromsektor soll dazu den Löwenanteil beisteuern.

"Die Energiewende wird auf Dauer nur stattfinden und laufen, wenn wir alle mitnehmen", so der Bundesminister. Die Bevölkerung dürfe nicht den Eindruck haben, ihre Argumente und Sorgen um Arbeit und Beschäftigung müssten hinter großen Zielen zurückstehen – sonst drohe das Verständnis für die Energiewende verloren zu gehen.

Umbau der Stromnetze: mehr Möglichkeiten zu Erdverkabelung

Mit der Energiewende ist die Stromversorgung hierzulande zunehmend dezentral geworden: Haben vor 20 Jahren noch ein paar hundert mittlere und große Kraftwerke den nötigen Strom erzeugt, sind es mittlerweile fast zwei Millionen Anlagen wie Photovoltaikmodule und Windräder, die ihre schwankende elektrische Leistung ins Netz einspeisen – vor allem in die Verteilernetze, an die die Verbraucher direkt angeschlossen sind. Das BMWi hat mit einem Eckpunktepapier vom März daher einen Vorschlag gemacht, wie die Rahmenbedingungen ausgestaltet werden müssen, um die nötigen Investitionen der Verteilernetzbetreiber zu erleichtern. Hinsichtlich der Übertragungsnetze, die den Strom über weite Strecken transportieren, arbeite man intensiv an einer breiteren Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger, so Gabriel. Mit mehr Möglichkeiten zur unterirdischen Erdverkabelung auf einzelnen Streckenabschnitten könnten nicht nur Kosten gespart, sondern Vorhaben auch beschleunigt werden. Beim Bau der geplanten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Strecken (HGÜ), den neuen sogenannten Stromautobahnen, lediglich auf überirdische Freileitungen zu setzen, bedeute hingegen zusätzliche Kosten – "und zwar vor Verwaltungsgerichten und durch die Verzögerung des Netzausbaus."
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Hohe Qualität – minimales Brandrisiko

Die Brandrisiken bei Photovoltaikanlagen sind gering, und mit einfachen Mitteln lassen sie sich noch weiter reduzieren: Zu diesem Schluss kommt ein vom BMWi gefördertes Forschungsprojekt. Entstanden ist ein Leitfaden mit Tipps für die brandschutzgerechte Planung, Installation und den Betrieb von Photovoltaikanlagen.

Monteur bringt Fotovoltaikanlage auf einem Dach an.© BMWi/ Maria ParusselPhotovoltaikmodule auf Hausdächern gehören zum Straßenbild dazu. Ihr Nutzen ist bekannt: Sie erzeugen klimafreundlichen Strom. Aber bergen die Anlagen auch ein Risiko für Hausbesitzer, konkret ein Brandrisiko? Entsprechende Schlagzeilen in der Presse sorgten für Verunsicherung unter Bürgerinnen und Bürgern. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Forschungsprojekt ging deshalb zwei Fragen nach:
  • Können Photovoltaikanlagen einen Brand verursachen?
  • Und sind Feuerwehren durch Solaranlagen einem erhöhten Risiko ausgesetzt?
Für ihre Untersuchungen holten sich der TÜV Rheinland und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) die Unterstützung von verschiedenen Experten, Fachverbänden, Industriepartnern, von Feuerwehren, Installationsfirmen, Versicherungen und Anlagenbetreibern.

Hochwertige Materialien, fachgerechte Installation, regelmäßige Kontrollen

Zunächst untersucht die Studie alle bekannten Brandfälle, an denen Photovoltaikanlagen beteiligt waren, und stellt fest: Die häufigsten Brandursachen in der Vergangenheit waren Installationsfehler, gefolgt von Produkt- und Planungsmängeln. Der "Faktor Mensch" war also die hauptsächliche Fehlerquelle. Ist etwa ein Kontakt, durch den ein elektrischer Strom fließt, beschädigt oder mangelhaft angebracht, kann es zu Lichtbögen kommen – diese sind als gleißendes Licht mit knisternden Geräuschen wahrnehmbar und können sehr hohe Temperaturen erreichen. Hochwertige Materialien, eine fachgerechte Installation und die regelmäßige Kontrolle einer Anlage können einem solchen Ernstfall jedoch vorbeugen.
Ein Leitfaden, der im Rahmen des Forschungsprojekts entwickelt wurde, gibt Installateuren und Betreibern Empfehlungen, wie sie die Risiken auch für ältere Anlagen minimal halten können. Er enthält Angaben für die brandschutzgerechte Planung, Installation und den Betrieb von Photovoltaikanlagen.

Hinweisschild für die Feuerwehr erhöht Sicherheit

Auch die Sicherheit der Feuerwehren wurde untersucht – mit dem Ergebnis, dass ein einfacher, gut sichtbarer Hinweis auf die Photovoltaikanlage die wichtigste Sicherheitsmaßnahme ist. Die Einsatzkräfte sind dann gewarnt und können die erforderlichen Mindestabstände einhalten. Versuchsreihen haben bestätigt, dass sie bei einem Abstand von fünf Metern bei vollem Wasserstrahl sowie bei einem Abstand von einem Meter bei gesprühtem Wasser keiner gesonderten Gefahr ausgesetzt sind.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat das Projekt "Bewertung des Brandrisikos in Photovoltaik-Anlagen und Erstellung von Sicherheitskonzepten zur Risikominimierung" mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert. Da PV-Anlagen in Zukunft zunehmend mit Stromspeichern kombiniert werden, fördert das BMWi aktuell ein sich thematisch anschließendes Projekt mit rund 3,8 Millionen Euro. Koordiniert durch den TÜV Rheinland werden dort die besonderen Risiken untersucht, die im Schadensfall durch elektrische Speicher entstehen ("SPEISI - Sicherheit und Zuverlässigkeit von PV-Anlagen mit Speichersystemen unter besonderer Berücksichtigung von Brandrisiken und Löschstrategien").

SRU fordert Fahrplan für Kohleausstieg bis 2040

29. Juni 2015 | von: Sachverständigenrat für Umweltfragen Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) fordert die Bundesregierung in seinen heute veröffentlichten „10 Thesen zur Zukunft der Kohle bis 2040“ auf, einen Kohlekonsens auf den Weg zu bringen. „Wir müssen jetzt einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2040 entwickeln“, so Prof. Dr. Martin Faulstich, Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung. Das würde auch zeigen, dass die Bundesregierung die Beschlüsse des G7-Gipfels und die neue Enzyklika des Papstes ernst nimmt.

In der zweiten Jahreshälfte werden auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene wichtige energie- und klimapolitische Entscheidungen gefällt. Die internationale Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 kann nur erfolgreich werden, wenn Länder wie Deutschland den Umbau der Energieversorgung glaubwürdig vorleben. Deutschland hat sich mit der Energiewende die richtigen Ziele für 2020 bis 2050 gesetzt. Es fehlt aber eine daraus abgeleitete Perspektive für den Verzicht auf die Kohleverstromung.

Der Projektionsbericht 2015 und das Klimaschutzprogramm 2020 identifizieren eine „Klimaschutzlücke“ von ca. 90 Mio. t Kohlendioxid, um das 40 %-Ziel zu erreichen. Die Stromerzeugung soll 22 Mio. t dieser Lücke schließen. Im März hat das Bundeswirtschaftsministerium ein Instrument vorgeschlagen, wie dies kostengünstig gelingen kann. Der Klimaschutzbeitrag zielt auf besonders alte Kraftwerke mit niedrigem Wirkungsgrad und besonders hohen Emissionen. Gleichwohl ist er umstritten.

Der SRU begrüßt den Klimaschutzbeitrag als wegweisende und sinnvolle Maßnahme. Die gegen ihn vorgebrachten Einwände sind überzogen. „Soziale und wirtschaftliche Verwerfungen haben vielmehr diejenigen zu verantworten, die den unvermeidbaren Strukturwandel hinauszögern und damit Strukturbrüche riskieren“, betont Prof. Dr. Karin Holm-Müller.

Der Klimaschutzbeitrag ersetzt jedoch nicht die Debatte um die mittelfristige und langfristige Rolle der Kohleverstromung. Im Interesse eines sozialverträglichen und allmählichen Strukturwandels muss die Debatte um einen Fahrplan für den Abbau der Kohleverstromung schnellstmöglich beginnen. Dieser sollte aber zugleich eine längere zeitliche Perspektive bieten und durch ein „Bundesprogramm Kohlewende“ flankiert werden. Nur so kann Planungssicherheit für die betroffenen Unternehmen, deren Arbeitnehmer und die betroffenen Regionen geschaffen werden. Der SRU empfiehlt der Bundesregierung daher umgehend, einen Konsensfindungsprozess mit Wirtschaft, Wissenschaft und Umweltverbänden zu beginnen.

Der Kommentar zur Umweltpolitik „10 Thesen zur Zukunft der Kohle bis 2040“ kann unter www.umweltrat.de heruntergeladen werden.
Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Christian Hey, Tel.: +49 30 263696-0.

Der SRU berät die Bundesregierung seit über 40 Jahren in Fragen der Umweltpolitik. Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Professorinnen und Professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive.

Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:
Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische Universität Clausthal
Prof. Dr. Karin Holm-Müller (stellv. Vorsitzende), Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Harald Bradke, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe
Prof. Dr. Christian Calliess, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Heidi Foth, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Goethe-Universität und Zoologischer Garten Frankfurt
Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie Universität Berlin

Solar Impulse 2 startet Pazifik-Überquerung

29. Juni 2015 | Forschung und Entwicklung, Topnews
Im dritten Anlauf hat der Start nun geklappt. Das Solarflugzeug hat seine längste Etappe - vom japanischen Nagoya nach Hawaii - in Angriff genommen.

Die Zeit drohte den Piloten der Solar Impulse (Si2), Bertrand Piccard und Andre Borschenberg, davon zu laufen. Im dritten Anlauf konnten sie nun aber doch die längste Etappe in Angriff nehmen. Am frühen Morgen (Ortszeit) hob das Solarflugzeug Si2 im japanischen Nagoya ab. Mindestens fünf Tage und Nächte wird es dauern, bis die Pazifiküberquerung mit der Landung auf der US-Insel Hawaii vollendet sein soll. Es ist die längste Etappe auf der geplanten Weltumrundung der Solar Impulse.

Wegen des schlechten Wetters musste der eigentlich schon für den 22. Juni geplante Start zweimal verschoben werden. Für den 120 Stunden langen Flug über den Pazifik brauchen die Piloten möglichst gute Wetterbedingungen, um die Akkus des Solarflugzeuges möglichst gut laden zu können.

Der Flug von Nagoya nach Hawaii ist die achte von geplanten 13 Etappen für die Weltumrundung. Anfang März waren Piccard und Borschenberg zu ihrem Abenteuer aufgebrochen. Nach der Überquerung der Pazifiks steht ihnen auch noch der Überflug über den Atlantik an. Zielpunkt der Weltumrundung ist letztendlich der Startort Abu Dhabi. Ein interdisziplinäres Team aus 80 Experten und mehr als 100 Partnern und Beratern habe an der Verwirklichung der Solar Impulse mitgewirkt, hieß es beim Start. Mehr als 17.000 Solarzellen sind auf den Tragflächen der Solar Impulse installiert, die größer sind als die Flügel einer Boeing 747. Nach Angaben der Forscher kann die Solar Impulse eine Geschwindigkeit von 50 bis 100 Kilometern pro Stunde in einer Flughöhe von bis zu 8500 Metern erreichen. (Sandra Enkhardt)

Photovoltaik-Projektrechte sehr gefragt

29. Juni 2015 | Märkte und Trends, Ausschreibungen, Topnews
Interview: Bis Ende August können Photovoltaik-Freiflächenanlagen noch nach dem EEG eine Vergütung erhalten. Allerdings wird die Zeit langsam knapp, wenn unrealisierte Photovoltaik-Projekte bis dahin noch ans Netz gehen sollen. Dirk Petschick, Geschäftsführer und Mitgründer von Milk the Sun, mahnt deshalb Besitzer von umsetzbaren Projektrechten zur Eile, wenn sie diese noch verkaufen wollen.

pv magazine: Die Vergütung von Freiflächenanlagen nach dem EEG läuft Ende August aus. Wirkt sich dies bei Ihnen auf die Nachfrage nach Projektrechten aus?
Dirk Petschick (Foto):Wenn wir genügend Projektrechte auf der Plattform im Angebot hätten, dann wäre die Nachfrage sicherlich sehr groß, da es doch noch eine Menge an freien Baukapazitäten in der Branche gibt und die Investoren nach wie vor prall gefüllte Geldbeutel haben. Die wenigen Projektrechte, die aktuell bei uns angeboten werden, sind schon in fortgeschrittenen Verhandlungen.

Glauben Sie, dass es darüber hinaus noch mehr Rechte für noch umsetzbare Photovoltaik-Projekte gibt?
Dass es noch umsetzbare Projektrechte gibt, davon gehen wir ganz fest aus. Nur scheinen deren Besitzer oft noch nicht realisiert zu haben, dass die Uhr unaufhaltsam tickt. Zwei Monate für Vertragsverhandlungen, Due Diligence, gegebenenfalls Finanzierung, Materialbestellung und Bau, das ist selbst für professionelle Unternehmen schon sehr sportlich. Ich weiß wirklich nicht, auf welches Wunder hier gewartet wird.

Was raten Sie Besitzern von noch unrealisierten Projektrechten?
Entscheiden Sie sich - und das bitte schnell! Was wollen und vor allem können Sie von den eigenen Projekten noch in den kommenden zwei Monaten realisieren? Stellen Sie die verbleibenden Projekte schnell, vollständig dokumentiert und zu marktüblichen Preisvorstellungen zu uns auf die Online-Plattform. Wir kümmern uns dann darum, dass diese noch rechtzeitig einen passenden Käufer finden. Auch wenn in der Photovoltaik-Branche erfahrungsgemäß fast nichts unmöglich ist, so denke ich, dass Ende Juli dann auch die Deadline für bis dahin nicht verkaufte Projektrechte erreicht ist.

Was erwarten Sie für die Zukunft: Werden Projektrechte mehr oder weniger nachgefragt, wenn Freiflächenanlagen nur noch über Ausschreibungen gefördert werden?
In welchem Umfang Projektrechte in der Zukunft in Deutschland gehandelt werden, bleibt abzuwarten. Hier eine Prognose zu wagen ist schwierig. Dass ein Handel wieder in Gang kommt, davon gehen wir aus, denn auch die Zuschläge für eine Förderung einer Freiflächenanlage nach einer Ausschreibungsrunde können in Form von Projektrechten weiterverkauft werden. Allerdings geht das nur noch als Share-Deal und nicht mehr als Asset-Deal. Für eine erfolgreiche Veräußerung der zuschlagsbegünstigten Projektrechte ist daher unbedingt die Gründung einer Projektgesellschaft vor der Ausschreibung notwendig, die an den Ausschreibungsrunden teilnimmt. Im Falle einer Förderungszusage lägen die Rechte zur Förderung in dieser Projektgesellschaft. Diese Gesellschaft kann dann mit den Förderungsrechten als Share-Deal verkauft werden.

Wie hat sich die Nachfrage in Deutschland insgesamt in den vergangenen Monaten entwickelt - zum einen nach Projektrechten, zum anderen auch nach bestehenden Anlagen?
Der Photovoltaik-Zweitmarkt befindet sich weiter dynamisch im Wachstum. Das liegt vor allem an der vermehrten Kommunikation über die Möglichkeiten des Kaufs und Verkaufs von laufenden Solaranlagen. Auch dank unserer fortschreitenden Internationalisierung gewinnen wir immer mehr Verkäufer und Investoren, die aktiv werden. Alles in allem konnten wir in den ersten fünf Monaten diesen Jahres einen Anstieg des Handelsvolumens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 155 Prozent auf unserer Online-Plattform verzeichnen.

Wird das Interesse am Kauf und Verkauf bestehender Anlagen künftig weiter wachsen?
Je mehr bei den Anlageneigentümern das Bewusstsein besteht, dass ihre Photovoltaik-Anlage ein liquides, also handelsbares Gut ist, desto einfacher wird sich ein gewisser Prozentsatz aus unterschiedlichsten Gründen von diesem Investment trennen. Den Investoren auf der anderen Seite bietet sich die Möglichkeit, in ein grünes Asset zu investieren, welches ein alternativloses, sehr interessantes Risiko-Rendite-Profil hat. Wir gehen davon aus, dass wir aktuell erst den Anfang dessen sehen, was in den kommenden Jahren an Handel möglich ist.

Die Fragen stellte Sandra Enkhardt.

Suncycle bietet Reparaturprogramm für defekte Solar-Fabrik Anschlussdosen an

29. Juni 2015 | Märkte und Trends, Topnews
Nach Angaben des Hamburger Unternehmens können die fraglichen Anschlussdosen, von denen eine Brandgefahr für die Solarmodule ausgehen kann, vor Ort oder im Leistungszentrum repariert werden. Die Zertifikate der Solarmodule sollen nach der Reparatur ihre Gültigkeit behalten.

Suncycle bietet nun ein Reparaturverfahren für defekte Anschlussdosen von Solarmodulen des Photovoltaik-Herstellers Solar-Fabrik an. Es sei ein Online-Tool eingerichtet, mit dem geprüft werden könne, ob die Seriennummer der Module aus der fehlerhaften Produktionscharge stamme. Solar-Fabrik warnte vor einen Wochen davor, dass wegen defekter Anschlussdosen bei einigen Solarmodulen eine Brandgefahr bestehe. Das Reparaturverfahren sei gemeinsam mit dem Photovoltaik-Hersteller entwickelt worden, heißt es bei Suncycle weiter. Das Hamburger Unternehmen repariere oder tausche die betroffenen Anschlussdosen, bei denen Brandgefahr bestehe. Dies geschehe entweder im Leistungszentrum oder als Expresslösung direkt vor Ort. Suncycle gebe den Photovoltaik-Anlagenbetreibern auch die nötige Sicherheit für den weiteren Betrieb. Die Modul-Zertifikate, die ursprünglich von der Solar-Fabrik vergeben wurden, behielten auch nach der Reparatur ihre Gültigkeit, hieß es weiter.

In der vergangenen Woche hatte Adler Solar ein ähnliches Angebot gestartet. Das Bremer Unternehmen macht dabei speziell Angebote für Reparaturlösungen für Betreiber und Installateure. (Sandra Enkhardt)

Emirates Insolaire realisiert Installationen mit farbigem Solarglas

29. Juni 2015 | Märkte und Trends, Topnews
Das Joint Venture aus einer Dubaier Investmentfirma und einem Schweizer Photovoltaik-Hersteller hat nun in Lausanne eine farbige Solarglas-Fassade realisiert. Auch Projekte in Basel und Österreich mit den Kromatix-Solarmodulen sind nun fertiggestellt.

Die Emirates Insolaire LLC hat in der Schweiz erfolgreich die ersten farbigen Kromatix-Solarmodule an einer Gebäudefassade installiert. Die Photovoltaik-Installation im schweizerischen Lausanne habe einen Wert von 850.000 Emirati Dirham, umgerechnet gut 200.000 Euro. Die blauen Farbglas-Solarmodule produzierten genug Strom, um zwei vierköpfigen Familien das ganze Jahr mit Strom zu versorgen, hieß es weiter. Die Leistungsfähigkeit seiner farbigen Solarmodule gibt Emirates Insolaire mit 150 Watt je Quadratmeter Dachfläche oder mehr als 110 Watt pro Quadratmeter an Fassaden.

Neben dem Photovoltaik-Projekt in Lausanne seien noch zwei weitere Installationen in Basel und Österreich fertiggestellt worden. Emirates Insolaire habe zudem Anfragen bezüglich seiner Solarmodule aus vielen Ländern weltweit, etwa in der Region aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien, Kuweit, Ägypten, Bahrain und Libanon, aber auch aus Europa, Asien, den USA und Brasilien, hieß es weiter. Kromatix-Solarmodule könnten zwischen 20 und 60 Prozent des Strombedarfs eines Gebäudes decken. In bestimmten Branchen, wo große Dächer und Fassaden vorherrschten, könnten es sogar bis zu 100 Prozent sein. Die Solarmodule gebe es in fast allen Farben.
Im November 2013 gründeten die Dubai Investments und die SwissINSO das Joint Venture. Sie stellt die Kromatic Solarglas-Module her, deren Technologie von dem Schweizer Photovoltaik-Unternehmen entwickelt und lizenziert ist. (Sandra Enkhardt)

Bürger werden nun für sukzessiven Braunkohleausstieg zahlen müssen

29. Juni 2015 | Politik und Gesellschaft, Hintergrund, Topnews
Interview: Auf dem BDEW-Kongress in der vergangenen Woche hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) seinen Alternativvorschlag zu einer Klimaabgabe für alte Braunkohlekraftwerke vorgelegt: Diesen hat er gemeinsam mit der Industriegewerkschaft IG BCE erarbeitet und er könnte Stromkunden oder Steuerzahler deutlich teurer zu stehen kommen. Unter Klimaschutzaspekten ist es aber immer noch besser, wenn alte Braunkohlekraftwerke aus dem Markt gekauft werden, als das alles nichts geschieht, sagt Carsten Pfeiffer, Leiter Strategie und Politik, beim Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) im pv magazine-Interview.

pv magazine: Gabriel hat auf dem BDEW-Kongress eine Alternative für die Klimaabgabe für alte Braunkohlekraftwerke vorgelegt. Wie schätzen Sie diese ein?
Carsten Pfeiffer: Bundeswirtschaftsminister Gabriel hat jetzt zwei Modelle vorgelegt, sein eigener Vorschlag eines Klimabeitrages sowie die Alternative einer Kombination aus einer Braunkohlereserve und mehr Subventionen für die Kraft-Wärme-Kopplung. Beim ursprünglich angedachten Klimabeitrag würden einige Braunkohlekraftwerke mit marktwirtschaftlichen Mitteln aus dem Marktscheiden; beim Alternativvorschlag würden sie rausgekauft. Anders gesagt: Beim ersten Vorschlag würden die externen Kosten der Braunkohlestromerzeugung eingepreist, beim zweiten zahlt der Stromkunde oder Steuerzahler dafür, dass weniger Braunkohlekraftwerke das Klima zerstören.

Welche Regelung würde am Ende mehr CO2 einsparen?
Welche Regelung am Ende tatsächlich mehr CO2 einspart, kann man kaum einschätzen. Zu unsicher ist, was angesichts des Widerstands der Braunkohlelobby am Ende von Gabriels Klimabeitrag nach langen Verhandlungen übrig geblieben wäre. Und bei dem Jurassic Park für alte Braunkohlekraftwerke wissen wir nicht, wie viele davon in den nächsten Jahren ohnehin vom Netz genommen worden wären. Meine Einschätzung ist, dass die Politik derzeit nicht genügend Kraft hat, CO2-Preise durchzusetzen, die halbwegs die Wahrheit sprechen und man daher am Ende die Kohlekraftwerke rauskaufen wird.

Wäre es nicht viel mehr in ihrem Sinne, die schrittweise Stilllegung der Kohlekraftwerke parallel zu einer Klima-Abgabe vorzunehmen oder würde dies die deutsche Energiewirtschaft nicht verkraften?
Der BEE hatte bereits vor geraumer Zeit vorgeschlagen, eine erweiterte Reserve zu schaffen, die auch dazu dienen könnte, Braunkohlekraftwerke aus dem Markt zu ziehen. Die Überlegung war, dass am Ende eine Kompromisslösung stehen müsste und neben der „Peitsche“ auch das „Zuckerbrot“ kommen müsse. Dass am Ende nur das Zuckerbrot übrig bleiben dürfte, ist sicher keine optimale Lösung. Aber es ist unter Klimaschutzgesichtspunkten immer noch deutlich besser, dass alte Braunkohlekraftwerke aus dem Markt gekauft werden, als das nichts geschieht.

Aber warum ist die Politik nach ihrer Meinung eingeknickt?
Vermutlich hat die wirtschaftliche Lage von RWE und Vattenfall Europe mit dazu beigetragen, dass sich die Politik nicht traut, echte Marktpreise durchzusetzen. Eine Finanzspritze ist da hilfreich; ob dies RWE wirklich entscheidend helfen wird, ist keineswegs sicher. RWE erinnert mich immer mehr an Griechenland. In dem Zusammenhang wird es auch spannend sein, zu sehen, ob die Bundesregierung eine Entscheidung zu dem Atomfonds für die Rückstellungen trifft. Hier hat man berechtigterweise die Sorge, dass die teilweise strauchelnden Atomkonzerne am Ende als Zahler nicht mehr zur Verfügung stehen.

Gabriel hat sich nur sehr vage geäußert, welche anderen Maßnahmen die dann noch fehlenden zwölf Millionen Tonnen CO2 im Stromsektor eingespart werden sollen, wenn der Alternativvorschlag kommt. Worauf sollte das Hauptaugenmerk der Regierung dann liegen, also welche Maßnahmen besonders gefördert werden?
Der Schwerpunkt der zusätzlichen Maßnahmen wird offenbar auf der verstärkten Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gelegt. Hier ist aus BEE-Sicht entscheidend, dass keine Kohle-KWK mehr gefördert wird. Das wäre sonst kontraproduktiv für den Klimaschutz. Die KWK-Prämie sollte zudem flexibilisiert werden, damit sich die KWK in das künftige Versorgungssystem integrieren kann, das von Erneuerbaren Energien geprägt sein wird. Mehr noch, auch an die KWK müssen schrittweise höhere CO2-Effizienzkriterien angelegt werden, sonst geht ihre Klimaschutzlegitimation nach und nach verloren. Mit einer höheren CO2-Effizienz kämen auch die erneuerbaren Energien stärker ins Spiel, die bislang im KWKG (Kraftwärmekopplungs-Gesetz) noch keine Rolle spielen. Die Dekarbonisierung muss aber auch bei der KWK schrittweise erfolgen.

Glauben Sie, dass die Klima-Abgabe nun wirklich schon vom Tisch ist? Offiziell soll die Entscheidung doch erst am 1. Juli fallen?
Ich denke, dass die Klima-Abgabe nur noch pro-forma auf dem Tisch liegt, um zu demonstrieren, dass man es auch billiger hätte haben können. Der Alternativvorschlag mit der Handschrift der Gewerkschaft IG BCE ist absehbar deutlich teurer. Minister Gabriel hat natürlich kein Interesse daran, dass bei ihm der Schwarze Peter hängen bleibt. Er spekuliert wohl darauf, dass die Union nicht beides ablehnen kann und wenn sich die Union für die teurere Variante entscheidet, dann hat sie den Schwarzen Peter in der Hand. Gut möglich, dass das Spiel zumindest weitgehend aufgeht, würde sich die Bundeskanzlerin doch völlig unglaubwürdig machen, wenn das Klimaschutzprogramm am Widerstand der Union scheitern würde. Aus Wirtschaftskreisen der Union gab es auch schon Zustimmung. Stellt sich noch die Frage, wer die Rechnung zahlt, der Stromkunde oder der Steuerzahler. Falls Schäuble einer Haushaltsfinanzierung zustimmt, zahlt der Steuerzahler, ansonsten der Stromkunde, in beiden Fällen also der Bürger.

Wieso haben Verbände wie der VKU und der BDI die teurere Variante befürwortet?
Für die Stadtwerke ist es hilfreich, dass die billige Braunkohlekonkurrenz kleiner wird, ob das durch Zuckerbrot oder Peitsche geschieht, ist da nachrangig. VKU und BDEW haben gleichzeitig darauf spekuliert, dass die IG BCE und die Braunkohleländer den Weg für höhere Kraft-Wärme-Kopplung-Subventionen freikämpfen werden, was offenbar gelungen ist. Auf dem Tisch liegt jetzt eine zusätzliche Milliarde für die KWK, die es ohne Auseinandersetzung um den Klimabeitrag in dem Umfang nicht gegeben hätte.
Der BDI wiederum wollte auf keinen Fall eine Lösung haben, die die Großhandelspreise anheben könnte, da von den niedrigen Großhandelspreisen vor allem die energieintensive Industrie profitiert. Beim KWKG gibt es ähnlich wie beim EEG umfassende Begünstigungen der energieintensiven Industrie. Die Strategie des BDI, sich für eine teurere Lösung einzusetzen, die Dritte zahlen, dürfte folglich aufgehen. Aus der Rede Gabriels, die er auf dem BDEW-Kongress gehalten hat, war die Kritik an der BDI-Strategie herauszuhören.

Wie bewerten Sie das Arbeitsplatzargument, dass immer wieder als stärkster Grund gegen eine Klimaabgabe ins Feld geführt wurde?
Das Arbeitsplatzargument war einer der Gründe, weshalb der BEE sich schon seit langem für eine erweiterte strategische Reserve ausspricht, weil dann in den alten stillstehenden Kohlekraftwerken noch übergangsweise Arbeitsplätze erhalten bleiben, welche die Kraftwerke im Stand by-Modus halten. Allerdings hätte der Klimabeitrag vor allem dazu geführt, dass die Kraftwerke weniger laufen, auch da wären die Arbeitsplätze in den Kraftwerken überwiegend erhalten geblieben.

Und inwiefern würde es sich auf die Menschen im Braunkohletagebau auswirken?
Für den Braunkohlebergbau ist es hingegen völlig irrelevant, ob weniger Braunkohle aufgrund des Klimabeitrages oder aufgrund der Kraftwerks-Frühverrentung in der Reserve verbrannt wird. Das bestätigt auch die Studie zum Klimabeitrag, die das DIW Berlin in der letzten Woche vorgestellt hat. Die sogenannte Dominotheorie der IGBCE ist aus meiner Sicht weitgehend substanzlos. Man darf sich wundern, womit manche Akteure in einer sonst kritischen öffentlichen Umgebung weitgehend unhinterfragt durchkommen. Wenn die ersten Braunkohlekraftwerke in der Reserve gelandet sind und die Stilllegungswelle ausbleibt, wird sich die Theorie als ebenso falsch heraus stellen, wie andere Dominotheorien in der Historie auch. Sollte sich überraschenderweise die Domino-Theorie der IGBCE doch als richtig erweisen, träte sie auch bei dem Alternativvorschlag ein. Arbeitsplätze wären dann nicht gerettet. Dann ist es am Ende nur viel teurer geworden, aber wie gesagt, kann man den Dominoeffekt getrost dem Reich der Mythen und Legenden zuordnen.

Ist es aber nicht zugleich die Chance für einen Strukturwandel in den Kohleregionen?
Nichtsdestotrotz liegt auf der Hand, dass die Dekarbonisierung dazu führen wird, dass die Arbeitsplätze des Braunkohletagebaus künftig ebenso verloren gehen werden, wie dies in der Vergangenheit beim Steinkohlebergbau der Fall war. Als Saarländer weiß ich, dass das für die betroffenen Regionen ein schmerzhafter Prozess ist. Kürzlich durfte ich in der Lausitz erleben, dass dort heute die gleichen Argumente angeführt werden wie im Saarland vor zwanzig Jahren. Am erforderlichen Strukturwandel führt kein Weg vorbei. Aufgabe des Bundes wird es sein, die betroffenen Bundesländer strukturpolitisch zu begleiten. Die Braunkohleländer wiederum müssen die Herausforderung offen anpacken und sollten nicht den Eindruck vermitteln, dass sich die Braunkohleregionen auf lange Sicht um Klimaschutz drücken können. Dazu gibt es auch die Greenpeace-Studie „Vattenfalls Chance“.
Was wären sonst die Folgen?
Sonst schauen am Ende vor allem die betroffenen Arbeitnehmer in die Röhre. Vom Kompromissvorschlag der IG BCE profitieren in erster Linie die Aktionäre von RWE und die Eigentümerin von Vattenfall Europe. Die Bergleute werden auch bei der Umsetzung des Kompromisses weniger Kohle zu baggern haben. Die Braunkohleverstromung geht ihrem Ende entgegen. Daher sollte eine verantwortungsvolle Industriepolitik eigentlich den Wandel aktiv begleiten. Die Diskussion der vergangenen Wochen zeigt aber anschaulich, wie vehement auf die möglichst lange Konservierung der schon überholten Strukturen gedrängt wird. Der DGB hat einen runden Tisch zur Erarbeitung eines Kohleausstiegsplans vorgeschlagen. Alle Beteiligten täten gut daran, diesen Vorschlag aufzugreifen.

Die Fragen stellte Sandra Enkhardt.

Montag, 29. Juni 2015

Ausgezeichnet: LG NeON 2 bestes Solarmodul des Jahres 2015/2016

26. Juni 2015 | von: LG Electronics Ratingen, 26. Juni 2015 ― Das neue Hochleistungsmodul NeONTM 2 des Elektronik- und Solarspezialisten LG Electronics ist jetzt mit dem Plus X Award in den Kategorien High-Quality, Funktionalität und Ökologie ausgezeichnet worden. Die Geschäftseinheit Solar gewinnt den begehrten Preis für innovative Technologien bereits zum dritten Mal in Folge. Zudem benennt die Jury das LG NeONTM 2-Modul als Solarmodul des Jahres 2015/2016.

Meilenstein: LG MonoX NeON trifft CELLO-Technologie
LG setzt bei seinem neuen Modul LG NeONTM 2 auf die eigens entwickelte CELLO-Technologie. Hierbei werden drei Sammelbalken durch zwölf dünne Drähte ersetzt und so Leistungsabgabe und Zuverlässigkeit verbessert. LG NeONTM 2 demonstriert die Bemühungen von LG Electronics, den Kundennutzen auch über den Wirkungsgrad hinaus zu steigern. Anwender profitieren von erweiterter Garantie, Haltbarkeit und Leistung unter realen Bedingungen gepaart mit ansprechendem Design. Die dünneren Sammeldrähte erscheinen aus der Entfernung vollkommen schwarz. Das Modul kann dank seines modernen Designs den Wert eines Gebäudes erhöhen.

Der Nachfolger des beliebten LG MonoX NeONs bringt es bei einer unveränderten Größe von 1600 x 1000 Millimetern und 60 monokristallinen Zellen auf eine maximale Leistung von bis zu 320 Watt Peak. Mit einem Wert von 6.000 Pascal (Pa) konnte LG die mechanische Belastbarkeit der Modul-Vorderseite noch einmal um mehr als elf Prozent im Vergleich zu den Vorgängermodellen erhöhen. Die Belastbarkeit der Rückseite hat sich Dank eines stabileren Rahmens mit 5.400 Pa mehr als verdoppelt – ein Vorteil, der gerade in stürmischen Zeiten zum Tragen kommt und Anwender ruhig schlafen lässt. Dafür wurde die Rahmenstärke von 35 auf 40 mm erhöht. Das neue Design der Module hat den Solarspezialisten auch dazu veranlasst, die Produktgarantie von zehn auf zwölf Jahre auszudehnen. Die Degradation der Module beträgt maximal 2 Prozent im ersten Jahr und nicht mehr als 0,6 Prozent in den 24 folgenden Jahren. Damit erhalten Anwender mindestens 83,6 statt bisher 81,2 Prozent der ursprünglichen Leistung nach 25 Jahren. Die neuen LG NeONTM 2 Module zeichnen sich darüberhinaus durch einen verbesserten Temperaturkoeffizienten und verbessertes Schwachlichtverhalten aus. Damit erzeugen die neuen Module auch bei heißen Temperaturen oder bei bewölktem Wetter mehr Strom als viele andere Module.

Diese Leistungssteigerung kombiniert mit Top-Zuverlässigkeit, einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis und der edlen Optik des LG  NeONTM 2 überzeugte die Jury des Plus X Award daher in mehreren Kategorien.

Der Plus X Award wird bereits seit 2003 für innovative Technologie- sowie Sport- und Lifestyle-Produkte verliehen. Die Jury besteht aus einer Gruppe von namhaften und unabhängigen Journalisten und Persönlichkeiten aus 25 verschiedenen Industriezweigen. Besonderes Augenmerk legt sie bei der Wahl der Preisträger auf Hersteller und Produkte, die durch Qualität, Mehrwert und Zukunftstauglichkeit überzeugen.